Sanierungsplan bei Saleen gescheitert

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Matthias Rentrop (links) zeigte seinen Betrieb gerne her. Auch Landrat Gemke war schon zu Besuch in der Produktion am Winkelsen. ▪

ALTENA ▪ Der Schutzschirm hat nicht geholfen: Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung wurde Ende vergangener Woche ein Insolvenzverfahren über die Firma Saleen am Winkelsen eröffnet. Insolvenzverwalter ist Manfred Gottschalk aus Herdecke.

Lieferschwierigkeiten eines Partners aus Fernost gab das Unternehmen im Mai als Grund dafür an, dass es in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Daraufhin beantragte Geschäftsführer Matthias Rentrop das relativ neue Schutzschirmverfahren. Es soll Firmen die Zwangsverwaltung durch einen Insolvenzverwalter ersparen. Stattdessen haben die Unternehmer selbst drei Monate lang die Chance, in Eigenverwaltung einen Sanierungsplan auszuarbeiten. In dieser Zeit genießen sie Gläubigerschutz.

Dass dieser Plan nicht aufgegangen ist, hat Gottschalk nach eigenen Worten nicht wirklich gewundert: Rentrops Ziel sei es gewesen, Investoren zum Einstieg in das Unternehmen zu bewegen. Die Erfahrung zeige aber, dass Betriebe eher aus der Insolvenz heraus gekauft würden. Dann erwerbe der Käufer Anlagen, Gebäude und Warenbestände, habe aber mit den „Altlasten“ des Unternehmens wie zum Beispiel den Verbindlichkeiten nichts zu tun. Die Risiken bei einer solchen Übernahme seien deshalb überschaubarer.

Gottschalk kennt sich aus bei Saleen: Der Experte für Insolvenzrecht hat das Unternehmen schon in der Schutzschirm-Phase begleitet. Aus der Beraterrolle schlüpfte Gottschalk mit der Übernahme der Insolvenzverwaltung in die des Unternehmers. Er führt die Geschäfte, bis ein Käufer gefunden ist – „es gibt mehrere Interessenten“, sagte der Anwalt gestern auf Anfrage. Mit seinen aus Synthetik-Material gefertigten Korbwaren stehe Saleen am Markt gut da, die Auftragslage sei gut – nicht zuletzt wegen einiger Großaufträge namhafter Unternehmen.

Gerade deshalb sei es jetzt zunächst sein Ziel, die Produktion aufrecht zu erhalten, sagte Gottschalk. Das sei auch gesichert: Die Hausbank sichere der Firma die notwendige Liquidität. Dadurch sei die Zahlung von Löhnen und Gehältern der rund 40 Mitarbeiter gesichert. Sie produzieren am Winkelsen das Material, aus dem anschließend vor allem in China Korbwaren aller Art geflochten werden. Auch Tischsets gehören zur Lieferpalette der Firma.

Auch die Lieferanten des Vormaterials bekämen ihr Geld. Gerade bei ihnen hatte die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für Unruhe gesorgt. „Ich habe das ganze Wochenende telefoniert“, sagte Gottschalk. Schließlich sei es ihm gelungen, die Lieferanten davon zu überzeugen, dass das Unternehmen eine Zukunfts-Perspektive habe und die Rechnungen bezahlen werde. ▪ Thomas Bender

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