Annelie Cimbollek ist seit 50 Jahren im Friseursalon Schick beschäftigt

An den Köpfen vom Knerling

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Annelie Cimbollek (l.) mit ihrer Chefin Heidrun Schick, die Kosmetik-Praktikantin Xenia Ott schminkt. Auch Biosthetik hat die Dienstjubilarin erlernt. Für die symbiotische Pflege von Haut und Haaren war der Salon immer bekannt.

Altena - Annelie Cimbollek hat im Friseurhandwerk alles gesehen und gehört. Sagenhafte 50 Jahre ist sie dem Salon Schick am Knerling treu. „Tatsächlich sogar ein bisschen länger, denn ich habe schon als kleines Kind die Wickler des alten Herrn Wirthsmann sortiert.“

Der guckte sich das begeisterte Kind an der Hand seiner Mutter an, schenkte ihm zwei bunte Zopfspangen und mutmaßte früh: „Die kommt bestimmt mal zu uns!“ 

Karl-Heinz Wirthsmann sollte Recht behalten und sagte freudig zu, als sich Annelie Cimbollek nach Abschluss der Volksschule bei ihm um eine Ausbildung bewarb. „Aber die Heidrun, die dürfen Sie jetzt nicht mehr duzen“, merkte der Lehrherr an. 

„Meine heutige Chefin und ich sind nur sechs Jahre auseinander und in der Nachbarschaft zusammen aufgewachsen. Und dann waren wir Arbeitskolleginnen“, berichtet Annelie Cimbollek. Dass sie Heidrun Schick siezt, daran hat sich nach 50 Jahren nichts geändert. 

Verhältnis in all den Jahren herzlich geblieben 

„Sie hat mir schon so oft das Du wieder angeboten, seit sie 1985 den Salon am Knerling übernommen hat. Aber das Sie ist jetzt drin und wird es auch bleiben“, erklärt Annelie Cimbollek lachend. Das Verhältnis ist in all den Jahren herzlich geblieben, obwohl Karl-Heinz Wirthsmann hohe Ansprüche an sein Team hatte und den Salon mit größter Akribie führte. 

„Die Hauben und Waschbecken waren schon hier in Verwendung, als ich am 1. August 1967 meine Ausbildung hier begonnen habe. Die Geräte wurden zwei mal im Jahr auseinandergebaut, entstaubt, geputzt, geölt. Sonst hätten wir die doch heute nicht mehr...“ 

Shampoo, das weiß Annelie Cimbollek noch genau, wurde in Glaskugelpumpspender abgefüllt. „Ich sollte sie auffüllen, der Chef wollte sie abwischen, damit sie mir nicht aus der Hand fielen. Dann entglitt ihm eine, plumpste ins Waschbecken, dann war ein großes Stück herausgebrochen...“ 

Viele schöne Anektoden 

Viele schöne Anekdoten kann Annelie Cimbollek aus 50 Jahren im Stadtteilsalon zusammentragen. Sie kennt die Köpfe vom Knerling sehr gut. Manche Kundin ließ sich drei mal die Woche die Haare legen von der erfahrenen Gesellin, die in ihrem Beruf sehr aufgegangen ist: „Ich hatte nie das Bedürfnis, hier wegzugehen.“ 

So lange treue Kunden zu frisieren, das verbindet natürlich. „Ja, es stimmt, auf dem Stuhl öffnen sich die Menschen, erzählen viel von ihrem Leben, ihrem Glück und ihrem Kummer. Man ist für viele eine Vertrauensperson.“ 

"Katastrophen sind ausgeblieben"

Böse war ihr zum Glück niemand. „Klar, es kommt immer vor, dass Kundinnen ganz andere Vorstellungen von der Frisur hatten, die sie haben wollten. Aber Katastrophen sind ausgeblieben“, schildert Annelie Cimbollek lachend und erleichtert. 

Herrenhaarschnitte, Bartpflege und Rasur hat sie auch gelernt, wurde aber zumeist als Damenfriseurin eingesetzt. Im September wird sie 65 und peilt den Ruhestand für März 2018 an. Das wird eine Umstellung für Chefin Heidrun Schick, die genauso zum Saloninventar gehört. 

„Ich darf sie aber anrufen, wenn ich noch Hilfe brauche“, so Schick. Eine Nachfolgerin für ihre treue Gesellin hat sie nicht gesucht. „Ich finde ja selber keine“, bedauert sie. Den Knerling ohne Friseursalon dastehen lassen, will die 71-Jährige aber auch nicht. „Ich mache weiter, solange es geht.“

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