Für besondere Corona-Aktion

„Ulla, du bist ein Gedicht“: Altenaer machen Ehrenamtlicher besonderes Geschenk 

Ein großes Dankeschön senden die Spender auf diesem Schild neben dem Blumenkasten  am Lenneufer in Altena an Ulla Rinke.
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Ein großes Dankeschön senden die Spender auf diesem Schild neben dem Blumenkasten am Lenneufer in Altena an Ulla Rinke.

Ein besonderes Geschenk hängt am Lenneufer. Mehrere Altenaer haben es Ulla Rinke gespendet, die sich ehrenamtlich sehr engagiert - und in der Corona-Zeit eine besondere Aktion erfand.

Altena – Die Corona-Pandemie hat persönliche Begegnungen in den vergangenen eineinhalb Jahren zeitweise fast unmöglich gemacht. Literaturfreundin Ursula Rinke hatte deshalb die Idee, anderen Menschen in dieser tristen Zeit eine kleine Freude zu machen und sendet ihnen seit mehr als einem Jahr täglich kleine Gedichte oder kurze Balladen per Rundmail zu.

Mit großer Resonanz. Und sie bekommt große Dankbarkeit zurück. Christiane Wilking und Klaus Maliga haben Ulla Rinke, die am Montag 84 Jahre alt wurde, am Lenneufer einen Blumenkasten mit Geranien gespendet. Daneben steht ein Schuld: „Liebe Ulla, du bist ein Gedicht!“

Gedichte von Hölderlin und Co.

Ursula Rinke liest von Kindesbeinen an gern „alles, quer durch den Gemüsegarten“. Deshalb verfügt sie auch über viele Tausend Bücher. Sie nimmt sie immer wieder gerne zur Hand und kauft sich regelmäßig neues „Lesefutter“. Allerdings hat sie ein besonderes Faible für Gedichte und Balladen. Die Corona-Pandemie hat auch die kontaktfreudige Ursula Rinke hart getroffen. „Begegnungen gab es ja praktisch keine. Ablenkung und neuen Mut habe ich persönlich immer wieder für mich gefunden, wenn ich zum Beispiel ein Gedicht von Hölderlin, Goethe, Schiller oder modernen Autoren zur Hand genommen habe. Das lenkt ab, das baut aber auch auf“, sagt sie.

Ursula Rinke mit einem historischen Foto der Stadt samt Lenne.

Die Organisatorin der Aktion „offene Kirche an Markttagen“ konnte während der Pandemie mit ihrem Kollegenkreis natürlich auch diese Vorlese-Aktion immer donnerstags in der Lutherkirche nicht fortsetzen. „Ich habe dann irgendwann begonnen, Texte herauszusuchen und Gemeindeschwester Claudia Sauer hat sie abgezogen, vervielfältigt und in der Kirche ausgelegt. Das ist gut angekommen“, so ihre Erfahrung. Immer wieder sei sie angerufen worden oder habe Mails erhalten.

Mehr als 60 Altenaer empfangen tägliche Mails

Irgendwann reifte in Rinke die Idee, „unserem Vorlesekreis der offenen Kirche täglich ein kleines Gedicht per Mail zuzusenden“. Sie setzte sich abends hin und suchte einen Text aus. „Oft habe ich auch noch kleine Anmerkungen gemacht oder Wissenswertes zum Dichter beziehungsweise Autor dazu geschrieben.“ Gestartet ist sie damit 2020. „Es sollten nur ein paar wenige Tage werden“, sagt sie.

„Doch dann war der Sommer zu Ende, es kamen die dunklen Monate und ein erneuter harter Lockdown. Da habe ich dann weitergemacht.“ Aus 20 wurden bis heute mehr als 60 Personen, deren digitales Postfach jeden Morgen spätestens um 11 Uhr meldet: „Sie haben eine neue Mail“.

Mehr als 400 Mails geschickt

Natürlich sei das Ganze mit Arbeit verbunden, „aber die nehme ich gerne auf mich“, sagt die langjährige Kulturbeauftragte der Stadt Altena. 25 Jahre stand sie als Chefin der Kulturabteilung vor. „Ich hatte an sich vor, nach 365 Tagen aufzuhören, aber ich habe weiter gemacht“, sagt sie zur Mailaktion. „Mittlerweile habe ich schon die 400er-Grenze überschritten und ans Aufhören denke ich nicht mehr.“

Anrufer, Internet-Bekannte oder Whatsapp-Nutzer bestätigen ihr immer wieder: „Wir warten auf deine Post und freuen uns auf die Gedanken zum Tag.“ Wichtig ist Ursula Rinke, auch Gedichte zu versenden, „die zum Lachen anregen. Das befreit die Seele“.

Blühendes Geschenk: Diesen Geranienkasten an der Lenneuferstraße haben mehrere Altenaer zu Ehren von Ursula Rinke gespendet.

Ein Lieblingsgedicht hat Ursula Rinke nicht, sie nimmt sich auch nicht heraus, ihrem Mail-Kreis „nur meinen Geschmack aufzuzwingen. Dafür gibt es einfach zu viele schöne Gedichte und Balladen“, sagt sie. „Ich versuche, einen breiten Geschmack zu treffen.“

Ulla Rinke „kleine Heldin des Alltags“

Eine ihrer digitalen Gedichte-Zuhörerinnen ist Gisela Gontermann. Sie freut sich täglich auf „ein von ihr sorgsam ausgesuchtes Gedicht“. Sie halte diese Aktion „für eine wunderbare Sache. Jeden Tag bin ich gespannt. Jeden Tag freue ich mich.“ Gisela Gontermann, die mit Rinke in der „offenen Kirche“ Bücher vorstellt, sagt: „Ulla ist eine Besondere. In dieser schrecklichen Pandemie-Zeit so etwas zu initiieren und umzusetzen: Ulla Rinke ist für mich so etwas wie eine kleine Heldin des Alltags.“

In diese Kerbe schlagen auch Klaus und Beate Maliga. Sie schlossen sich mit Christiane Wilking und weiteren Freunden kurz und wurden aktiv. „Wir haben Ulla einen Blumenkasten an der Lenneufer-Promenade bepflanzen lassen, der in Höhe Küstersort hängt“, sagt Maliga. Dort steht jetzt gut sichtbar für alle Passanten neben den Namen der Stifter: „Ulla, du bist ein Gedicht!“

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