Immer ran an die Ortsbrust

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Dipl.-Ing. Ulrich Henke (r.) leitet das Projekt Tunnelbau für den Burgaufzug. ▪

ALTENA ▪ „Sind die Bleche gekommen?“ ... „eine Ladung Spritzbeton“ ... Termin mit dem Geologen“ - im gemeinsamen Baubüro der Firmen Feldhaus und Deilmann & Haniel im ehemaligen Feedback herrscht ordentlich Betrieb.

An der Wand hängt eine Ladestation für Kopflampen, aus dem ehemaligen Kneipenfenster blickt eine Statue der Heiligen Barbara über die Lennestraße hinweg auf die Baustelle. Das Handy von Projektleiter Dipl.-Ingenieur Ulrich Henke steht auf extra laut - und meldet sich immer wieder. Nein, das ist keine ganz gewöhnliche Baustelle. Hier wird ein Projekt gesteuert, das deutschlandweit seinesgleichen sucht - der Erlebnisaufzug hinauf zur Burg.

Was diese Baustelle so speziell macht: Zwischen das Mundloch, den mittlerweile schon kräftig aufgeweiteten Eingang des ehemaligen Hinne-Luftschutzstollens und der Burg auf der Höhe der Wulfsegge hat der liebe Gott Grauwacke gesetzt. Eine Menge Grauwacke! Und die muss weg, um Platz zu schaffen für den Besucherzugang mit Erlebnisstationen, für die „Kaverne“, den höhlenartigen Raum vor dem Aufzug selbst und für den Schacht hinauf. Das geschieht im so genannten Sprengvortrieb – eine echte Bergmannsarbeit. Vor der „Ortsbrust“, so nennt der Fachmann den blanken Fels, in den er sich vorarbeiten will, wird die Grauwacke dann in den späteren Bauabschnitten teilsweise aussehen wie ein Schweizer Käse. Für jeden Abschlag, jede neue Sprengung, gibt es ein detailliert ausgearbeitetes Spreng- und Schießschema, erläutert Projektleiter Ulrich Henke. Dort ist eingezeichnet, wie die Sprengschüre und -patronen vom Kaliber 32 Millimeter plaziert werden. Die Löcher werden vorbereitet vom HS150-Bohrwagen

Nach jeder Zündung wird es im Stollen eine „Auswetterungszeit“ von 30 Minuten geben, in der mächtige Lüfter mit 80-Zentimeter-Propellern erstmal wieder für Luft und Sicht sorgen. Dann tritt Torro 150 in Aktion, ein Untertagelader, um den Felstrümmer abzutransportieren. Insgesamt werden es 1600 Kubikmeter. Während der ersten Sprengungen wird es noch notwendig, die Fußgängerzone an der Baustelle für jeweils etwa fünf Minuten zu sperren – danach, wenn man weiter im Berg ist, kann darauf verzichtet werden.

Jede Sprenung wird mit Messungen sorgfältig begleitet. „Das ist wichtig, um die Schwinggeschwindigkeiten zu ermitteln“, erläutert Ulrich Henke. Am Freitag um 10 Uhr soll das Resonanzverhalten der Grauwacke erstmals auf die Probe gestellt werden. ▪ Von Thomas Keim

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