Altenaer sind keine Streithansel

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Schiedsmann Olaf Diembeck.

ALTENA - „Nein, die Altenaer sind keine Streithansel.“ Olaf Diembeck muss es wissen, denn der Burgstädter, der am Ort eine Tanzschule und ein Vermessungsbüro betreibt, ist als Schiedsmann tätig.

Wohl kaum mehr als ein Dutzend Fälle hat er deshalb auch nur in den letzten zwei Jahren bearbeitet, seit er für das Gebiet ab der Steinernen Brücke Richtung Lüdenscheid, die Rahmede, Breitenhagen, den Drescheid, Rosmart und Großendrescheid zuständig ist.

Ausgebildet wurde der 53-Jährige von einem studierten Juristen, einem Richter a.D. und durch Fachkurse, die vom Bundesverband der Schiedsleute angeboten wurden.

„Wir Schiedsleute entlasten in erster Linie die Gerichte. Es geht nicht darum, Rechtsanwälten die Arbeit wegzunehmen“, sagt Diembeck. Und fügt an: „Juristisches Fachwissen, also alle Paragrafen auswendig zu kennen, das wird nicht verlangt. Der Gesetzgeber setzt eher auf unser Bauchgefühl.“

Ob es Beleidigungen im Treppenhaus sind, wenn es mal ums Putzen geht und eine Frau der anderen den Begriff „Du Schlampe“ an den Kopf wirft, ob Bäume über die Grenze wachsen, Zäune repariert oder neu gesetzt werden müssen, es Ärger um Dauerparker auf den falschen Plätzen gibt, immer setzt Olaf Diembeck zunächst auf das Gespräch beider Parteien. „Auge in Auge, das ist wichtig.“ Es sei nötig, dann eine sachliche Basis zu finden. „Ich darf nicht voreingenommen sein, mich auf die Seite einer Partei schlagen.“ Vor Gericht, so sagt er, „vor Gericht gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer. Bei mir ist das anders. Hier muss es keinen Sieger geben, beide sollen sich möglichst die Hand reichen und dann zufrieden mein Zimmer verlassen.“

Das klappt – fast zu 100 Prozent – vielleicht liegt es auch ein bisschen an der offenen Art, mit der der Schiedsmann auf Menschen zugeht und Probleme löst.

Kontakt aufnehmen können Interessierte über das Amtsgericht, dessen Direktor der Dienstvorgesetzte von Diembeck ist. „Erst gestern hat sich eine alte Dame gemeldet und gesagt, am Amtsgericht sei ihr geraten worden, rufen Sie den Diembeck an, der kann ihnen helfen.“

Umsonst, also für Gotteslohn, wird auch ein Schiedsmann nicht tätig. Aber die 40, maximal 50 Euro, die sein Einsatz kosten, sind doch überschaubar. Und stets gibt es ein Protokoll, das von beiden Seiten genehmigt und unterschrieben sein muss.

„Sollte es dann doch mal zum Prozess kommen, ist das sogar eine mögliche Grundlage“, sagt der Mann.

vonJohannes Bonnekoh

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