Altenaer fliegen trotz politischer Lage in die Türkei

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Altenaer, die schon mal in der Türkei Urlaub gemacht haben, fliegen auch dieses Jahr wieder dorthin. Das ist die Tendenz, die Inhaber der Reisebüros vor Ort erkennen.

Altena - Im Urlaub suchen die Leute Geborgenheit. Sie wollen sich sicher fühlen, entspannen – und das zu einem guten Preis. Eine deutliche Tendenz hin zu westlichen Zielen erkennen die Inhaber der Reisebüros vor Ort ganz klar. Mögliche politische Spannungen, wie in der Türkei, schrecken aber noch lange nicht jeden Urlauber von solchen Reisezielen ab.

So auch nicht Udo Winter, ehemaliger Leiter der Feuer- und Rettungswache Altena, und seine Frau. Erst im Mai besuchten die beiden die Türkei. „Wir haben den Urlaub schon im Februar gebucht, da war die Lage noch etwas entspannter – als sie sich dann verschlechtert hatte, haben wir überlegt, ob die Entscheidung wohl richtig war“, erzählt Winter. 

Der Gedanke an eine Stornierung sei wohl aufgekommen, aber „man kann das von zwei Seiten sehen: Was Erdogan macht, passt mir nicht. Aber der kleine Mann, der vielleicht in einem Hotel kocht, seine Familie ernähren muss und Erdogan womöglich gar nicht gewählt hat, braucht uns Touristen.“ 

"Würden wieder hinfliegen"

Deshalb entschieden sich Udo Winter und seine Frau ganz bewusst für den Urlaub in der Türkei. Bereut haben sie das nicht: „Wir waren vor einem Jahr schon dort und es war super. Wir würden auch wieder hinfliegen“, sagt er. 

Eine für Winter erstaunliche Erfahrung: „Wir hätten mit deutlich mehr Kontrollen am Flughafen gerechnet. Aber die gab es nicht. In den Orten selbst war auch nicht mehr Polizei im Einsatz. Die Stimmung war eher locker, fast wie unter Freunden.“ 

"Erdogan liegt am Strand ja nicht neben ihnen"

Auch Thomas Eltzner, Inhaber des Reisebüros Zöller, macht die Erfahrung, „dass es nicht so schlimm ist, wie es aussieht“. Die Türkei als Land merke schon, dass weniger Touristen kommen. Dennoch blieben viele dem Reiseziel treu. „Die dort herrschende Politik schreckt schon ab. Aber einige sind da auch schmerzfrei“, weiß er. „Immerhin liegt Erdogan am Strand ja nicht neben ihnen.“ 

Vor allem aber kämen die Leute oft preislich nicht an der Türkei vorbei, die Angebote sind besonders günstig. „Mir fällt auf, dass meist diejenigen dort einen Urlaub buchen, die schon mal da waren. Wer nie in der Türkei war, meidet das Land jetzt noch eher“, sagt Eltzner. „Ich würde niemandem sagen, er soll dahin fahren. Das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.“

"Die Angst schleicht immer mit"

Allerdings: Mögliche Unruhen fürchten die Leute mittlerweile fast überall. „Die Angst schleicht immer mit“, weiß der Reisebüro-Inhaber. „Aber eben nicht nur in Ländern wie der Türkei. Leider fragen sich die Leute mittlerweile bei vielen Orten: Ist das wirklich sicher? Das kann aber auch schon beim Public Viewing in Dortmund so sein.“ 

Besonders gefragt seien westliche Ziele. Die Topfavoriten sind Spanien und Portugal. „Wir sind zur Ferienzeit zu gut 80 Prozent ausgebucht“, sagt Eltzner. Auch schwer im Kommen: „Mit dem Hotel um die Welt schwimmen – das ist besonders schick und sicher.“ 

Bei einer Reise mit dem Kreuzfahrtschiff gebe es nicht nur viel zu sehen. Auch die Sicherheitsmaßnahmen seien hoch und die Leute auf dem Schiff bleiben über den ganzen Urlaub dieselben. „Das vermittelt ein Gefühl der Bekanntheit und Sicherheit“, erklärt Eltzner. 

Buchungen nehmen zu

Das bestätigt auch Markus Tenne, Inhaber der Allgemeinen-Reise-Agentur. Die Beliebtheit dieser Reisen sei unbestritten. Dennoch: „Im Frühjahr war die Türkei als Reiseziel hier praktisch tot. In den letzten zwei bis drei Wochen hingegen hat sich der Trend deutlich geändert – es gibt viele Buchungen“, weiß Tenne. 

Andere Reiseziele sind bereits ausgebucht und vor allem deutlich teurer, bei nicht vergleichbaren Angeboten. „Ich werde oft gefragt, ob man da noch hin kann. Die Entscheidung ist aber subjektiv“, betont er. Deshalb hat sich Tenne vor einigen Wochen selbst auf den Weg in die Türkei gemacht. 

Die Menschen leben vom Tourismus

„Ich wollte mir ein Bild machen, um die Lage als Urlauber dort besser einschätzen können.“ Tennes Fazit: „Im Prinzip läuft alles wie gehabt.“ Einige Hotels waren zwar geschlossen, doch das ändere sich vermutlich in den Sommermonaten. „Sonst gab es keine Abstriche.“ 

Gedanken sollten sich Urlauber zuvor aber machen: „Ob man das Regime an sich unterstützen möchte, muss man für sich entscheiden. Auf der anderen Seite haben die Menschen der Küsten-Region hauptsächlich dagegen gestimmt – und die leben vom Tourismus“, sagt Tenne

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