Angekommen in Altena: So arbeitet der Werkstatt-Stipendiat 

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Stipendiat Vincent Musial.

Altena – Er fasst Zahlen in Formen: So beschreibt der neue Werkstatt-Stipendiat in Altena seine Kunst. Sie ist außergewöhnlich.

Die graue Resopal-Arbeitsplatte ist rund zwei mal einen Meter groß. Dort liegen in Griffnähe von Vincent Musial ein großer Fingernagel-Knipser, eine kleine, an der Spitze leicht gebogene Zange und Draht: Gold-Draht auf aufgewickelten Holzstäbchen, Silber-Draht in verschiedenen Stärken und Farben. Daneben verzinkter Eisendraht auf Rollen.

 „Mein Arbeitswerkzeug, meine Arbeitsmittel“, sagt der 26-Jährige und seine Hände sind in ständiger Bewegung. Der gebürtige Münsteraner, der in Nordhorn aufwuchs, hat an der Lennestraße 44 ein Atelier als Werkstatt-Stipendiat bezogen. 

Bis November ist er hier täglich etwa von 8 bis 16 Uhr anzutreffen. Musial hat in seiner Geburtsstadt Freie Kunst studiert und als Diplom-Künstler abgeschlossen. „Dieser Studiengang legt mich nicht fest. Ich mag es einfach, die Technik, mit der ich einmal mein Geld verdienen möchte, frei zu wählen.“ 

Vincent Musial wird zunächst als Skulpturist arbeiten. „Ausschließlich mit Draht. Als ich von Altenas Werkstatt und dem Stipendium gehört habe, dachte ich, in Altena, der Drahtstadt, das wäre etwas für dich!“ So soll sein Arbeitsschwerpunkt das Anfertigen von beweglichen Skulpturen sein. „Alles liegt im kinematischen Bereich“, fügt er an. 

Inspirationen für seine Werke findet er sowohl in wissenschaftlichen Bereichen als auch in visueller Mathematik, bevorzugt natürlich in der Geometrie. „Ich fasse Zahlen in Formen“, bringt es Musial auf den Punkt. Obwohl, und er sagt es eher nebenbei, „mit Mathe und Zahlen hatte ich bisher eher nur oberflächlich zu tun“. 

Seit Donnerstag vergangener Woche beobachtet er an der Lennestraße 44 (ehemals Annes Stoffladen) immer wieder Passanten, die einige Ausstellungsstücke in den Schaufenstern betrachten. Er gehe dann nicht vor die Tür, lade aber jeden herzlich ein, „hereinzukommen und mit mir zu sprechen“. 

Seine Draht- skulpturen hat der Künstler fraktal aufgebaut. Sie folgen stets der Grundform eines Ovals, das Ovoid heißt und ein eiförmiger dreidimensionaler Körper ist. Ovoide setzt der junge Mann zu komplexen Mustern zusammen. Sie erzeugen damit eine Art Simultan-Perspektive auf verschiedene Aspekte eines Lebewesens oder vielleicht auch einer mythischen Figur. Aussparungen in Ovoiden ergeben oft neue Formen. Aber auch einen Hexait (abgeleitet aus Hexaeder, Sechsflächner) hat Musial schon in Altena in Arbeit.

Wer sich die Details seiner fünf, sechs Werke, die er jetzt rund um seinen Werktisch oder im Schaufenster aufgestellt hat, ansieht, stößt zum Beispiel auf den Origin Ovoid, ein Rund von vielleicht einem Meter Durchmesser. Dabei sind die Knoten- und Verbindungspunkte das absolut Besondere an diesem Werk, das, so seine Intention, „einmal frei in einem Raum hängen sollte“. 

Menschen, Tiere, Körperteile. Auch das soll einmal in den beweglichen Ovoiden in Altena entstehen. Eines davon hat Vincent Musical als Appetithappen schon ins Schaufenster gestellt. „Das ist mein Ovoid Species“, sagt er. Und auch dieser dreidimensionaler Körper ist – wie es bei Ovoiden häufig üblich ist – unten dünner und gerade. Eben konkav. Er hat ihn mit einem stilisierten Menschen „gefüllt“. 

Das hat er übrigens erst dann gemacht, als alle Drahtteile auch wirklich gehalten haben. Manchmal müsse das halt so sein, dass er später etwas einbaue. „Viele meiner Werke, auch dieser Ovoid, wie er im Fenster steht, sind zwar schon fertig. Aber manchmal, wenn mir eine neue Idee, ein neuer Einfall kommt, veränderte ich bereits Abgeschlossenes nochmals.“ Das gehöre einfach zur Kunst. Die sei immer in Bewegung, verändere sich.

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