Altenaer Polizeibeamter ist als Hobby-Schauspieler Dauergast im Vorabendprogramm „Auf Streife“

Hauptkommissar Wolfgang Bröker geht auch im Fernsehen auf Streife

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TV-Szenenbild mit Polizeifahrzeug: Wolfgang Bröker im Fernseh-Einsatz. „Wir müssen schon besonnen handeln, so, wie im richtigen Berufsalltag auch“.

Altena - Blaulicht. Martinshorn. Eine „blinkende Acht“, also Handschellen, auf dem Rücken. Die Waffe gesichert im Halfter. Das ist Alltag für Wolfgang Bröker, damit hat er Tag für Tag zu tun. Der sportlich wirkende, durchtrainierte Mann arbeit seit 1999 als Polizist in Altena. Doch es gibt noch die andere Seite des zweifachen Familienvaters: Der Hauptkommissar ist auch Dauergast im TV-Vorabendprogramm.

Denn der Beamte, der in seinem Wohnort Herscheid Sitz und Stimme im Rat hat, jagt in der Sat-1-Serie „Auf Streife – Die Spezialisten“ als Hauptkommissar Wolfgang Thewes über die Woche auf den Bildschirmen Gangster und Verbrecher. Ganz so „wie im normalen Leben.“ Wenn Bröker mit seinen Kolleginnen und Kollegen der (fiktiven) Autobahnpolizeistelle Köln zu einem Einsatz ausrückt, dann schauen in der Regel Millionen von TV-Zuschauern zu.

Der erfahrene Beamte ist seit vielen Jahren einer der Protagonisten im Sat 1-Fernsehen. Natürlich stilecht: Mit Uniform, mit Polizeiauto, Blaulicht, Martinshorn, Handschellen und Waffe. Eher zufällig kam Bröker zu diesen ganz „besonderen Einsätzen.“ „Ich habe irgendwann einmal im Kollegenkreis von einem Casting für eine solche Serie gehört und war interessiert. Da habe ich mich bei der filmpool Film- und Fernsehproduktion, die die Serie produziert, beworben. Nach einem Casting in Köln wurde ich dann engagiert. Und ich möchte sagen, ich habe es bis heute nicht bereut. Es macht einfach unheimlich viel Freude“, sagt er. In der Serie werden Polizisten und Rettungskräfte in fiktiven Einsätzen dargestellt. Dazu gehören Fälle von körperlichen Auseinandersetzungen, häuslicher Gewalt, Drogen, gescheiterten Beziehungen oder jugendlichem Leichtsinn und vielem mehr.

„In den Filmen wird die Polizeiarbeit, so wie wir sie täglich leisten, wirklich gut abgebildet“, sagt Bröker. Er tritt immer mit einer Kollegin oder einem Kollegen auf, auch das ist streng an die Polizeiwirklichkeit angelegt. Und wie läuft so ein Dreh? Ein Beispiel: Die Polizei erhält einen Tipp – ein Mann meldet einen größeren Geldfund auf einer Raststätte und eine Person, die fleißig Scheine einsammelt. Als der TV- Hauptkommissar eintrifft, fällt dem Polizeiauge ein Verdächtiger auf. Eine sofortige Überprüfung des Mannes ergibt, dass es sich um einen NRW-weit gesuchten Verbrecher handelt, der wegen verschiedener Delikte eine Haftstrafe antreten muss, aber flüchten konnte.

Ein Kamerateam begleitet diese Szene, bei der es sich – das betont Bröker noch einmal – „natürlich nicht um einen echten Einsatz, sondern eine nachgespielte Szene handelt. Aber, ich kann sagen, so etwas kommt durchaus vor. Das war nicht erfunden.“ Bröker muss für sein Agieren vor dem Kamerateam keine festen und vorgegeben Texte pauken. „Ich sage das, was ich auch bei Alltagseinsätzen sagen würde“, schmunzelt der Mann. Und das weiß er nur zu gut. Schließlich trägt er die Polizeiuniform bereits seit 1975. Genau das mache für ihn die Serie so authentisch.

„Ich schlüpfe nicht in eine fremde Rolle. Ich zeige einfach die Alltagsarbeit eines Beamten.“ Natürlich sind die Geschichten, die Millionen immer wieder am TV einschalten, vor allem eines: Spannend und kniffelig. Deshalb handeln die Fernsehepisoden häufig von Waffenfunden, spektakulären Unfällen oder gar Tötungsdelikten. „Es ist wichtig, dass wir als Polizisten nicht überzogen handeln, sondern besonnen. Das kommt beim Publikum an und führt vielleicht auch zu einem anderen Bild der Polizei“, sagt der Hauptkommissar. Deshalb hatte auch Brökers Arbeitgeber, die Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis, nichts dagegen, dass er diesen „Nebenjob“ annahm. „Ich liebe meinen Beruf. Er ist abwechslungsreich und jeden Tag neu spannend. In einem Format, das unsere Polizei ins Lächerliche zieht oder negativ darstellt, hätte ich ganz sicher nicht mitgewirkt“, sagt er. Mit der TV-Serie möchte Wolfgang Bröker auch helfen, den guten Ruf der Polizei als „Freund und Helfer“ wiederherzustellen. „Denn leider“, und er zieht beim Besuch unserer Zeitung auf der Altenaer Wache bedauernd die Schultern hoch, „hat das Ansehen der Polizei doch arg gelitten.“

Auch ihm bereitet Kummer, das Kollegen häufig bei Einsätzen behindert, angegangen und oft sogar mit körperlicher Gewalt konfrontiert werden. „Erst unlängst ist eine Kollegin wieder angespuckt worden, als sie zu einem Familienstreit gerufen wurde“, erzählt er. Deshalb ist für ihn die Teilnahme an der Serie „Auf Streife - Die Spezialisten“ auch so etwas wie die Möglichkeit, einer breiten Öffentlichkeit die Bedeutung seines beruflichen Handels zu vermitteln.

Es ist ihm ein wichtiges Anliegen, mit den Filmgeschichten „dem Zuschauer Verhaltenshinweise und vielleicht sogar nützliche Tipps geben zu können, um im Alltag besser zu bestehen.“ Bis jetzt war der Altenaer Hauptkommissar an gut 80 Fällen im TV beteiligt. Das Drehen der einzelnen Episoden dauert schon „mindestens einen Tag. Dafür werde ich aber nicht freigestellt. Ich nehme mir frei“, erklärt er. Seine Dienst-Uniform anziehen darf er aber nicht. „Das verbietet der Dienstherr. Wir tragen authentische Film-Polizeikleidung“, lässt er sich ein klein wenig in den Filmalltag blicken. Geschminkt wird er für das TV nicht - auch wenn natürlich Maskenbildner (etwa für das Schminken von Unfallopfern) ein wesentlicher Bestandteil des Dreh-Teams sind.

Als sehr aufwendig beschreibt er das Agieren von Stuntmännern, die etwa auf dem vier Kilometer langen Fernseh-Autobahnstück (bekannt aus Cobra 11 - die Autobahnpolizei) auf fahrende Autos springen oder Lkw entern. Mit seinen Filmkollegen versteht sich der Sauerländer „einfach gut.“ Dieses Umfeld lasse ihn häufig vergessen, dass gedreht werde und er als Schauspieler vor der Kamera stehe.

Und fühlt sich der Mann selbst als Schauspieler? Bröker lacht und sagt: „Nein, auf keinen Fall. Das habe ich ja nicht gelernt. Das Mitwirken ist für mich ein tolles Hobby, mehr nicht.“ Kollegen, Freunde und Verwandte sprechen ihn häufig auf seine TV-Auftritte an. „Die Rückmeldungen sind durchaus nett und konstruktiv“, sagt er. Wichtig ist dem Mann aber eine Meinung ganz besonders: „Meine Frau Manuela ist nicht nur Fan, sie ist auch mein größer Kritiker. Aber so etwas ist wichtig, das hilft.“ „Auf Streife - Die Spezialisten“ ist eine SAT 1-Serie, die wochentags im Nachmittagsprogramm ausgestrahlt wird. Die Sendung dauert jeweils eine Stunde. In dieser Zeit werden verschiedene Fälle gezeigt.

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