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Atemschutz: Mühsame Aufklärungsarbeit nach Zerstörung der Altenaer Werkstatt

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Von: Volker Heyn

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Auch wenn nach dem langen Vortrag von Feuerwehrchef Alexander Grass über den Zustand der 150 Atemschutzgeräte am Montag im Altenaer Rat keine Fragen mehr gestellt wurden, blieb ein Rest von Unklarheit.

Altena - Eine Botschaft sollten aber dennoch alle aus dieser Sitzung mitnehmen: Alle vorhandenen Geräte seien gewartet, geprüft und vollständig einsatzbereit.

Grass war in den Rat eingeladen worden, um die komplizierte Wartung und Prüfung von Atemschutzgeräten verschiedener Hersteller und Systeme zu erklären. Ratsherr Ulrich Biroth von der sozialen und demokratischen Alternative (SDA) hatte bereits im Februar mehrere Fragen an die Verwaltung gestellt, mit welcher Begründung die Stadt wohl drei Container für die eigene Reparatur und Wartung von solchen Geräten anschaffen möchte. Es gebe doch einen Gerätepool des Kreises, an dem sich die Feuerwehr bedienen könne. Diese und weitere Fragen von Biroth sollten am Montag, fast vier Monate nach der Anfrage, im Rat von Grass beantwortet werden.

Es geht auch um Begrifflichkeiten

Der Stadtbrandinspektor und Leiter der Feuerwehr holte dazu sehr weit aus: Seit 1999 betreibt die Feuerwehr im Keller der Wache an der Nette eine Werkstatt, in der sämtliche Atemschutzgeräte gewartet und instand gehalten werden. Die technische und behördliche Prüfung der Geräte wurde aber immer und bis heute vom Feuerwehrservicezentrum des Kreises in Iserlohn erledigt. Im Laufe der Diskussion im Rat schien es eher um die Frage der Begrifflichkeit zu gehen: Ist das nun eine offizielle Atemschutzgerätewerkstatt oder nur ein Keller mit Kompressor und Werkzeugen? Biroth hatte jedenfalls herausgefunden, dass im 2019 beschlossenen Brandschutzbedarfsplan der Stadt Altena festgehalten war, dass man über gar keine solche Werkstatt verfüge. Fakt ist, dass das Hochwasserunglück im Juli 2021 auch diese Einrichtung im Keller der Wache vollständig unbrauchbar machte. Biroth süffisant: „Ist uns da was kaputt gegangen, was gar nicht vorhanden war?“

Obwohl lang und breit über die genaue Bezeichnung debattiert wurde, zweifelt seit Montag auch Biroth nicht an, dass es die Werkstatt bis zur Flutkatastrophe rund 20 Jahre lang gab. Seit 2014, so Alexander Grass am Montag, bekomme die Feuerwehr jährlich 25 000 Euro von der Stadt für die Instandhaltung der Geräte: „Das hat immer funktioniert, bis heute.“

Altena gehört dem Atemschutzgerätepool nicht an

2014 habe der Kreis einen Atemschutzgerätepool angeboten, nach langer Abwägung in Rat und Verwaltung habe man sich in Altena entschlossen, dem nicht beizutreten. Die Lösung mit der eigenen Werkstatt und der Prüfung in Iserlohn sei funktional und auch finanziell in Ordnung. 2016 habe es noch einmal eine Nachfrage vom Kreis gegeben. Altena ist mit der Selbstwartung nicht alleine, das machen andere Wehren genauso.

Mitte 2021 gab es Probleme, weil es zwei unterschiedliche Hersteller von Atemschutzsystemen gibt und die Iserlohner Prüfstelle erklärte, die Altenaer Geräte ab dem 11. Mai 2021 nicht mehr prüfen zu können. Diese Aussage wurde laut Grass bereits am 16. Juni 2021 revidiert. Am 14. Juli überspülte die Flut den Werkstattraum und machte alles hinfällig. Seit Januar 2022 sei dann aber definitiv keine Prüfung mehr möglich, seitdem würden die Geräte zu einer externen Firma geschickt.

Weiter mit dem bisherigen System

Feuerwehr und Verwaltung sind sich einig, beim bisherigen System zu bleiben und für die Wartung und Instandhaltung wieder eine eigene Werkstatt einzurichten. Dafür sollen drei Container angeschafft werden, die bis zum Neubau der Wache provisorisch und mobil betrieben werden. Das entsprechende Personal dafür werde ausgebildet beziehungsweise sei vorhanden. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten seien die Container aber noch nicht da, sagte Bürgermeister Uwe Kober (CDU).

Nachdem sich Grass durch seine Ausführungen gearbeitet hatte, kam Biroth mit kritischen Fragen: Er habe selbst Recherchen beim Feuerwehrservicezentrum betrieben. Biroth an Grass: „Die schriftlichen Antworten stimmen nicht in allen Punkten mit Ihren Angaben überein.“ Grass hatte vorgerechnet, dass die 150 Altenaer Geräte samt Zubehör und Wartungskosten etwa eine halbe Million Euro wert seien. Biroth hatte in der Antwort vom Feuerwehrservicezentrum allerdings einen Wert von 220 000 Euro genannt bekommen. Ulrich Biroth: „Das verstehe ich nicht.“ Alexander Grass, der die Antworten auch kannte: „Ich auch nicht, aber das kann so nicht hinkommen.“

Grass: 150 Geräte reichen aus

Ob man aus den Antworten des Servicezentrums ableiten könne, dass Altena keine eigene wie auch immer benannte Werkstatt benötige, wollte der SDA-Ratsherr wissen. Das könne man nicht, so Grass. Die 150 Geräte reichten für alle normalen Einsätze aus, wenn es Großbrände wie den am Winkelsen gebe, würden sich ohnehin die Feuerwehren untereinander mit Geräten aushelfen.

Biroth ließ nicht locker, auf die offensichtlichen Widersprüche hinzuweisen. Seine Frage zum Beispiel, warum im Altenaer Brandschutzbedarfsplan von 2019, also lange vor der Flut, die eigene Atemschutzwerkstatt gar nicht erwähnt wurde, blieb am Ende des Tages unbeantwortet.

Erklärungen von anderer Stelle

Weitere, wenn auch nicht sämtliche Erklärungen, gab es von anderer Stelle. SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Ferber ist hauptberuflich Rettungsassistent und kennt die Altenaer Wache. „Die Werkstatt wurde seit 1999 immer als Atemschutzwerkstatt bezeichnet“, sagte er.

Interessante Details lieferte Guido Thal, CDU-Ratsherr und hauptberuflich Fachbereichsleiter Zentrale Steuerung beim Kreis: „2019 entsprach die Werkstatt nicht mehr dem Stand der Technik.“ Für die Prüfung der Altenaer Geräte habe Iserlohn bald keine Zertifizierung mehr. Eine Systemumstellung lohne sich dennoch nicht: „Wenn wir jetzt alle 150 Altenaer Atemschutzgeräte wegwerfen würden und wir zudem genug Geld für eine Neuanschaffung hätten, bräuchten wir fünf Jahre für die Beschaffung.“

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