Angst vor Dachschaden: Tote Fichten gefährden Häuser

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Volker Turk zeigt auf vertrocknete Fichten hinter seinem Betrieb. Er fürchtet, dass sie abbrechen und auf sein Haus fallen könnten.

Altena – Volker Turk hat Angst, dass eine tote Fichte aufs Dach seiner Firma stürzt. Nicht nur vor seiner Haustür ragen die toten Bäume bis nah ans Haus. Privatleute sind aber machtlos.

Volker Turk geht’s nicht gut, wenn er in den kleinen Wald hinter seiner Firma in der Rahmede schaut. Auch dort sind die Fichten längst abgestorben, die toten Bäume stehen keine zehn Meter vom ehemaligen Autohaus Pflug entfernt. 

Turk hat die Immobilie vor Jahren gekauft, betreibt dort eine Firma für Drucklufttechnik und eine SB-Autowäsche. Außerdem ist er Landwirt im Nebenerwerb und kennt sich deshalb gut aus: „Die toten Fichten brechen manchmal einfach in der Mitte durch“, hat er beobachtet. „Wenn das hier passiert, dann kracht mir der Baum aufs Dach.“ 

Feuerwehrchef: "Brennen wie Zunder"

Die vertrockneten Fichten sind aber noch aus einem weiteren Grund gefährlich: „Das brennt wie Zunder“, weiß Alex Grass, der Leiter der Altenaer Feuerwehr. Ein Feuer in einem solchen Bestand bedrohe sicher auch die angrenzende Wohnbebauung. Lissingweg, Rahmedestraße, Brandhagener Weg – es gibt an vielen Stellen des Stadtgebietes Stellen, wo ein Feuer schnell übergreifen könnte. 

Die Feuerwehr habe kaum Möglichkeiten, gegen diese Gefahren vorzugehen, berichtet Grass. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern nicht immer einfach. Grass: „Wir bitten immer wieder darum, uns die Brandschutzwege freizuschneiden – oft vergeblich.“ 

Problem nicht auf dem Schirm

Ansprechpartner ist in solchen Fällen auch Wald und Holz NRW. Unter dem Dach dieses Landesbetriebes sind die Forstämter zusammengefasst. Die haben zwar das Fichtensterben im Blick. Die Gefährdung von Wohnhäusern durch Brände in den abgestorbenen Beständen sei dort aber noch nicht näher thematisiert worden, räumt Pressesprecher Michael Blaschke ein. 

Tote Bäume direkt hinter den Häusern am Brandhagener Weg: Was passiert eigentlich, wenn es hier brennt? Stadtbrandmeister Alexander Grass hält die Situation für bedenklich. Wald und Holz weist darauf hin, dass solch’ geringe Abstände zwischen Wald und Häusern früher verboten waren.

„Waldbrände waren bisher in NRW immer ein Randthema, weil es kaum welche gab.“ Inzwischen hat sich Wald- und-Holz-Jurist Yuri Kranz mit der Angelegenheit beschäftigt: Grundsätzlich gebe es den Begriff der waldbedingten Gefahren, erklärt er. 

Waldbesitzer in der Pflicht

Wer im Wald spazieren geht, muss damit rechnen, dass ihm ein Ast auf den Kopf fällt. 

Etwas anders sieht die Sache aus, wenn Wald auf Bebauung trifft. Jurist Kranz: „Der Waldbesitzer ist verpflichtet, von seinem Wald ausgehende Risiken für angrenzende Verkehrs- oder Gebäudeflächen zu bekämpfen.“ 

Dafür müsse er den Bestand regelmäßig kontrollieren. Interessant: Bisher ging es dabei immer um die Gefahr, dass Bäume umfallen. 

Kranz: „Das Thema Waldbrand ist bisher in der Rechtsprechung zur Verkehrssicherungspflicht noch nicht behandelt worden.“ 

Straßen.NRW zieht die Reißleine

Aber was tun, wenn ein Waldbesitzer sich nicht kümmert? Am Hemecker Weg, der derzeit wegen 250 toter Fichten gesperrt ist, und an vielen anderen Stellen statuiert Straßen.NRW gerade ein Exempel, um Straßen vor trockenen Bäumen zu schützen: „Wenn Gefahr besteht, schreiben wir erst den Waldbesitzer an und setzen ihm eine Frist zur Beseitigung der Gefahr. Erst wenn er das nicht tut, können wir im Zuge einer Ersatzvornahme tätig werden“, erklärt Straßen.NRW-Pressesprecher Andreas Berg. 

Nur Gang vors Gericht hilft

Dann lässt der Landesbetrieb die Bäume fällen und schickt dem Waldbesitzer die Rechnung. Private Hausbesitzer haben diese Möglichkeit nicht, sie müssen im Zweifel ein Gericht einschalten. 

Die Ersatzvornahme ist nur Behörden gestattet. Holz und Wald ist ebenfalls „Sonderordnungsbehörde“, kann aber nach Ansicht des Juristen Kranz nur bei extremen Gefahren tätig werden: „Die allgemeine und flächendeckende Trockenheit gehört nicht dazu.

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