Altenaer Unternehmer erpresst

Er drohte seinem Opfer mit Verstümmelung - so lang muss Erpresser in den Knast

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Der Iserlohner beim Prozessauftakt mit seinem Verteidiger Andreas Trode.

Altena -  Eine saftige Haftstrafe muss der Iserlohner (45) absitzen, der im Dezember 2016 einen Unternehmer aus Altena (21) bedroht und erpresst hat. Der Angeklagte bestritt die Tat bis zum Schluss.

Vier Monate nach Prozessbeginn ist das Urteil gesprochen: Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen verurteilte einen 45-jährigen Iserlohner wegen erpresserischen Menschenraubs und versuchter räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von zehn Jahren. 

Die Kammer sei nach der Beweisaufnahme davon überzeugt, „dass es der Angeklagte war, der am Tatort war", erklärte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz nach der mühsamen Beweisaufnahme und nannte das aussagekräftigste Indiz für die Täterschaft des Angeklagten: Das ihm zuzurechnende genetische Material auf einer Zigarettenkippe und einer Wasserflasche in der Wohnung des Altenaer Jungunternehmers, in der er in der Nacht zum 11. Dezember 2016 eingebrochen sei. 

"DNA-Transfer unwahrscheinlich"

Mit einem unbekannten Mittäter  habe er nach Wertgegenständen und Geld gesucht. Als sie nichts fanden, warteten sie dort auf den Altenaer, forderten 200.000 Euro und drohten ihm damit, i h m einen Finger abzuschneiden, falls er nicht zahle.

„Ein DNA-Transfer ist unwahrscheinlich", befanden die Richter, nachdem ein Gutachter die Möglichkeit einer solchen Übertragung auf dem Umweg über andere Personen nicht völlig ausgeschlossen hatte. 

Der Angeklagte hatte behauptet, dass die Täter Kleidung von ihm getragen und die Spur beim Abwischen einer Wasserflasche gelegt hätten. Er hatte die Tat bis zuletzt bestritten. Auch Hinweise auf einen Russen und Litauer, die in den Fall verwickelt worden sein sollen, halfen ihm nicht.

Gericht glaubt Alibi nicht

Das angebliche Alibi für die Tatnacht hielt die Kammer für widerlegt. Die vom Angeklagten benannten Zeugen hätten keine verlässlichen Angaben über einen alternativen Aufenthaltsort des 45-Jährigen machen können. Außerdem sei es nicht schlüssig, dass er bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung nichts von diesem angeblichen Alibi gesagt habe.  Stattdessen habe er behauptet, dass er in der Tatnacht in einer Fachklinik in Olsberg gewesen sei. 

Ausdrücklich distanzierte sich die Kammer von den Angaben des Opfers: Die Kammer stütze ihr Urteil nicht auf dessen Aussage, betonte der Vorsitzende. Zur Begründung verwies er auf eine „überschießende Belastungstendenz" des 21-Jährigen aus Altena. Vor seiner Aussage hatte er durch seinen Anwalt Akteneinsicht erhalten. Dieser Umstand beeinträchtigte aus Sicht des Gerichtes den Wert seiner Aussage, bei der er den Angeklagten als einen der Täter identifizierte.

Warze nicht entscheidend

Dass das Opfer den Iserlohner anhand einer Warze erkannt haben will, die der Angeklagte gar nicht hat, empfanden die Richter nicht als Problem: Da die Täter Perücken und Bärte getragen hatten, sei es denkbar, dass sie sich auch eine Warze aufgeklebt hatten, begründete das Gericht.

Mit dem Urteil folgte die Kammer weitgehend Staatsanwältin Heike Hemme, die elf Jahre Haft beantragt hatte. Sie sprach von einem „äußerst brutalen Vorgehen". Verteidiger Andreas Trode hatte im Plädoyer auf die Unsicherheiten der Beweisführung hingewiesen und  für einen Freispruch seines Mandanten plädiert.

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