Mit getürktem Ticket in den Intercity

ALTENA ▪ Richter Dirk Reckschmidt mochte die Sinnfrage gar nicht mehr stellen: „Die Frage erübrigt sich, was das sollte.“ „Das“ war eine Beförderungserschleichung, wegen der sich jetzt vier Angeklagte im Amtsgericht Altena wiedertrafen.

Am 3. Oktober 2011 hatten sie in Dortmund einen Intercity in der Absicht bestiegen, ohne Fahrschein bis Münster zu gelangen. 14 Euro hätte die Fahrt pro Person gekostet. Die 26-jährige Hauptangeklagte hatte vor der Fahrt noch ein Vierer-Ticket, das bereits vollständig entwertet war, mit zwei weiteren Stempeln versehen, um die Zugbegleiter zu täuschen. Das aber war schon deshalb aussichtslos, weil für den Zug gar keine Mehrfahrtenausweise zugelassen waren.

Mit der jungen Frau waren ein heute 21-Jähriger aus Marsberg, ein 23-Jähriger aus der Nähe von Warburg und der 31-jährige Bruder der Altenaerin wegen Betruges angeklagt. Niemand von ihnen versuchte, die Frage nach dem Sinn ihres Vergehens zu beantworten – zumal alle in Arbeitsverhältnissen oder doch zumindestens in einem Ausbildungsverhältnis standen.

Das klare Geständnis wurde belohnt: Wegen der Manipulationen an der Fahrkarte muss die 26-jährige Altenaerin 250 Euro an die Justizkasse bezahlen, um die endgültige Einstellung ihres Verfahrens zu erreichen. Ihre Mitangeklagten kamen mit Geldbußen in Höhe von je 150 Euro davon. Dem stimmte auch Oberstaatsanwalt Hans-Werner Münker zu, der seine Zustimmung zur vorläufigen Verfahrenseinstellung frei nach der milde gedeuteten Devise erteilte: „Dummheit muss bestraft werden.“

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