Appell an Pfarrei St. Matthäus: „Schaffen Sie Erlebnisse!“

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Die Resonanz auf die Ergebnispräsentation gab ein realistisches Bild von der Gemeindesituation: Meist sind die selben Gesichter im Pfarrsaal anzutreffen, neue aktiv Mitwirkende sind schwer zu bekommen.

Altena - Mit ihren Anregungen aus der Gemeindeumfrage haben die 450 Teilnehmer ein Buch verfasst: 40 Din-A-4-Seiten Rohtext hat Wirtschaftswissenschaftler Professor Peter Vieregge ausgewertet.

Dabei ist ihm in Altena aufgefallen, dass ganz oft das kleine Wörtchen „noch“ in den Zeilen auftauchte. Darin schwingt die Hoffnung, dass die Pfarrei St. Matthäus in 15 Jahren noch existieren möge. Entsprechend oft kommen auch die Begriffe „Kinder und Jugendliche“ vor. 

Die Mehrheit der 450 Befragten sieht in ihnen die Zukunft und ahnt, dass ohne interessierte junge Leute irgendwann kein Gemeindeleben mehr in St. Matthäus, St. Josef und St. Theresia stattfinden wird. Fest steht: Kirche wird gebraucht. 

Punkte für das persönliche Leben

Insbesondere die Punkte, die das persönliche Leben betreffen, bewerteten die Teilnehmer oft mit „das ist mir sehr wichtig“. Dazu zählen Taufe, Kommunion, Hochzeit und Beerdigung. Vom Pfarrer wird große seelsorgerische Kompetenz erwartet, Kirche soll ein Ort der inneren Einkehr sein. 

Doch wie sollen Erwartungen und Wünsche langfristig zu erfüllen sein, wenn sich in der ohnehin recht kleinen Pfarrei kaum noch Menschen finden, die ihre Kirchengemeinde wahrnehmen?

„Ein großer Tanker lässt sich nicht in einem Ruck wenden!“ betonte Peter Vieregge am Sonntag, aber er brachte in die Gemeindeversammlung einige interessante Vergleiche ein, mit der die Gemeinde arbeiten kann:

„Thema Weihnachten. Da kommt ein amerikanischer Konzern wie Coca Cola, stellt einen bunten Truck auf den Platz und Kinder beten ihn an. Diese Brause hat nichts mit Weihnachten zu tun, aber ihr Auftauchen in Altena ist ein Erlebnis gewesen, von dem sich die Leute bis heute begeistert erzählen. Auch Kirche braucht Erlebnisse!“ 

Kirche kein Teil des Privatlebens

Die Einschätzung mag radikal klingen, doch so, wie Kirche aktuell von jungen Leuten wahrgenommen wird, hat sie nichts mit ihrer Lebensrealität zu tun. In der parallel gestarteten Jugendumfrage gab die Mehrheit der Teilnehmer an, dass Kirche nichts mit ihrem Privatleben oder Freundeskreis zu tun hat.

„Aber genau diese Lebensschwerpunkte sind für Jugendliche von existenzieller Bedeutung“, so Vieregge. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte sich gut in die Geschichte von St. Matthäus eingelesen und entdeckt: „Sie konnten das doch mal. Aber die Jugendzeltlager in Frankreich wurden eingestellt, weil die Anforderungen an Mitarbeiter zu hoch wurden. Wenn man Helfer wieder mehr machen lassen könnte und ihnen Freiräume lässt, wären diese Fahrten bestimmt wieder ein Erfolg.“ 

„Tun Sie nichts, verlieren Sie eines Tages alle"

Die Pfarrei dürfe sich nicht scheuen, sich von alten (auch liebgewonnenen) Zöpfen zu trennen – auch auf die Gefahr hin, Menschen zu verlieren. „Tun Sie nichts, verlieren Sie eines Tages alle. Tun Sie was, verlieren Sie ein paar und gewinnen neue dazu.“ 

Übers Knie gebrochen wird nichts, der Pfarreinentwicklungsprozess ist bewusst langfristig geplant und wird vom Bistum begleitet. Trotzdem wurde am Sonntag schon vorgefühlt: In Kleingruppen wurden Schwerpunktthemen erörtert.

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