Pia Henke heuert auf der Gorch Fock an

Pia Henke mit einem Kameraden: Bald fährt die Offiziersanwärterin auf der legendären Gorch Fock.

ALTENA ▪ Marineschule Mürwik bei Flensburg, kurz vor 18 Uhr am Abend: Pia Henke ist auf dem Deck in ihrer Stube, sitzt auf ihrem Bock und hat das Schott geschlossen. Die 20-jährige Burgstädterin ist seit Juli dieses Jahres Offiziersanwärterin bei der Bundesmarine und absolviert ihre Ausbildung im hohen Norden – da bekommen altbekannte Begriffe ganz neue Namen. Mit dem Altenaer Kreisblatt sprach die junge Frau über den Alltag bei der Bundeswehr, ihre Ausbildung bei der Marine und die Vorfreude darauf, bald auf dem Segelschulschiff Gorch Fock über die Weltmeere zu segeln.

Dabei war die Verpflichtung bei der Bundeswehr nicht unbedingt ihr Lebenstraum. Eher zufällig bei einer Berufsmesse stolperte die Handballerin der TS Evingsen über einen Stand der Bundeswehr. Dabei reifte der Wunsch ein Medizinstudium bei der Bundeswehr zu beginnen, doch nach der dreitägigen Prüfung im OPZ in Bonn (Offizierbewerberprüfzentrale) kam es wieder anders. Pia Henke schlug den Weg der Offiziersausbildung ein und will in diesem Rahmen zudem ein politikwissenschaftliches Studium an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg absolvieren. Dafür musste sich die 20-Jährige für 13 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten – bis Ende Dezember kann sie noch widerrufen. „Das ist aber absolut kein Thema für mich“, so die junge Frau selbstbewusst. „Es hat sich gelohnt“, sagt Pia über ihren eingeschlagenen Berufsweg.

Jetzt teilt sie sich mit einer weiteren Offiziersanwärterin eine Stube an der Marineschule. Die Begriffe bei der Marine sitzen nach drei Monaten in der Ausbildung schon: „Wenn wir die Kaserne verlassen, dann sind wir auf Landgang.“ Als Frau beim Militär zu sein, sieht Pia Henke nicht mehr als untypisch an. Zu ihrer 19-köpfigen Crew – so nennt sich die Aufteilung der Offiziersanwärter nach Hörsäalen – gehören drei weitere Frauen. Gemeinsam lernen die Frauen und Männer derzeit viel Theorie wie Nautik, Navigation und Englisch, aber auch die Praxis wie das Erwerben eines Kraftbootführerscheins.

Seit diesem Jahr verfügt die Marineschule auch über einen Ausbildungsmasten. Nach einem tödlichen Unfall einer Offiziersanwärterin 2010 – sie stürzte aus der Takelage der Gorch Fock – wurde die Ausbildung an dem Mast an Land dem Offizierslehrgang hinzugefügt. „Hui“, dachte Pia bei ihrem ersten Klettern in der Takelage. „Jetzt habe ich aber meine Technik gefunden. Irgendwann steht man auf der Plattform und genießt einfach die Aussicht“, erzählt die Kadettin. „Man muss immer mit drei Punkten die Seile berühren. Die Arme sollen ausgestreckt sein. Das Klettern kommt dann aus den Beinen“, erklärt die Offiziersanwärterin wie man den Mast erklimmen soll. „Jeder der zu Bundeswehr gehen will, sollte also sportlich fit sein“, betont Pia. Der tödliche Unfall auf der Gorch Fock werde im Alltag nicht tabuisiert, fügt die Burgstädterin an.

Vor allem bei den Sicherheitsmaßnahmen habe die Marine viel getan, fühlt sich Pia Henke gut auf den Törn mit dem Segelschulschiff vorbereitet. Ende März 2013 soll sie in Lissabon an Bord gehen. Sechs Wochen dauert die Ausbildung auf hoher See, ehe sie in London wieder an Land gehen wird. Um für den Törn zugelassen zu werden gibt es regelmäßige Tests. Dazu gehören die Übungen am Masten, der Wiener Parcour (Sportmotorischer Test) und ein Belastungs-EKG. „Derzeit bin ich dabei“, freut sich die 20-Jährige auf das Abenteuer auf See.

In dieser Woche startete aber zunächst der nächste sechswöchige Ausbildungslehrgang. Dann steht Infanteristische Basis mit Feldlager und Schießausbildung auf dem Plan an einem Marinestandort bei Rügen. „Das gehört einfach dazu“, sagt Pia. Genauso wie die feierliche Vereidigung Anfang August im Beisein des Bundesverteidigungsministers Thomas de Maizière, der traditionell „fair wind and following seas“ wünschte. ▪ David Schröder

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