Pocken sind vom Holzwurm  

Konzert am Sonntag in Altena: Spenden dienen der Restaurierung einer Lutherbüste

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Burgrestaurator Holger Lüders zeigt Bernd Falz und Hans Ludwig Knau von den Freunden der Burg ein Foto der Luther-Büste, die restauriert werden soll.

Altena - Die Verbindung zwischen Musik und der Zeit, die sie inspiriert hat, soll beim Konzert am Sonntag in der Lutherkirche deutlich werden.

Zum einen beleuchtet Hans Ludwig Knau in seinem Vortrag ab 16 Uhr die Reformation in der Grafschaft Mark, zum anderen erklingt durch das Ensemble Musaicum Musik, die von der Reformation inspiriert wurde. 

Mit etwas Forscherglück wird dann im Konzert (ab 17 Uhr) ein Kirchenlied erklingen, das ein Altenaer Pastor zur Zeit der Reformation gedichtet hat. 

„Ein Altenaer Pastor als geistlicher Liederdichter“ – unter diesem Titel hat der damalige Burgarchivar F. Schmidt 1927 einen Aufsatz veröffentlicht. 

Es geht dabei um Engelbert Cloicken, dessen Lied im Dortmunder Gesangbuch von 1630 abgedruckt war. Das Lied beginnt mit der „Ehr, Ruhm und Preiß sei Gott ins Himmels Throne, daß er hat seinen Sohn in unser Fleisch gesendt“. 

Lied wurde an allen vier Hochzeiten gesungen 

Dieses Lied hat sich nach F. Schmidt bis ins 17. Jahrhundert in Altena erhalten und wurde an allen „Vier Hochzeiten“, also zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten und am Michaelisfest, während des Gottesdienstes von der ganzen Gemeinde gesungen. 

Engelbert Cloicke, aus Lüdenscheid gebürtig, war maßgeblich an der Einführung der Reformation in Altena beteiligt, war er doch seit 1545 Pfarrer in Altena, wo er 1567 an der Pest starb. Leider finden sich zu diesem Kirchenlied im Gesangbuch von 1630 keinerlei Hinweise, auf welche Melodie das Lied gesungen worden ist. 

Hans Ludwig Knau und Johannes Köstlin suchen weiter und hegen die Hoffnung, dass dieser Liedtext eines Altenaer Pastors beim Konzert am 3. September nicht nur gelesen, sondern auch durch das Ensemble „Musaicum“ musiziert werden kann. 

Veranstalter von Vortrag und Konzert sind die Freunde der Burg. Der Eintritt ist frei, es wird allerdings um Spenden für die Restaurierung einer Luther-Büste aus dem Bestand des Burgmuseums gebeten. 

Sie wurde 1918 vom Altenaer Kommerzienrates Dr. Wilhelm Ashoff (1857 bis 1929) für stattliche 2 500 Reichsmark aus dem süddeutschen Kunsthandel erworben und dann dem Museum in der gerade wieder aufgebauten Burg geschenkt. 

Es handelt sich um eine sehr frühe und in dieser Form sehr seltene Form der Darstellung Luthers aus dem 17. Jahrhundert. Allerdings ist das Werk über die Jahrhunderte etwas in die Jahre gekommen. Die vorhandene Farbfassung ist nach jetzigem Kenntnisstand die authentische Farbfassung der Entstehungszeit. 

Starken inaktiven Befall des "Holzwurms"

Sie weist Fassungsverluste bis auf den Holzträger sowie gelöste Fassungsflächen auf. Weiterhin gibt es einen starken inaktiven Befall des „Holzwurms“ Anobium punktatum mit entsprechenden Fraßspuren, die das Gesicht Luthers pockennarbig erscheinen lassen. 

Ziel der Restaurierung wird der Erhalt des überlieferten gealterten Zustands sein. Dazu ist die gelöste Fassung mit Hausenblasenleim (Fischblase des Stör) zu festigen und Fassungsverluste partiell mit Aquarellfarben zu retuschieren. 

Auf ein Zukitten aller durch den Schädlingsbefall gestörten Oberflächen wird aufgrund des dann massiven Eingriffs in die Originalsubstanz verzichtet. 

Die Büste wird derzeit in einer großen Sonderausstellung des Ruhrmuseums in Essen gezeigt und kann nach der sich anschließenden Restaurierung wieder in einer eigenen Wandvitrine zusammen mit einem märkischen Gesangbuch sowie einer frühen Lutherbibel aus Wittenberg im Vorraum der Kapelle der Burg Altena betrachtet werden.

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