Die Alt/Arm-Spirale dreht sich in Altena

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In Weimar fotografiert, aber auch in Altena kein seltenes Bild: Eine alte Frau sucht im Müll nach Pfandflaschen.

Altena - Alt und arm: Die Zahl der Menschen in Altena, die von ihrer Rente allein nicht mehr leben können, wächst. Genau 144 Fälle, die derzeit neben der Rente von Grundsicherung leben, sind im Altenaer Rathaus für das vergangene Jahr aktenkundig.

Das sind 42 mehr als noch vor Jahresfrist, wie Fachbereichsleiter Wolfgang Friess auf Anfrage bestätigte. Kreisweit sind 4 100 Menschen betroffen – gegenüber 2012 ein Plus von sieben Prozent.

Allerdings belasten diese 144 Frauen und Männer den Altenaer Haushalt nicht. Die gesetzliche Grundsicherung (der Sozialhilfe vergleichbar), wird nur in Altena bearbeitet. Die Mittel selbst kommen aus dem Kreishaushalt.

In Altena leben überdurchschnittlich viele alte Menschen. Für sie wird gelten, was bundesweit gilt: Die Rente aus der gesetzlichen Versicherung betrug 2012 bei Männern durchschnittlich 988 Euro und bei Frauen 564 Euro pro Monat. Die Armutsgrenze liegt bei knapp 870 Euro monatlich für einen Single-Haushalt.

Über die Gründe für die Armut, die auch Menschen mit voller Erwerbsminderung trifft, lässt sich spekulieren. Allerdings haben Friess und sein Team festgestellt, dass sehr häufig Personen betroffen sind, die heute über 65 Jahre alt sind und vielleicht mit 50 Jahren arbeitslos wurden. Weil sie davor oft in Gelegenheitsjobs arbeiteten, fielen die Zahlungen in die Rentenkasse entsprechend gering aus. Sorgen bereitet Friess, dass auch viele so genannte Kleingewerbetreibende heute Grundsicherung beziehen. Sie haben früher häufig überhaupt nicht in die Rentenkasse eingezahlt oder auf Immobilien gesetzt. Die Demografie hat sie entsprechend bestraft.

Und das bringt die Grundsicherung: Ein Single-Haushalt erhält monatlich 391 Euro. Beim Ehepaar sind es pro Partner 353 Euro. Hinzu kommen noch angemessene Heizkosten und ein angemessener Mietzuschuss. Alt und arm – auch im Rathaus weiß man, dass es noch eine Dunkelziffer gibt von Menschen, die sich schämen, zum Amt zu gehen. Gleichwohl zu sagen, „Ich beantrage“, so einfach ist das ganze auch nicht. Friess: „22 Anträge hat Altena im vergangenen Jahr abgelehnt.“ Alles werde geprüft und die Bedarfsrichtlinien seien durchaus streng.

Von Johannes Bonnekoh

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