Das Altenaer Puffertlied: Eine Hommage an die Potthucke

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Jeder Sauerländer macht sie ein bisschen anders, aber Potthucke mit und ohne Mettwurst ist immer ein Genuss. Auch die heimischen Gaststätten hüten ihre eigenen Rezepte wie einen Schatz.

Altena - Jetzt im Winter brutzelt sie wieder in vielen Haushalten und vielleicht summt noch mancher Altenaer das „Altenaer Puffertlied“, das seit Jahrzehnten überliefert ist.

Robert Amelung ist einst extra zum Beitenhagen gefahren, um es sich von Otilie Leonhard vorsingen zu lassen und auf Kassette aufzunehmen. Dieses Tondokument diente ihm dazu, die Noten aufzuschreiben und dem Kreisarchivar Dr. Franz Krins zur Verfügung zu stellen. So landete das witzige Stück Zeitgeschichte sogar im Märker.

Man muss immer einen kennen, der einen kennt... So verhielt es sich in den 1970er Jahren, als die Familien Amelung und Stötzel miteinander verkehrten. Kurt Stötzel und sein Sohn Georg hatten Kreisarchivar Krins sowohl von der Existenz der hervorragenden Potthucke von Elfriede Amelung, wie auch dem Puffertlied erzählt, das in Altena die Runde machte. „Dann luden sich die Männer alle mal zu einem Puffert zu uns ein und speisten und lauschten dem Lied. Mein Vater Friedrich kannte es schon lange, es war von Altenaer zu Altenaer immer wieder überliefert worden“, erinnert sich Robert Amelung.

Er selbst war damals noch Student und hatte an der Universität Gehörbildung und Musikdiktat erlernt. Deshalb sah er sich dem Auftrag von Dr. Franz Krins auch gewachsen, als der Archivar ihn bat, das Lied mal ordentlich aufzuschreiben.

Robert Amelung hat das Puffertlied aufgenommen und die Noten aufgeschrieben, damit beides der Nachwelt erhalten bleibt.

Jene Tonbandaufnahme, die die Breitenhagenerin Otilie Leonhard zu diesem Zweck besang, existiert noch heute im Stadtarchiv. Zum Abfassen der Noten setzte sich der junge Robert Amelung an die Orgel der Mühlendorfer Kirche. Eine erste Veröffentlichung des Textes nebst dem original Potthucke-Rezept von Elfriede Amelung gab es im Heimatkalender des Kreises Lüdenscheid im Jahr 1972. Vier Jahre später erfolgte im Märker der Abdruck des „Puffertlieds“ inklusive Noten: „Sieht man die Leute dick und groß, Fragt jeder: woher kommt das bloß - Daß die nur hab‘n so‘n dicken Bauch - Und dicke Beene hab‘n se auch - Kommt das von Bier und Branntewein - Von Prierkelwurst vielleicht - oh nein. Dies Futter, das ein jeder kennt, in Altena man Puffert nennt...“

Die weiteren Strophen gehen humorig weiter, denn der Puffert ist ein guter Problemlöser für nörgelige Kleinkinder, hungrige Ehemänner und heimwehgeplagte Söhne an der Front.

Das Original-Potthucke-Rezept von Elfriede Amelung wurde im Heimatkalender des Kreises Lüdenscheid von 1972 veröffentlicht.

Robert Amelung schätzt an dem Lied, dass es ziemlich authentisch ist: Die darin beschriebenen dicken Knollen, das langsame Garen in der Kastrolle - so und nicht anders hat schon seine Mutter die Potthucke zubereitet. Im Hause Amelung war der Puffert ein typisches Samstagsgericht - „aber ohne Mettwurst!“ betont Amelung.

Nachdem er in den 1970er Jahren Text und Melodie in Form gebracht hatte, wurde er vom MGV Liederkranz Nette eingeladen, der ersten dreistimmigen Intonierung zu lauschen. Gustav Draheim hatte sich diesem Satz angenommen. Selbst hat Robert Amelung es gesungen, als sein guter Freund Georg Stötzel heiratete. „Dazu habe ich natürlich auch einen echten Puffert kommen lassen“, berichtet der Altenaer lachend. Auch zum 40. Hochzeitstag machte er sich dieses Späßchen noch einmal.

1976 erfuhr das Altenaer Puffertlied breitere Berühmtheit, als es samt Noten im Heimatblatt „Der Märker“ erschien.

„Warum auch nicht?“ erklärt der pensionierte Musiklehrer. „Es ist ein ganz gefälliges Liedchen, das sich gut singen lässt und auch instrumental begleitet werden könnte. Von einem Klavier oder Akkordeon zum Beispiel.“

Wer es intonieren möchte, kann Robert Amelung gerne ansprechen. Musikalisch ist der Altenaer immer noch aktiv und hätte bestimmt den ein oder anderen Tipp parat.

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