ARD-Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre": So kam der Film über Altena an

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Stark besetzt: die Hauptdarsteller des Dreiteilers "Unsere wunderbaren Jahre".

Altena – Rund sechs Millionen Zuschauer sahen jeden der drei Teile des ARD-Films "Unsere wunderbaren Jahre" über Altena. Doch es hagelte auch heftige Kritik.

Wenn am Ende die Quote zählt, dann hat der WDR mit der (Teil-)Verfilmung von Peter Pranges Roman „Unsere wunderbaren Jahre“ alles richtig gemacht: Knapp 5,9 Millionen Menschen sahen sich am 18. März die erste Episode des Dreiteilers an, am Sonntag drauf waren es 6,8 Millionen, und das Finale am Mittwoch, 25. März, erlebten wieder 5,9 Millionen Zuschauer mit. 

Etwa in den gleichen Größenordnungen bewegen sich die Abrufzahlen aus der Mediathek, in der man sich das Opus schon etwas länger anschauen konnte. Mehr Erfolg geht eigentlich nicht. 

"Weichgezeichnetes" Land

„Unsere wunderbaren Jahre“ sind auch ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Filmkritik am Publikum vorbeischreibt. Vom Spiegel kennt man das durch den wöchentlichen Tatort-Check: Je heftiger ein Krimi dort verrissen wird, umso besser ist er in der Regel. 

Auch an der Prange-Verfilmung hat Spiegel-Autor Arno Frank einiges auszusetzen. Sie „weichzeichnet ein Land kurz nach dem kriegsbedingten Stillstand“, schreibt er. Der Film vermittle „ein Gefühl beklommener Gediegenheit“. 

Noch heftiger geht Matthias Beck zur Sache: „Eine einzige Sülze“ urteilt er auf Zeit online und watscht den Dreiteiler als „geschichtsklitterndes Machwerk“ ab. Mit Verlaub: Wer das schreibt, der hat was nicht verstanden. Prange ist mit seinem Roman nicht angetreten, um das Elend im Nachkriegsdeutschland zu beschreiben. Und überhaupt beschreibt er gar nichts, schließlich hat er einen Roman geschrieben und keine Dokumentation. 

Film endet viel eher als Roman

Prange erzählt eine Geschichte, sein Thema ist die D-Mark. Und hier ist tatsächlich Kritik am Film angebracht: Dieses große, im Roman immer wieder auftauchende Thema kommt viel zu kurz. Ein zweites Manko ist, dass das Buch den Zeitraum von 1948 bis zur Euro-Einführung im Jahr 2002 behandelt. Der Film endet Mitte der 1950er Jahre, die Geschichte ist damit nicht rund. 

Diese und andere Mankos erkennt Hans Hoff von der Süddeutschen Zeitung in seiner Filmkritik. „Was für eine Chance muss das sein, wenn man (so) einen Bestseller verfilmen darf“, schwärmt er. 

Dann allerdings attestiert er dem Drehbuch-Autor Robert Krause und seinem Co-Autor, mit der Aufgabe gescheitert zu sein. Sie hätten aus Pranges Bestseller „ein Drehbuch gemacht, das sich schwertut, echte Intensität zuzulassen, weil es nie den weiten Blick wagt, sondern sich immer wieder verheddert im Seelenschmerz einzelner Protagonisten“. 

Erfolg durch Emotion wie bei Soaps

Dass die Verfilmung erfolgreich sein würde, ahnt Hoff bereits vor der Ausstrahlung: „Wer sich gern von der Regie vor die Emotionstore führen lässt, findet sich hier gut zurecht. Die Geschichte, die erzählt wird, ist nachgerade wurscht. Auf diese Weise haben Soaps vom Schlage Rote Rosen oder Traumschiff seit Ewigkeiten Erfolg.“ 

Der Roman und der Film „Unsere wunderbaren Jahre“ spielen in Altena, womit es natürlich auch eine Altenaer Sicht auf den Film gibt. Das sei nicht ihre Stadt, monieren manche Burgstädter, womit sie zunächst einmal Recht haben. 

Gedreht wurde schließlich in Tschechien, auf Schloss Burg und an anderen Schauplätzen weit außerhalb von Altena. Nur einmal kommt die richtige Burg Altena ins Bild, sogar mit Lennepromenade, die es damals natürlich noch nicht gab. 

Keine Heimatkunde als Film

Eine Art verfilmte Heimatkunde erhoffte sich manch einer von dem Dreiteiler, der das aber niemals sein wollte. Deshalb hat der renommierte Heimatforscher Arnold Rump unrecht, wenn er moniert, Prange beziehungsweise der Film hätten falsche Schwerpunkte gesetzt. Das Elend der Flüchtlinge, der Kampf ums Überleben – all das fehle. 

Stimmt. Aber das war auch nicht das Thema. Das Thema war die D-Mark– und der Film spielte nur deshalb an der Lenne, weil bei VDM am Schwarzenstein die Münzen produziert wurden.

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