Pertheswerk saniert zwei Pflegeheime

160 Senioren müssen in altes Krankenhaus im MK umziehen

Altes Krankenhaus St. Vinzenz in Altena
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Ins alte Krankenhaus ziehen rund 160 Senioren aus zwei Altenheimen

So schnell wie möglich sollen rund 160 Senioren in ein altes, leer stehendes Krankenhaus im MK ziehen. Das Perthes-Werk hat drei Etagen angemietet, um dort Bewohner aus zwei Altenheimen im MK unterbringen zu können. Zumindest auf Zeit.

Altena – So schnell wie möglich sollen gut 160 Senioren aus Altena und Neuenrade umziehen – und zwar ins ehemalige St.-Vinzenz-Krankenhaus an der Bornstraße in Altena. Das berichtet Ralf Lohscheller, der für den Märkischen Kreis zuständige Geschäftsbereichsleiter des evangelischen Perthes-Werkes. Dieses hat drei Etagen des Komplexes angemietet. Handwerker haben schon damit begonnen, sie für die neuen Bewohner herzurichten.

Hintergrund sind umfangreiche Umbaumaßnahmen im Ellen-Scheuner-Haus und im Evangelischen Altenzentrum Neuenrade. Der Gesetzgeber verlangt, dass bis Juli 2023 80 Prozent der Zimmer in Pflegeeinrichtungen Einzelzimmer sein müssen, außerdem muss die Zahl der Badezimmer deutlich erhöht werden.

Umbau bei laufendem Betrieb wäre Stress für Bewohner

Während das Perthes-Werk andere Einrichtungen wie zum Beispiel das Amalie-Sieveking-Haus in Lüdenscheid im laufenden Betrieb umbauen konnte, sei das in Altena und Neuenrade nur sehr schwer möglich, sagt Lohscheller: „Wir hätten dort sechs Bauabschnitte bilden müssen, die Bewohner hätten mehrmals innerhalb der Häuser umziehen müssen.“

Der vorübergehende Umzug sei für die Senioren die bessere Lösung. 2023 sollen sie in die dann umgebauten Pflegeeinrichtungen zurückkehren können.

Seit der Schließung des St.- Vinzenz-Krankenhauses im Jahr 2017 ist an dem Gebäude nicht viel gemacht worden, das sieht man ihm von außen auch an. Drinnen sei es deutlich besser, versichern die Verantwortlichen. Die beiden Einrichtungsleiterinnen Petra Winkler (Altena) und Petra Wegener (Neuenrade) haben sich mit Lohscheller schon mal umgeschaut.

Handwerker arbeiten schon im Krankenhaus

Wegener: „Das ist kein abgewohntes Haus. Es ist von innen besser, als es von außen aussieht. Die Heizung läuft schon wieder.“ Dafür haben Handwerker der Firma Freissler gesorgt, die sich jetzt mit der Sanitärinstallation beschäftigt.

Im Grunde könne man sich auf Schönheitsreparaturen beschränken, sagte Lohscheller im Gespräch. Etwas mehr Arbeit müsse lediglich in die Kommunikationstechnik im Krankenhaus gesteckt werden: Die Telefonanlage sei ausgebaut worden, auch die Brandmeldeanlage und die interne Rufanlage müssten instand gesetzt werden, bevor die Senioren einziehen können. Das sei aber Sache des Vermieters.

Mietvertrag mit Besitzer unterschrieben

Das Krankenhaus gehört der Lone Ranger Investments S.A. aus Luxemburg, die zur irischen Comer-Group gehört. Die wiederum hat eine Niederlassung in Berlin, die nach Angaben Lohschellers Ansprechpartner des Perthes-Werkes ist. In der vergangenen Woche wurde der Mietvertrag unterschrieben.

Er betrifft nur die oberen Etagen, also die Betten-Trakte. Ambulanzen, OPs und andere Funktionsbereiche werden nicht benötigt. Auch die Küche nicht: Gekocht wird im Ellen-Scheuner-Haus für alle Senioren. Dann wird das Essen zur Bornstraße gebracht, wo es lediglich so genannte Zubereitungsküchen geben wird, und zwar zwei Stück.

Scheuner-Haus und Altenzentrum bleiben nämlich weiterhin eigenständige Einrichtungen, sogar eine räumliche Trennung muss hergestellt werden. Das verlangt die Heimaufsicht (die heute WTG-Behörde heißt), mit der Lohscheller den Umzug bereits abgestimmt hat. Auch dort halte man den Umzug auf Zeit für die beste Lösung.

Info-Runde und -Brief für Angehörige

Während der Umbauarbeiten im Ellen-Scheuner-Haus wird irgendwann auch die dortige Küche optimiert und steht dann nicht zur Verfügung. In dieser Zeit würden die Senioren im Krankenhaus ihr Essen aus einer anderen Einrichtung des Pertheswerkes bekommen, berichtet Lohscheller.

Ein bisschen nervös sei er schon, räumt der Geschäftsbereichsleiter ein: Der Umzug von gleich zwei Altenheimen sei natürlich auch eine logistische Herausforderung. Erste Gespräche mit Umzugsunternehmen seien bereits geführt worden. Ob die Bewohner wirklich ihr gesamtes Hab und Gut mitnehmen können, müsse (auch im Gespräch mit den Angehörigen) geklärt werden.

Die werden in diesen Tagen per Brief über den bevorstehenden Umzug benachrichtigt. In Neuenrade wird es Informationsveranstaltungen geben. Das Altenaer Ordnungsamt habe denen nicht zugestimmt, berichtete Petra Winkler, Leiterin des Ellen-Scheuner-Hauses. Sie bietet den Angehörigen telefonische Beratung oder Einzelgespräche an, wenn sie Informationsbedarf haben.

Demenzkranke Bewohner gut begleiten

Die Mitarbeiter der beiden Häuser wurden am Mittwoch und am Donnerstag über den bevorstehenden Umzug informiert. Die Nachricht sei positiv aufgenommen worden, schildert Lohscheller. Den Pflegekräften sei durchaus bewusst, dass ein Umbau im laufenden Betrieb auch für sie eine große Belastung gewesen wäre.

Eine wesentliche Frage ist, wie die – teils dementen – Bewohner auf den Umzug reagieren werden. „Wir werden das immer im Blick behalten“, verspricht Lohscheller. Die räumliche Umgebung sei für diese Menschen oft gar nicht so wichtig, erklärt Winkler. Wichtiger sei die emotionale Bindung: „Es ist wichtig, dass unsere demenzkranken Bewohner in dieser Situation ihre Bezüge behalten und gut begleitet werden.“ Wegener meint, dass so ein Umzug auch eine willkommene Abwechslung sein könne.

Altenwohnungen nicht beeinträchtigt

Lohscheller hat in der kommenden Woche einen Termin bei Altenas Bürgermeister Uwe Kober, um ihm das Vorhaben vorzustellen. Mit dem Bauamt sei die temporäre Nutzung des alten Krankenhauses als Pflegeheim bereits besprochen worden, berichtet er. „Da sind gute Signale gekommen.“ Die Behörde muss die Nutzungsänderung genehmigen.

Sowohl in Altena als auch in Neuenrade befinden sich unmittelbar neben den Pflegeheimen zahlreiche Altenwohnungen. In der Burgstadt gehören sie der Baugesellschaft und der Berg-Stiftung, in Neuenrade dem Perthes-Werk selbst. Die Umbauten beeinträchtige deren Bewohner nicht, versichert Lohscheller.

Diejenigen, die sich bisher ihr Essen in einer der beiden Einrichtungen abgeholt hätten, könnten in der Übergangsphase problemlos vom pertheseigenen „Essen auf Rädern“-Dienst versorgt werden.  

Neu ist die Idee nicht, im Krankenhaus ein Pflegeheim unterzubringen. Derzeit zieht St. Vinzenz allerdings vornehmlich ungebetene Gäste an.

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