Stammhändler haben kaum Zeit für zweiten Markttag

Thomas Michaelis sieht in einem zweiten Markttag in der Woche eine Chance zur Belebung der Innenstadt. Ihm gegenüber waren einige Händler grundsätzlich offen für die Idee, doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig. Foto: Hornemann

ALTENA - Thomas Michaelis war lange nicht in Altena, bis den Diplom-Volkswirt ein Beraterauftrag für ein örtliches Unternehmen wieder in die Burgstadt lockte. „Die Innenstadtentwicklung ist ja entsetzlich“, zeigt er sich erschüttert. Doch vom Wochenmarkt und der damit einhergehenden Belebung ist er begeistert. „Ein zweiter Markttag könnte der Lenne- und Kirchstraße helfen“, ist er überzeugt.

Die Mehrheit der befragten Händler jedoch winkt ab: „Der Donnerstag ist in Altena ziemlich gesetzt, die Kunden darauf eingestellt“, weiß das Team des Obst- und Gemüsehandels Moritz. Hinzu kommt beim bewährten Team der Beschicker ein Kapazitätenproblem: „Fast jeder ist an sechs Tagen in der Woche in den umliegenden Städten gebucht. Die Stammbelegschaft bekommt man keineswegs in dieser Zusammensetzung an einem zweiten Tag nach Altena“, erklärt Ralf Moritz.

Tatsächlich wäre aktuell nur „Tante Carolas rollende Drogerie“ so richtig flexibel: „Wir betreiben ja ein festes Geschäft in Halver und sind keine klassischen Wochenmarkthändler. Deshalb könnten wir auch einen zweiten Tag mitbedienen, aber dieser weitere Markt sähe vermutlich ganz anders aus, weil andere Händler kommen würden.“ Die Kundin am Stand würde auf diesem zweiten Markt aber einkaufen: „Ich bin Seniorin, gehe sowieso jeden Tag zum Mittagessen ins Scheuner-Haus. Und mit der Innenstadt-Versorgung sieht es doch wirklich schlecht aus. Ich würde mich über einen Tag mehr mit Drogerie- und Lebensmittelangebot sehr freuen“, schildert die Passantin.

Auch Marktmeisterin Kerstin Sonntag weiß um die Bedeutung des Markts, insbesondere seit der Toom-Schließung. „Nur - wo soll ich die Händler hernehmen?“, fragt die Mitarbeiterin des Ordnungsamts. Sehr lange habe sie suchen müssen, um wieder einen Geflügelhändler nach Altena zu bekommen. „Mit großer Wahrscheinlichkeit kommt ab September wieder einer, aber der war nicht leicht zu finden.“

Ihr Dienstherr, Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, kennt diese Problematik: „Ich bin absolut offen für einen zweiten Markttag, aber er wird schwierig zu etablieren sein. Von fünf Ständen allein könnte er nicht leben. Hätten wir die Händler, bin ich dabei!“

Die Sperrung und Herrichtung der Lennestraße sei generell möglich. Kerstin Sonntag erklärt, was von städtischer Seite vorbereitet werden muss: Ab viertel vor sechs steht das Team vom Bauhof bereit, um eine Elektroinfrakstruktur für die Händler herzustellen, Poller zu entfernen und die Händler zu betreuen. Nach offizieller Schließung der Stände um 13 Uhr wird bis 14.30 Uhr wieder abgebaut und gereinigt. Die Kosten dafür sind durch die Standgebühren gedeckt - und müssten auch ein zweites Mal wieder reinkommen. „Ohne größeren Aufwand wäre es aber möglich, den Markt am Donnerstag auf die Nachmittagsstunden auszuweiten“, erklärt Kerstin Sonntag und geht damit auf einen Vorschlag von Hans Werner Müller, Vorsitzender der Markthändlervereinigung ein: „Donnerstag bis 14.30 Uhr, das könnte in Altena funktionieren“, glaubt er.

Das findet auch Iris Bell, die Obst und Gemüse aus dem Alten Land anbietet. „Aber in erster Linie für Händler, die Waren für den Direktverzehr im Angebot haben. Für mich haben sich Nachmittagsmärkte noch nie gelohnt.“

Obst- und Gemüsehändler Zeki Celik und Kay Blasberg von der Goldbergräucherei hatten das in Altena sogar schon live ausprobiert, indem sie nachmittags auf Wunsch des Dahler Ortsvorstehers Helmar Roder ihre Verkaufswagen ins Dorf brachten und dort ihre Waren anboten. „Hat sich auf Dauer nicht gelohnt“, bedauert der Fischhändler. Zeki Celik hat eine Ahnung, warum: „Unsere Kundschaft besteht aus vielen alleinstehenden Senioren, einigen fällt der Gang über diese Meile richtig schwer. Deren Bedarf ist mit einem Markttag gedeckt.“

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