Burggymnasium setzt auf eine gute Präventionsarbeit

Ausgegrenzt und gedemütigt: Mobbing an der Schule

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Die beiden Achtklässler Carlos García García und Carlotta Schewell engagieren sich in der Streitschlichtung. Am BGA gibt es einen eigenen Beratungsraum für Mobbingopfer. Dort kommen auch Streithähne an einen Tisch.

Altena – Am Freitag war der „Behaupte-dich-gegen-Mobbing-Tag“. Der psychische Schaden, der jährlich durch Schikane etwa in der Schule oder am Arbeitsplatz entsteht, ist schwierig zu messen: „Die Grauzone ist ziemlich groß“, erklärt Thomas Schiewe, Lehrer am Burggymnasium.

Der 47-Jährige leitet gemeinsam mit Sabrina Bräunig zwei Gruppen, die sich am BGA unter anderem der Mobbing-Thematik annehmen: Die Streitschlichtung und die Medienscouts. Während Streitschlichter für Interventionen bei Auseinandersetzungen im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof ausgebildet werden, sind die Medienscouts eher auf Probleme im Internet spezialisiert. 

„Cyber-Mobbing, also Mobbing im Internet, ist ein ziemlich großes Problem geworden, seitdem alle Kinder Smartphones nutzen“, sagt Thomas Schiewe. In sozialen Netzwerken oder über Chatgruppen bei „Whatsapp“ sind damit auch die meisten Kinder durchgehend vernetzt. Das bringt zwar durchaus Vorteile mit sich, eröffnet aber auch denjenigen noch mehr Chancen, die Gefallen daran haben, Mitschüler zu schikanieren. Egal zu welcher Tageszeit, egal von wo aus. 

Harmlose Neckerei oder arge Demütigung?

Erschwert ist die Bekämpfung von Mobbing aber nicht nur wegen der Weiten des Internets: Wann Mobbing beginnt, ist eher subjektiv. Was auf den Einen wie eine harmlose Neckerei wirkt, ist für den Anderen vielleicht schon eine arge Demütigung. „Für mich ist die Grenze dann erreicht, sobald ein Kind darunter leidet“, macht Schiewe deutlich. 

Es gebe aber verschiedene Merkmale, die Mobbing ausmachten: Es ist das systematische und sich wiederholende Kränken oder Ausgrenzen einer Person durch eine Gruppe oder eine Einzelperson. Im Online-Bereich werden teilweise sogar auch Nacktfotos weitergeschickt. 

Kinder meiden aus Scham das Gespräch

Doch wie erreicht man überhaupt ein Kind, das Opfer dieser meist psychischen Gewalt geworden ist? „Das ist nicht ganz einfach. Die Kinder schämen sich häufig oder befürchten, dass es nur noch schlimmer wird, wenn sie sich einem Lehrer oder ihren Eltern anvertrauen. Wir erleben aber, dass sich die meisten Schüler eher Lehrern anvertrauen und ein Gespräch mit den Eltern meiden“, erzählt Schiewe. 

Und eben weil viele Fälle nicht geäußert werden, setzt man am BGA gezielt auf Prävention. „Wir vermitteln den Schülern Werte wie Toleranz und Akzeptanz. Jeder soll die Stärken und Schwächen eines anderen respektieren“, verrät Schiewe und fügt hinzu: „Außerdem wollen wir den Klassenverband stärken.“ 

Starke Gemeinschaft als Erfolgsgarant

Eine solidarische Gemeinschaft ließe Mobbing gar nicht erst aufkeimen. Zudem gebe es am BGA ein „engagiertes Beratungsteam“, das versucht, so früh wie möglich einzugreifen. Eltern, die bemerken, dass ihr Kind davon betroffen ist, rät Schiewe: „Früh handeln. Mobbing ist nicht zu unterschätzen. Es ist wichtig, dass das Kind merkt, dass es Unterstützung bekommt. Man sollte sich in dieser Zeit besonders kümmern und die Sorgen und Gefühle seines Kindes ernstnehmen.“ 

Im schlimmsten Fall sollte man auch vor einer Strafanzeige nicht zurückschrecken, denn die Folgen für die Psyche des Kindes könnten fatal sein. Schiewe verweist auf den jüngsten Fall, der bundesweit für Aufregung gesorgt hatte: Erst Anfang Februar hatte sich eine Elfjährige – mutmaßlich wegen Mobbings – umgebracht.

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