"Man ist nie zu alt zum Fliegen"

Ursula Bruckmann: Mit 92 Jahren begeistert vom Segelfliegen

Bei strahlendem Sonnenschein hob die 92-jährige mit ihrer Pilotin ab. „Und alle haben sich so nett um mich gekümmert.“

Altena - Das Glück hat Flügel. Ist das ein Grund dafür, dass heutzutage so viele Menschen fliegen? Die Faszination, die Welt von oben zu sehen, begleitet Ursula Bruckmann schon ein ganzes Leben. Heute ist sie 92 Jahre alt. Und durfte wieder abheben.

„Ich konnte die ganz Nacht zuvor nicht schlafen“, erzählt die sympathische Altenaerin, die in einem Segelflieger vom Luftsportverein Hegenscheid dem Himmel ganz nah kam.

Tochter Monika, Enkelsohn Patrick mit seiner Frau Tabea und der zweijährige Louis erlebten hautnah, als sich Oma traute. „Man hat sich so nett um mich gekümmert“, sagt die ältere Dame über die Betreuung des Luftsportvereins. Sie durfte im Flieger vorn sitzen und amüsierte sich herrlich. „Höhenangst hatte ich noch nie.“ Und auch der Fallschirm war ihr nicht komisch. Sie durfte vor der Pilotin Platz nehmen, die „ihre Sache richtig gut gemacht hat.“ Ursula Bruckmann kann das beurteilen, wer, wie fliegen kann. Sie selbst nämlich hat ein Jahr an der legendären Wasserkuppe verbracht, hat heute noch ihre Arbeitsbücher.

Ursula Bruckmann mit ihrer Tochter Monika. Das Flugbuch von der Wasserkuppe ist mehr als ein Stück Geschichte.

1944. Über die Wirren des Krieges erzählt Ursula Bruckmann eigentlich nicht gern. So viele traumatische Erinnerungen begleiten sie noch heute – mit Bombenangriffen und Fliegeralarm, als sie sich auf dem Friedhof in Celle zwischen Gräbern verstecken musste. Emotionale Momente, bei der der Altenaerin heute noch die Tränen über die Wange laufen.

Da fliegt sie. Eine halbe Stunde war Ursula Bruckmann in der Luft und erlebte herrliche Momente.

Sie war eine sportliche junge Frau, Gebietsmeisterin beim Turnspringen vom Drei-Meter-Brett, die als Sportwartin Kontakte zu den Segelfliegern bekam. Und Ursula Bruckmann wollte so gern auch zu den Fliegern, dass sie sich bis nach Berlin durchschlug, um sich dort zu bewerben. Als es klappte und sie die Einberufung zur Wasserkuppe bekam, ging ein Traum in Erfüllung. Mit dem Bau der ersten Flugschule auf der Wasserkuppe war bereits im Jahr 1924 begonnen worden. In der Zeit der Nazi-Herrschaft war die Fliegerei auf der Wasserkuppe dem Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) unterstellt. „Aber davon haben wir nicht viel mitbekommen“, sagt Ursula Bruckmann. Bei Kriegsende war an der Wasserkuppe Schluss. Erst viel später, 1951, fiel das Verbot der Alliierten, Segelflugzeuge zu besitzen oder zu bauen. Ursula Bruckmann hat das Segelfliegen all die Jahre tief im Herzen getragen. Und so war ihr Geburtstagsgeschenk zum 92. ein wahrer Glücksgriff. „Man ist nie zu alt. Man muss sich nur trauen“, lacht Ursula Bruckmann, die seit zwölf Jahren in Altena bei ihrer Tochter Monika wohnt.

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