Fachleute analysieren die Grundschul-Landschaft

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Die vier Grundschulen im Altenaer Stadtgebiet - Breitenhagen, Evingsen, Dahle, Mühlen (von oben links nach unten rechts). ▪

ALTENA ▪ 100 geteilt durch vier – das kann jeder Drittklässler. Weitaus schwieriger ist es, aus dem Ergebnis die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Kommunalpolitik muss sich Gedanken darüber machen was passiert, wenn für jeden der Altenaer Grundschulstandorte rein rechnerisch nur noch 25 Kinder bleiben.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass dieser Zeitpunkt nicht mehr allzu weit entfernt ist. Tatsächlich werden in Altena nur noch um die 100 Kinder geboren. Zur Zeit liegt die Zahl der Grundschüler bei 591, ein weiterer Rückgang ist schon jetzt vorhersehbar.

Im Haushaltssanierungsplan ist definiert, dass es Entscheidungsbedarf in Sachen Grundschulen gibt – schließlich kosten die Schulen ja auch Geld. Darum alleine geht es aber nicht: Je kleiner eine Schule ist, desto schwieriger wird die Arbeit dort – zum Beispiel deshalb, weil es nur wenige Lehrer gibt und Ausfälle zum Beispiel durch Krankheit kaum aufgefangen werden können.

Mit dem sich daraus ergebenden Handlungsbedarf beschäftigte sich in seiner Sitzung am Donnerstag der Schulausschuss – und zwar nicht öffentlich. Formaler Hintergrund für den Ausschluss der Öffentlichkeit war die Tatsache, dass es galt, die Vergabe eines Auftrags vorzubereiten – solche Vertragsangelegenheiten sind, so schreibt es die Gemeindeordnung vor, nicht öffentlich zu behandeln.

Bisher hat sich mit der Schulentwicklungsplanung der zuständige Fachbereich der Stadtverwaltung beschäftigt – das war möglich, weil es sich lediglich um Rechenexempel handelte. Neuerdings wird die Sache diffiziler: Wenn in absehbarer Zeit auch in Altenas Grundschulen inklusiv gearbeitet wird – also auch gehandicapte Schüler dort aufgenommen werden müssen –, dann kommen völlig neue Herausforderungen auf die Lehrer und die Stadt als Schulträger zu. In der letzten Konsequenz sind die noch gar nicht abzusehen.

Externe Planer sollen der Stadt jetzt bei der Einschätzung der Gesamtsituation behilflich sein. Mehrere Büros stellten sich dem Schulausschuss am Donnerstag vor, die Politiker legten sich auf eines fest – der Auftragsvergabe steht damit nichts mehr im Wege.

Die Planer werden sich nicht nur mit den Schülerzahlen beschäftigen, sondern auch die Schulen unter die Lupe nehmen und natürlich das Gespräch mit den Lehrerkollegien und anderen am Schulleben Beteiligten suchen. Das werde wenigstens ein halbes Jahr dauern, sagte Dr. Andreas Hollstein am Freitag .

Der Bürgermeister rechnet deshalb damit, dass konkrete Ergebnisse im Herbst vorliegen. „Im Grundsatz geht es darum, ein demografiefestes Konzept für unsere Grundschulen zu schnüren“.

Die Einschaltung eines externen Büros hat für die Politik aus einem weiteren Grund einen gewissen Charme: Ein Jahr vor der nächsten Kommunalwahl können sie mit einer Grundschuldebatte keinen Blumentopf gewinnen – es kann ihnen nur recht sein, sich bei unpopulären Beschlüssen auf Empfehlungen unabhängiger Fachleute berufen zu können. ▪ Thomas Bender

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