Schon wieder Abzocke-Briefe

Abgezockt fühlen sich die Stadtwerke von der Gewerbeauskunft Zentrale und beschreiten deshalb den Klageweg.

ALTENA ▪ Vielen Altenaer Geschäftsleuten reicht es jetzt. Zum wiederholten Male „verstopften“ Briefe der „Gewerbeauskunft-Zentrale, GWE GmbH“ aus Düsseldorf gestern ihre Postfächer oder Briefkästen. Wie mehrfach berichtet, versucht das Unternehmen mit einer optisch auf amtlich getrimmten Brief-Werbeaktion auf Recycling-Papier kostenpflichtige Einträge (569,06 Euro inklusive Umsatzsteuer für ein Jahr!) für ein bundesweites Gewerberegister einzuwerben, das die Firma herausgibt.

Hatte schon Sozialfachbereichsleiter Wolfgang Friess aus dem Rathaus vor einer Vertragsschließung gewarnt – „so etwas gehört einfach in den Papierkorb!“ – vertritt aktuell Rechtsanwalt und Notar Thomas Steinigeweg mehrere Altenaer Geschäftsleute und Unternehmer gegen die GWE. Dort ist „die Erfassung gewerblicher Einträge“ offenbar in den Büros durchgelaufen. Eine namhafte Adresse, die jetzt im Rechtsstreit mit der Gewerbeauskunft-Zentrale liegt, sind die Stadtwerke.

Während Thomas Steinigeweg natürlich aus Mandantenschutzgründen auf keinen Einzelfall eingehen wollte, rät er klipp und klar: „Wer das Schreiben zum ersten Mal erhält, sollte es unbeantwortet in den Rundordner geben. Das reicht.“ Kommt es noch mal und noch mal, hat man damit zwar Mühe, aber es sei erneut die wirksamste Methode die GWE mit Nichtbeachtung zu strafen. Möglich ist auch, die Annahme des Briefes zu verweigern. Dann geht er an die GWE zurück. Kosten entstehen dabei weder dem ungewollten Empfänger noch dem Absender, sondern nur der Post.

Hätte jedoch jemand aus Versehen oder in Eile einen Vertrag geschlossen, berate jeder Anwalt, so wie natürlich auch seine Kanzlei. Steinigeweg: „1. Ruhe bewahren. 2. Rechtsrat einholen. 3. Fristen beachten“. Der Jurist verweist auf einschlägige Urteile gegen die GWE und nennt als Absicherung zum Beispiel die Paragrafen 138 und 134 sowie 263 Bürgerliches Gesetzbuch, BGB. Der Anwalt wörtlich: „Für mich ist das Tun dieser Firma nichts weiter als Betrug. Nach meiner Rechtsauffassung und die vieler Gerichte ist der ganze Vorgang eine arglistige Täuschung.“

Ein Anwalt-Kollege habe sich regelrecht auf die Vertretung von GWE-Getäuschten spezialisiert und vertrete Geschädigte bundesweit. Dessen Kanzlei rät in jedem Fall davon ab, telefonisch mit der Gewerbeauskunft-Zentrale zu sprechen. Sie verfolge am Telefon die Strategie, die Betroffenen von der vermeintlichen Rechtmäßigkeit der Forderung zu überzeugen und böten meist einen Rabatt zur Anerkennung ihrer Forderung an. ▪ Johannes Bonnekoh

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