Impfpriorisierung aufgehoben

Astrazeneca für alle: Zweigeteiltes Bild in Arztpraxen

Die Nachfrage nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca ist in den Arztpraxen sehr unterschiedlich.
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Die Nachfrage nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca ist in den Arztpraxen sehr unterschiedlich.

Große Resonanz in der einen, zögerliche Zurückhaltung in der anderen Praxis: Nach der Freigabe des Impfstoffs von Astrazeneca sind die Erfahrungen der Hausärzte in Altena und Nachrodt sehr unterschiedlich.

Altena/Nachrodt – „Die Angst vor dem Impfstoff überwiegt. Es gibt leider eine Menge Missinformationen und wir haben es schwer, Astrazeneca unter die Leute zu bringen. Alle wollen Biontech.“ Hausarzt Matthias Hartig klingt etwas resigniert.

Nach der Freigabe des Impfstoffes Astrazeneca, der nun ohne Priorisierung verimpft werden kann, hatte man mit einem Run gerechnet. Doch augenscheinlich sind auch diejenigen, die normalerweise nicht so schnell an eine Impfung kommen würden, ebenso wie die Älteren sehr zurückhaltend. Jedenfalls in Nachrodt-Wiblingwerde.

Astrazeneca: Auch viele Männer zurückhaltend

Astrazeneca hat einen Imageschaden. „Da kommen wir mit unseren Informationen nur schwer gegen an. Ein paar Leute lassen sich überzeugen, aber viele sagen, dass sie jetzt schon so lange gewartet haben und sie deshalb auf Biontech warten“, sagt Matthias Hartig, der auch bei Männern Überzeugungsarbeit leisten muss, „was auch nicht immer gelingt“.

Knapp 400 Impfungen hat der Nachrodter Hausarzt seit Start der Hausärzte-Kampagne verabreicht. Die allermeisten Schwerkranken und Patienten auf der Prioritätenliste sind geimpft. Und Matthias Hartig möchte dringend den Menschen Astrazeneca ans Herz legen – natürlich nicht allen. „Es gibt aber eine ganze Menge Leute, die Astra gut nehmen können und die kein erhöhtes Risiko haben.“

Dahler Praxis: Patienten „sehr positiv“gegenüber Astrazeneca

Von einer verkürzten Zeit zur Zweitimpfung hält Matthias Hartig aber nicht so viel. Die Wirksamkeit ist umso höher, desto länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist. „Ich persönlich würde nicht vor Ablauf von sechs Wochen die Zweitimpfung verabreichen.“

Das sieht sein Kollege Friedrich-Ernst von Seidlitz anders: Für ihn sollten bis zur Zweitimpfung zwölf Wochen vergehen, er bezieht sich dabei auf das Robert-Koch-Institut. Was die Akzeptanz von Astrazeneca angeht, so unterscheiden sich die Erfahrungen des Dahler Arztes sehr deutlich von denen seines Nachrodter Kollegen.

250 Dosen Astrazeneca bereits vergeben

„Sehr positiv“ stünden die meisten seiner Patienten diesem Impfstoff gegenüber. Offenbar habe die Aufklärungsarbeit der vergangenen Wochen etwas bewirkt. Von Seidlitz berichtet von einer starken Nachfrage nach Impfterminen: „Meine Damen haben schon taube Ohren.“ Die „Sehnsucht, endlich geimpft zu werden“ führt der Mediziner auch auf die bevorstehenden Urlaubszeit und die mit der Impfung verbundenen Lockerungen zurück.

250 Dosen Astrazeneca wurden dem Dahler für diese Woche avisiert, sie seien bereits restlos vergeben, sagt er. Dem stehen 30 Dosen Biontech gegenüber. In der kommenden Woche soll er sogar 300 Portionen Astrazeneca bekommen, auch dafür gebe es erheblichen Bedarf.

Impfungen während normaler Öffnungszeiten nicht zu schaffen

Die bisherigen Erfahrungen mit Astrazeneca seien gut, „in aller Regel wird er gut vertragen“, weiß von Seidlitz. Frauen unter 60 impft er allerdings vorsichtshalber nicht damit.

Während des normalen Praxisbetriebes seien Impfungen in diesem Umfang kaum möglich, sagt der Arzt. Es werde vor oder nach den üblichen Öffnungszeiten geimpft. Das nähmen die Patienten klaglos hin. Nach dem Motto „Hauptsache, sie werden geimpft.“ Derweil hat die EU beschlossen, die Zusammenarbeit mit dem Hersteller des Astrazeneca-Impfstoffes zu beenden.

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