„Hatte viele schlaflose Nächte“

33 Hektar Waldfläche, überwiegend mit Fichten bestanden, lagen geknickt am Boden. Damals waren die Bäume erst 50 oder kaum 80 Jahre alt. Zu jung „für eine ertragreiche Holzernte.“

Altena - Kyrill, mit diesem Namen verbindet der Altenaer Forstwirt Rolf Conzen noch immer „schlaflose Nächte und jede Menge Stress.“ Der 56-Jährige verlor in der Sturmnacht ein  Fünftel seines Waldes in Altena.

Rund 33 Hektar Waldfläche, überwiegend mit Fichten bestanden, lagen wie Streichhölzer geknickt am Boden. Damals waren die Bäume erst 50 oder kaum 80 Jahre alt. Zu jung „für eine ertragreiche Holzernte.“ An die war auch mit dem Aufarbeiten der Sturmschäden nicht zu denken. Trotzdem sei er damals im Grunde „noch mit einem blauen Auge davon gekommen“, erinnert er sich heute. So habe er das Wurfholz bis nach Indien und in die USA verkauft. 

„Auf einen Schlag waren damals mehr als 15 Millionen Festmeter Holz in NRW verfügbar. Normal sind vielleicht vier bis fünf Millionen Festmeter pro Jahr“, erinnert er sich. Entsprechend seien die Preise „im Keller gewesen.“ Leider habe sich die Politik damals gegen jede Nasslagerung ausgesprochen. „Ich fand das schon bedauerlich“, bringt Conzen auch heute noch kaum Verständnis für diese Entscheidung auf.

Die von Kyrill geschlagenen Narben in der Landschaft, etwa rund um den Flugplatz Hegenscheid oder im Gebiet Mühlendorf, sind noch immer mit bloßem Auge zu erkennen. Auch wenn die Natur sich viele Flächen schon wieder zurückerobert hat. Längst hat Rolf Conzen damit begonnen, wieder aufzuforsten. Mehr als 60 000 Jungbäume hat er in den vergangenen Jahren gepflanzt. Neben Fichten setzte er Douglasien, Küstentannen, Lärchen und Eichen. Wenngleich, so sagt er, die hiesigen flachgründigen Böden in und um Altena „für Edelhölzer wie Eichen oder Buchen im Grunde nicht ausgelegt sind.“ Conzen begründet: „Fichten wachsen immer gerade, Buchen werden krumm.“

Kyrill in Altena und Umgebung

Und da gibt es noch ein Problem. Stichwort: Birken und Weiden. Mehr als 400 000 dieser Selbstpflanzer stehen in den wiederaufgeforsteten Flächen von Conzen. Und das macht ihm Sorgen und viel Arbeit. „Das ist Holz, das man nicht haben will. Wir sind in den vergangenen Jahren stets bemüht gewesen, diese Bäumchen aus den Beständen zu nehmen.“ Das sei sehr arbeitsintensiv und mit hohen Kosten verbunden, weil seine Teams „stets in die Bestände müssen und alles von Hand ausdünnen.“

Conzen blieben nach Kyrill vier Fünftel seines Waldes in Altena. Den hat er natürlich auch nach der schmerzlichen Sturmnacht weiter bewirtschaftet. „Mir sind damals viele steile Hände geblieben, was die Arbeit nicht gerade erleichtert hat.“ Die neue Holzernte der in seinem Auftrag gesetzten Jung-Bäume wird er selbst nicht mehr erleben. Denn allein Fichten sollten 90 Jahre wachsen, Buchen 140 Jahre und Eichen sogar mindestens 180 bis 250 Jahre, ehe sie ertragreich vermarktet werden können.

Rolf Conzen hat sich damals entschieden, das Schließen der Kyrill-Wunden nicht allein der Natur zu überlassen. Holunderbüsche, Ginster und eben Birken beziehungsweise Weiden seien zum Hochwald, so wie er im Raum Altena zu finden war, „eben keine wirkliche Alternative“, unterstreicht er noch einmal.

Schlaflose Nächte wegen massiver Schäden durch Sturm in seinem Wald hat der Waldbesitzer seit Kyrill nicht mehr gehabt. Aber er warnt auch: 1990 habe es Sturmtief Daria gegeben, 1999 dann Orkan Lothar. Der Klimawandel schreite stetig fort. „Das macht mir schon Sorgen.“

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