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Preisspirale macht auch vor dem Tod nicht Halt: Auch Sterben wird teurer

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Björn Uhr hat das traditionsreiche Altenaer Bestattungshaus Draheim erst im April 2022 übernommen – genug, um über Aufwand und Preise für Bestattungen bestens informiert zu sein. Uhr gibt die gestiegenen Kosten weiter, allerdings in ganz moderatem Rahmen.
Björn Uhr hat das traditionsreiche Altenaer Bestattungshaus Draheim erst im April 2022 übernommen – genug, um über Aufwand und Preise für Bestattungen bestens informiert zu sein. Uhr gibt die gestiegenen Kosten weiter, allerdings in ganz moderatem Rahmen. © Heyn, Volker

Nichts im Leben ist umsonst – und auch danach wird es teuer, zumindest für die Hinterbliebenen. Egal ob Urnengrab, Seebestattung oder Erdsarg, die Kosten für Bestatter und Friedhofsbetreiber sind hoch – und werden angesichts steigender Rohstoff- und Gaspreise wohl weiter steigen.

Altena - „Friedhofsgebühren, Arztkosten und Sargpreise – alles an einer Bestattung ist in den vergangenen Jahren teurer geworden“, sagt Stephan Schmidt, Inhaber vom Erwin Schmidt Beerdigungsinstitut in Lüdenscheid. Vor allem der Holzpreis sei stark gestiegen: „Ein Sarg kostet heute über 20 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren, dabei spielen auch die höheren Transportkosten eine Rolle“, sagt Schmidt, dessen Preise sich aber nach wie vor auf dem damaligen Niveau befänden. „Bisher haben wir die höheren Kosten nicht weitergegeben. Wenn wir 2023 allerdings einen neuen Katalog herausgeben, werden wir wohl keine Wahl haben.“

Denn auch der Zeitaufwand für die Vorbereitung und Begleitung der Trauerfeiern sei durch die Verkehrssituation in Lüdenscheid stark gestiegen. „Teilweise brauchen wir doppelt so lange für unsere Fahrten, berechnen aber nach wie vor die gleiche Pauschale“, sagt Schmidt. Ein weiterer Kostentreiber könnten höhere Kosten für Feuerbestattungen sein, die sich aus den steigenden Gaspreisen in den Krematorien ergeben. Davon habe Schmidt aber bislang nichts gehört.

„Die Tendenz ist: höher“, sagt auch Björn Uhr, der vor einigen Monaten das Bestattungsunternehmen Gustav Draheim in Altena übernommen hat. Es gebe keine Positionen, die günstiger geworden seien. Das fange bei höherem Porto für die Briefe an, gehe über die teureren Kraftstoffpreise bis hin zum Holz. Diese Preissteigerungen gebe er weiter – allerdings „so moderat wie möglich“, wie Uhr betont. Kosten wie teurere Zeitungsanzeigen würden eins zu eins weitergegeben.

Das bestätigt auch ein Beerdigungsinstitut aus Altena, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Die Preise steigen seit Jahren“, erklärte ein Mitarbeiter mit Blick auf das Holz, das für die Särge benötigt wird. Das sei allgemein bekannt – bei Erdbestattungen sowieso, aber auch bei Feuerbestattungen käme ein Sarg zum Einsatz, wenn auch meistens nur ein ganz einfacher.

Ganz akut bemerkbar machten sich derzeit auch die in den letzten Monaten stark gestiegenen Spritpreise – Tankrabatt hin oder her. Trotzdem: Angehoben habe man die Preise bisher noch nicht. Aber irgendwann komme man wohl nicht mehr.

Dennis Schönrath, Betriebsleiter bei Feuerbestattung Sauerland, erklärt: „Im Moment haben wir auf die gestiegenen Gaspreise noch nicht mit Erhöhungen reagiert, sollten die Preise aber weiter steigen, dann werden wir einen temporären Energiezuschlag erheben.“ Er führt weiter aus, dass man die Preisentwicklung im Auge behalte.

Bis zu 50 Kubikmeter Gas könnten bei der Einäscherung eines Leichnams verbraucht werden. Allerdings richte sich der Gasverbrauch nach der Auslastung und der damit verbundenen Grundtemperatur in der Verbrennungsanlage, so Schönrath.

Doch was passiert, wenn gar kein Gas mehr geliefert wird und die Krematorien nicht mehr betrieben werden können? Der Gedanke daran treibt den Verantwortlichen in Großstädten den Schweiß auf die Stirn. Bei rund einer Million Verstorbener pro Jahr in Deutschland, von denen rund 750 000 eingeäschert werden, würde das Bestatter und kommunale Mitarbeiter vor Probleme stellen. So schreibt das Portal „Nonstopnews“, dass gerade in Großstädten nicht nur das Personal, sondern auch Bagger fehlen würden, um all die Verstorbenen im Rahmen einer Erdbestattung beizusetzen.

Gasverbrauch, Unterschiede und der letzte Klimagas-Fußabdruck

In Deutschland werden rund 160 kommunale und private Krematorien betrieben, in denen im Jahr rund 750 000 Leichname eingeäschert werden. Dazu werden rund 20 Millionen Kubikmeter Gas benötigt. Die meisten Einäscherungen gibt es, am Anteil der Verstorbenen gemessen, in den nördlichen Großstädten Hamburg und Bremen, die wenigsten in ländlichen Gebieten Süddeutschlands.

Bei den Einäscherungen setzen die Krematorien rund 38 Millionen Kubikmeter Kohlendioxid frei. Da falle die Erdbestattung deutlich „grüner“ aus, haben Experten berechnet.

Aber auch auf den Friedhöfen wird der Trend zur Urnenbestattung zu einem Problem, da immer mehr Flächen freibleiben müssen, die jedoch weiterhin Arbeit machen. Einige Kommunen haben schon mit einer Angleichung der Bestattungsgebühren darauf reagiert.

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