Respekt und anderes für Hollstein vor der Dortmund-Wahl

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Am Wahlabend 1999 verfolgte Andreas Hollstein im Rathaus seine Wahl zum Bürgermeister. Neben ihm seine damalige Frau Dagmar und CDU-Chef Uwe Scholz.

Altena – Für den ehemaligen SPD-Ratsherrn Werner Thiele ist klar, wer am Sonntag Oberbürgermeister der Stadt Dortmund werden muss: „Thomas Westphal natürlich“. Als „trotz allem überzeugter Sozialdemokrat“ halte er natürlich zu seinem Parteifreund und nicht zum Altenaer Bürgermeister, sagte Thiele im Gespräch – „auch wenn ich nie schlechte Erfahrungen mit Andreas Hollstein gemacht habe“.

Ein bisschen überheblich sei der vielleicht manchmal, ansonsten komme er aber gut mit ihm aus. Bis heute rechnet es Thiele Hollstein und dem damaligen CDU-Vorsitzenden Uwe Scholz hoch an, dass er nach der Wahl 1999 als Rahmeder Ortsvorsteher im Amt bleiben konnte, obwohl der Posten rein rechnerisch der CDU zugestanden hätte.

Als Hollstein 1999 ins Amt kam, da wählten die Neuenrader Klauspeter Sasse zu ihrem Bürgermeister – die beiden CDU-Politiker kamen von Anfang an gut miteinander aus. Sasse erinnert sich an eine Begebenheit, die typisch für Hollstein sei: Als Neuenrade wegen existenzieller Probleme der dortigen Hauptschule über die Gründung einer Gemeinschaftsschule nachgedacht habe, sei die Stadt Werdohl mit ihrer Gesamtschule kurz vor knapp als Partner ausgestiegen.

 Einen solchen braucht eine Gemeinschaftsschule aber. Deshalb habe Neuenrade Altena um Hilfe gebeten, es sei sofort zu einem Gespräch gekommen. Keine zwei Stunden habe es gedauert, bis der Pakt zwischen Gemeinschaftsschule und Burggymnasium besiegelt und von der Altenaer Kommunalpolitik abgesegnet worden sei.

"Auf jeden Fall ist er ein Kämpfer"

„Er packt an und er macht“ – das sei sein Eindruck von Andreas Hollstein, sagt Sasse, der familiäre Beziehungen nach Dortmund hat. „Die Dortmunder wollen, dass angepackt wird“, ist sein Eindruck. Deshalb sei Hollstein für die Großstadt erste Wahl. Ein ganz alter Weggefährte des Dortmunder OB-Kandidaten mit Altenaer Wurzeln ist Ralf Springob. Die Sportart Tischtennis verbindet die beiden – Hollstein war in jungen Jahren Vorsitzender des erfolgreichsten Altenaer Sportvereins TTC Altena, spielte mit Springob sogar im Doppel. „Wir sind politisch nicht einer Meinung“, sagt der ehemalige VDM-Betriebsrat. Sicher habe Hollstein viel für die Stadt getan, Burgaufzug und Lenneterrasse seien Meilensteine der Stadtentwicklung. Dann sei es aber vorbei gewesen – „die Schritte, die dann notwendig gewesen wäre, die fehlen“. Ob Hollstein Dortmund kann? „Auf jeden Fall ist er ein Kämpfer“, meint Springob.

Andreas Hollstein 1999 bei seinem ersten Arbeitstag als Bürgermeister der Stadt Altena.

„Ich drücke ihm alle Daumen“, sagt Hollsteins Nachfolger Uwe Kober. Er glaubt, dass Hollstein der Aufgabe gewachsen wäre, auch wenn sie eine ganz andere sei als die in Altena. In der mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr SPD-lastigen Dortmunder Stadtverwaltung müssse Hollstein sein eigenes Netzwerk aufbauen und steuernd tätig sein – „und das kann er“.

Dagmar Freitag (SPD) bleibt unterkühlt

Unterkühlt fällt Dagmar Freitags Statement zu Andreas Hollstein aus – es habe nur wenige Begegnungen gegeben, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete. Viele Bürgermeister aus ihrem Wahlkreis schickten ihr regelmäßig Einladungen. „Aus Altena allerdings habe ich eigentlich nie eine bekommen, nicht mal zu den Neujahrsempfängen.“ An Selbstbewusstsein allerdings mangele es Hollstein jedenfalls nicht.

„Er ist den Grünen extrem weit entgegen gekommen“, meint Freitag. „Ich sehe mit Interesse den ersten Abstimmungen im Dortmunder Rat entgegen, wenn es beispielsweise um die Zukunft des Flughafens geht“. Die CDU in Dortmund gehe schwierigen Zeiten entgegen, weil sie im Rat weniger Sitze habe als die Grünen.

Freitag drückt natürlich dem SPD-KandidatenThomas Westphal die Daumen: „Er ist kompetent, kennt seine Stadt und versteht etwas von Wirtschaftsförderung. Er ist bestens vernetzt und wird allgemein anerkannt. Er kann also Dortmund.“

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