„Apollos Erben“ auf einer irren Zeitreise

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Karsten Wolfewicz im Kreise der Hauptdarsteller: Erikson, Branden, von Holtzbrinck, Kopernikus und „Schliemann“.

ALTENA - Wer in den letzten Monaten abends an der Burg Holtzbrinck vorbei gegangen ist, der hat den Hausmeister vielleicht laut lachen hören.

Dann hatte Karsten Wolfewicz wieder einmal großen Spaß mit einer Handvoll skuriler Mitbewohner, die nach und nach in das historische Gebäude an der Kirchstraße eingezogen sind. Da wären zum Beispiel der Heilige Branden irischer Herkunft, der Wikinger Leif Erikson und Christopher Columbus als dritte Seefahrer-Legende. Und Georg von Holtzbrinck, von dem kaum bekannt sein dürfte, dass er sich auch als „Geisterjäger“ betätigte. Wolfewicz hat dem Altenaer Rentmeister dieses spinnerte Steckenpferd kurzerhand auf den aristokratischen Leib geschrieben.

Mit diesen Herrschaften verbindet Karsten Wolfewicz eine wachsende Freundschaft. So spricht er von einer „WG“ und bekennt: „Ich bin hier nicht alleine.“ Es handelt sich bei den Mitbewohnern um Handpuppen, die der 46-jährige Wahl-Altenaer in den letzten drei Jahren zusammen mit einer kaum glaublichen Fülle von Requisiten für ein Puppentheater-Projekt geschaffen hat. „Apollos Erben“ hat er es genannt. Und Wolfewicz will seine Puppen tanzen lassen – für Altena. Wo und wann und wie, das steht noch gar nicht fest – wohl aber das Konzept für die Aufführungen, das Drehbuch für ein illustres Puppentheater rund um die letzten Geheimnisse der Menschheitsgeschichte: Der Mondflug der amerikanischen Apollo-Mission, bei dem der russische Geheimdienst dazwischen funkt, eine Zeitmaschine und Gott Apollo auf seinem Olymp höchstselbst.

Ganz nebenbei verspricht das Wolfewicz‘sche Puppenspiel auch noch Zeitreisen und handfeste Lagerkämpfe, ob die Erde nun eine Scheibe oder eine Kugel ist – Fragen, die die Menschheit in ihrem Innersten bewegen und gute Unterhaltung garantieren. Der 46-Jährige beschreibt sein Vorhaben als „Volkstheater zwischen Millowitsch und Muppet-Show“ und legt noch eine knackige Wertung nach. Seine Puppen sollen sich bewähren als „panzerbrechende Waffe für den Altenaer Dickschädel.“ Und so soll die ganze Inszenierung sein: „Frech, unsachlich und gefährlich.“ Wo das Puppentheater einmal gezeigt werden soll, das weiß der Erfinder der Geschichte noch nicht – grundsätzlich aber ist das Konzept flexibel genug. Möglich seien Aufführungen auf der Burg ebenso wie im Garten der Burg Holtzbrinck, und auch ein leer stehendes Ladenlokal im Zentrum komme in Frage. Wolfewicz hofft darauf, mit einem Förderer seiner Idee ins Gespräch zu kommen. Das Theater dient ihm nicht als Selbstzweck, vielmehr sieht er darin eine konkrete Tourismusförderung, die von einem „schrillen und individuellen Anreiz“ lebt. „So was hat ja nicht jeder.“

Prachtvoll und ausdrucksstark sind die Puppengestalten geraten, aber die Fülle der Requisiten kann sich ebenso sehen lassen: Aus Inventarteilen der früheren Druckerei Trippe zum Beispiel schuf der leidenschaftliche Modellbauer eine spanische Caravelle, die der „Santa Maria“ von Columbus ähnelt. Und aus alten Eimern konstruierte er kurzerhand eine prächtige Saturn-V-Rakete. Bis zu 40 Mal im Jahr, so schwebt es Wolfewicz vor, möchte er seine Produktion zeigen. Wann? Er lächelt kurz. „Die Zeit wird kommen. Ich bin da stur.“

von Thomas Keim

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