VDM arbeitet an einem Supraleiter - die EU hilft

Mit einem Teil des Raumschiffs Ariane: Projektleiterin Dr. Nicole de Boer, Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, VDM-Werksleiter Hanno Gerich, Dr. Peter Liese, und Dr. Jutta Klöwer (von links nach rechts) gestern im VDM-Werk Linscheid.

ALTENA - Alle Welt redet vom Supraleiter – (mit)entwickelt wird er am Linscheid: Dr. Jutta Klöwer, Leiterin Forschung und Entwicklung der ThyssenKrupp VDM, geht davon aus, dass schon 2012 hocheffiziente Stromleitungen serienmäßig hergestellt werden können. Allerdings nicht zum Einsatz in Überlandleitungen, sondern vor allem für Windkraftanlagen. Dort ist der Einsatz von Supraleitern aus Gewichtsgründen sinnvoll: Mit ihnen ausgestattete Turbinen sind viel leichter als die herkömmlichen, aus Kupferdraht gewickelten Anlagen.

Gestern ließen sich der südwestfälische Europaabgeordnete Dr. Peter Liese und Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein im Werk Linscheid erklären, worum es eigentlich geht. Der Grund für das politische Interesse: Die EU fördert das Projekt mit insgesamt 1,5 Mio. Euro. Davon gehen knapp 350 000 Euro an die VDM-Forschungsabteilung. Dort achte man sehr genau darauf, welche Förderprogramme es gibt „und ob sie zu uns passen“, erklärte Dr. Klöwer. Allerdings: Nur wegen der Zuschüsse wird nicht geforscht. Es gehe immer nur darum, Fördergelder für bereits bestehende Projekte abzugreifen.

Mehrere Schichten

Ein Supraleiter besteht aus mehreren Schichten. Der eigentliche Leiter heißt YBCO und ist hauchdünn. Hergestellt wird er von einer Firma im Rheinland. Er benötigt aber ein Trägermaterial – und hier kommt VDM ins Spiel. Dort soll die Nickel-Wolfram-Legierung hergestellt werden, auf die anschließend das YBCO und eine Trennschicht aufgebracht werden.

Theoretisch ist das alles ganz einfach und funktioniert auch schon – praktisch wird es deshalb schwierig, weil an die Oberfläche des Trägermaterials allerhöchste Ansprüche gestellt werden. Geeignete Herstellungsmethoden, der Transport – das sind Fragen, denen Dr. Klöwer und die zuständige Projektleiterin Nicole de Boer zurzeit auf den Grund gehen.

„Was hier geschieht, ist wirklich Hightech“, staunte Dr. Liese, nachdem Werksleiter Hanno Gerich ihm die Produktion gezeigt und die beiden Fachfrauen das Projekt erläutert hatten. Der Besuch in Altena bestätige ihn in seiner Auffassung, dass die erst seit 2007 mögliche EU-Förderung von Entwicklungen in Südwestfalen ihr Ziel voll erreiche. „Gerade die Steigerung von Energieeffizienz ist für uns ein wesentlicher Punkt“, sagte er.

Wesentlicher Punkt

Thema am Rande war die Ruhr-Sieg-Strecke und deren Bedeutung für die Industrie. Thyssen KruppVDM produziere im Grunde „Apothekermengen“ und sei auf die Bahn nicht angewiesen, sagte Werksleiter Gerich. Ganz anders sehe es bei ThyssenKrupp-Zweigwerken im Siegener Raum aus: Dort falle massenhaft Tonnage an, der Bahnanschluss sei von existenzieller Bedeutung. Falle er weg, sei die Existenz dieser Standorte bedroht.

von Thomas Bender

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