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Dreiecks-Bau im Drei-Städte-Eck auf Rosmart

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Von: Volker Heyn

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Der Neubau der WKT Architekten an der Richard-Schirrmann-Straße 3 auf Rosmart nimmt die dreieckige Form des Grundstücks auf. Der zweigeschossige Baukörper steht auf einem kleineren Sockel, so dass es später so aussehen soll, als würde das Gebäude fliegen. Noch steht das Gerüst, mit dessen Hilfe die äußere Hülle samt Bug am Betonbau befestigt wird.
Der Neubau der WKT Architekten an der Richard-Schirrmann-Straße 3 auf Rosmart nimmt die dreieckige Form des Grundstücks auf. Der zweigeschossige Baukörper steht auf einem kleineren Sockel, so dass es später so aussehen soll, als würde das Gebäude fliegen. Noch steht das Gerüst, mit dessen Hilfe die äußere Hülle samt Bug am Betonbau befestigt wird. © Volker Heyn

Auf einem winzigen Rand-Grundstück im Gewerbegebiet Rosmart entsteht eine architektonische Perle: Der Neubau der WKT-Architekten Simone Kutzner aus Plettenberg und Marc Teichert aus Werdohl. Im Drei-Städte-Eck von Altena, Lüdenscheid und Werdohl bauen sie für sich selbst ein innen und außen dreieckiges Gebäude. Mit ihrem Architekturbüro sind sie vor einigen Monaten vom Hasley in Lüdenscheid an die Richard-Schirrmann-Straße 3 in Altena umgezogen.

Altena – Das im Vergleich zu den umliegenden Industrieflächen relativ kleine Fleckchen hatten Teichert (43) und Kutzner (52) im Sommer 2020 gekauft. Dass das zweigeschossige Bürogebäude erst im Frühjahr 2023 endgültig fertig sein wird, hat zwei Gründe: Zum einen haben die beiden ihren Firmensitz mehr oder weniger nebenbei geplant und gebaut, zum anderen gab es immer wieder neue Verzögerungen und Lieferschwierigkeiten aufgrund der allgegenwärtigen Krisen. Allein auf ihre Fenster mussten die beiden ein halbes Jahr lang warten, weil eine Zeit lang Aluminium ganz besonders selten und kaum zu bekommen war.

Warum weg aus Lüdenscheid? „Wir wollten uns verändern – und auch die Anfahrtswege aus Plettenberg und Werdohl in die Lüdenscheider Innenstadt wurden uns zu umständlich,“ erzählt Kutzner. Weil sie ohnehin einige Gebäude auf Rosmart gebaut hatten – die an die hügelige Landschaft angepassten Bauten von IPF, Lingenberg und Evoline Schulte stehen in unmittelbarer Nachbarschaft – sahen sich dort nach einem individuell bebaubaren Restgrundstück um. 2020 kauften sie den kleinen, dreieckigen Zipfel.

Das Grundstück gibt die Form des Gebäudes vor. „Den Entwurf hatten wir in ein paar Stunden fertig“, so Kutzner. Leicht, filigran, fast fliegend soll der zweigeschossigen Baukörper wirken, der auf einem kleineren Sockel aufliegt und in der Spitze an einen forsch hervorspringenden Schiffsbug erinnert.

Zwischenzeitlich war das Baugerüst abgebaut worden, um die Fassadenteile mit einem Hubsteiger an den Rohbau zu montieren.
Zwischenzeitlich war das Baugerüst abgebaut worden, um die Fassadenteile mit einem Hubsteiger an den Rohbau zu montieren. © TEICHERT

Für ihr eigenes Bauprojekt investierten sie nur am Rande ihre Arbeitszeit, auch deshalb ist das Gebäude bis heute nicht fertig. „Die Projekte unserer Bauherrn im Industrie- und Gewerbebau haben für uns als WKT-Architekten natürlich immer Vorrang“, sagt Kutzner.

Mit ihrem eigenen Rohbau begannen Teichert und Kutzner deshalb erst im September 2021. Weil die beiden auch Industriebauten im Ruhrgebiet und an der Rheinschiene planen, sollte Rosmart auch wegen seiner Nähe zur Autobahn Vorteile bieten. Dass es damit erstmal nichts wurde, passt in die leidige Geschichte von Lieferengpässen und Personalnot.

Diese dreidimensionale Animation zeigt das fertige Gebäude des WKT-Architekturbüros auf Rosmart. Im Frühjahr 2023 soll es dann so aussehen.
Diese dreidimensionale Animation zeigt das fertige Gebäude des WKT-Architekturbüros auf Rosmart. Im Frühjahr 2023 soll es dann so aussehen. © WKT

Ihre Entscheidung, nach Rosmart in einen Neubau umzuziehen, bereuen sie keine Minute. Es sei die „beste Entscheidung überhaupt“ gewesen, beide sind glücklich und froh, mitten in ihrem eigenen Werk zu sitzen und dem „besten Job aller Zeit“ nachzugehen.

Dazu kommt, dass sie mitten in ihre eigene Architektur-Ausstellung gezogen sind. Um neuen Kunden etwas Gelungenes zeigen zu können, verweisen Teichert und Kutzner einfach auf die direkt danebenliegenden Bauten von IPF oder Evoline.

Die beiden übernehmen neben der Architekturleistung gerne auch die Bauleitung. Das sei zur Zeit sehr anstrengend, aber wichtig. Tägliche persönliche Besprechungen auf den Baustellen gehörten dazu, auch wenn sich vieles mittlerweile per Videochat klären ließe. WKT, das stand früher für die Anfangsbuchstaben der Namen der drei Inhaber, heute bedeutet es „Wirtschaftlich, Kreativ, Transparent“. Das ist Konzept.

Simone Kutzner mit dem fertigen Bau in einer CAD-Präsentation. Die computergestützte Planung kann es sogar schneien lassen, bei Wind wehen die Blätter der Bäume und Menschen laufen umher.
Simone Kutzner mit dem fertigen Bau in einer CAD-Präsentation. Die computergestützte Planung kann es sogar schneien lassen, bei Wind wehen die Blätter der Bäume und Menschen laufen umher. © HEyn

Man könnte meinen, dass Architekten bei ihren eigenen Projekten von besseren Lieferzeiten ausgehen können – das ist nicht der Fall. Kutzner und Teichert lassen auf ihre seit Jahren verlässlichen Partner nichts kommen. Mit diesen Unternehmen pflege man einen respektvollen und transparenten Umgang. Aber gerade in Nischenbereichen von Gewerken, die relativ selten zu finden sind, klappe die Zusammenarbeit nicht immer gut. „Die sind natürlich alle maßlos überlastet, weil es nur so wenige davon gibt“, wissen die beiden. Aber dass dennoch fest zugesagte Termine ohne Absage nicht eingehalten werden, findet bei den Architekten kein Verständnis. Meist hingen an einem Gewerk mehrere andere, die dann eben auch umsonst gekommen sind, nur weil einer nicht abgesagt hat.

Die Kunden aus Industrie und Gewerbe kennen die Schwierigkeiten bei Material und Personal aus den eigenen Betrieben und hätten daher mehr Verständnis für die Probleme bei der Beschaffung. Dazu seien Preise quasi explodiert. Früher seien wenige Prozente als Inflationsausgleich pro Jahr aufgeschlagen worden, für das ablaufende Jahr spricht Teichert von satten 38 Prozent Steigerung: „Ein anstrengendes Jahr.“

„Es wird wieder bessere Zeiten geben“, sagt er und kann beobachten, dass es bei den groben Gewerke am Rohbau mittlerweile wieder Kapazitäten gebe. Der Rückgang im Bausektor mache sich dort zuerst bemerkbar. Unternehmen aus diesem Bereich fragten wieder nach Auftragsmöglichkeiten und brächten sich in Erinnerung. Teichert: „Das ist bei den Ausbaugewerken noch nicht so, wird aber wieder kommen.“ So blicken Simone Kutzner und Marc Teichert zuversichtlich in die Zukunft: „Wenn es wieder etwas lockerer wird, profitieren die Bauherrn.“

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