Kabarettistin Martina Brandl nimmt gekonnt das Liken auf die Schippe

Martina Brandl versteht die Kunst der Empörung vorzüglich und ihr Programm „Irgendwas mit Sex“ begeisterte am Samstagabend das Publikum in der Burg Holtzbrinck. Bislang war die Kabarettistin noch nicht in Altena aufgetreten.

Altena -Mit dem Schmuddel-TV ist es ja immer so eine Sache: Keiner guckt’s, aber alle können mitreden, wenn ein neuer Dschungelkönig oder ein neues Topmodell Deutschland regiert. Die Lust am Bewerten ist riesig in der Republik. „Die Menschen geben gern 50 Cent für einen Telefonanruf beim TV-Voting aus. Aber zur Bundestagswahl gehen nur 60 Prozent. Und die ist gratis!“, brachte es Kabarettistin Martina Brandl am Samstag auf den Punkt.

Nein, Martina Brandl verteufelt die neuen Unterhaltungstrends nicht, sie macht sie sich zu nutze: Ihr aktuelles Kabarett-Programm heißt „Irgendwas mit Sex“, denn das gibt ordentlich Quote. Ihr Versprechen muss sie halten, sonst gibt’s ne schlechte Bewertung im Internet. „Heutzutage muss man ja alles bewerten. Sogar seinen Stuhlgang auf Sanifair-Toiletten.“ Einfach mal eine Sache als gut hinnehmen, das geht nicht mehr. „Denn gut ist die neue kleine Schwester von Scheiße.“

Selbst wenn man den QR-Code auf dem Hintern tätowiert hat und der Selfie-Stick immer parat ist, muss der Kleinkünstler von heute sich fürchten. Seine Bezahlung ist nicht gesichert, wenn er zu einem Wettbewerb aufbricht. Der Zuschauer will grundsätzlich nur noch das Beste und das fängt schon im Café an: „Selbst dort kann man nicht mehr von alten, faltigen Menschen umgeben sein, die weniger können, als ich...“ Gut, manchmal kann die Kellnerin nicht so recht viel. Kaffee und Kuchen zusammen servieren zum Beispiel. Das ist schon ein Glücksmoment, wenn Martina Brandl sich dann zu Wort melden darf und ihren Lieblingssatz hört: „Sie sind die Erste, die sich darüber beschwert.“

Nein, Grund zur Beschwerde hat das Publikum von Martina Brandl nicht. Es stimmt ihr oft begeistert zu im Laufe des Abends. Womöglich, weil ihr Programm zum großen Teil auf Beobachtung basiert. Davon erzählt sie nicht nur, sondern singt und tanzt es auch vor. Ihren Körper hat sie dafür extra angleichen lassen, weil ihr Manager es so wollte: Der gab ihr 500 Euro für eine Silikonbehandlung. „Steckt alles in den Oberarmen. Damit kann ich mir und anderen im Urlaub auch frische Luft zuwedeln“, erklärt sie verschmitzt. Das Praktische liegt ihr mehr als der „50 ist das neue 40“-Wahn. Für junge Menschen könnten die zehn abgezogenen Jahre schließlich tödlich enden, da mag sie sich nicht mitschuldig machen. Beruhigt stellt sie fest, dass ihr Auftritt in Altena von ihren Zuschauern für gut befunden wird. Ach nee: Gut ist ja die kleine Schwester von Scheiße. Nehmen wir lieber großartig!

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