Wildschwein Hetty hat Schwein gehabt

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Jonas kümmerte sich wie die ganze Familie Thal um Hetty.

ALTENA - Neugeborene machen ihren Eltern viel Arbeit, besonders in den ersten Tagen wird oft die Nacht zum Tag. Das ist auch bei Tierbabies so. Simone Thal, Tierarzt-Helferin in der Praxis von Dr. Andrea Schick, kann ein Lied davon singen. Der Gast, den sie jetzt aufpäppelte, war schon ein Besonderer.

„Etwa vor Wochenfrist hat ein älteres Ehepaar auf der Straße in der Brachtenbecke ein kleines Wildschwein gefunden. Die Altenaer haben es dann in die Praxis von Dr. Andrea Schick gebracht“, erzählt Thal. „Falsch, ganz falsch“, sei das gewesen, sagt Thorsten Reeder. Der erfahrene Jäger nimmt sogar Begriffe wie „Tierquälerei“ und „strafbare Handlung“ in den Mund. Das Ehepaar wollte das kleine Etwas allerdings nur retten, ihm helfen: Reeder und Thal unisono: „In solchen Fällen sollten Passanten oder Spaziergänger immer die Polizei, Feuerwehr, das Ordnungsamt, den Tierarzt oder den Jäger benachrichtigen.

Das Tier niemals anfassen oder mitnehmen.“ Warum Thorsten Reeder so reagiert? „Ich könnte Dutzende von Geschichten erzählen, wo Altenaer Rehkitze mit nach Hause genommen haben und schlicht überfordert waren.“ Und er erzählt Details über „Fund-Tierkinder“ im Keller, Schuppen oder Garten, die mit Wasser und Gras gefüttert werden sollten und dann elendig eingingen. Tierarzt-Helferin Simone Thal ergänzt noch, dass zurzeit viele Jungvögel das Fliegen lernen. „Immer wieder werden uns kleine Piepmätze gebracht. Auch wir sagen: Stop! Nicht einmischen. Die Tierkinder lernen das schon“.

Zurück zum Wildschwein:

Simone Thal nahm das nur 900 Gramm schwere Tier mit nach Hause. Es hatte einen Rechtsdrall, fiel immer wieder um, war stark unterkühlt. Reeder meint, die Mutter habe es wohl verstoßen. „Natürliche Auslese“. Klinge hart, aber jeder Wurf habe bis zu zwölf Tierkinder und Wildschweine legten allein in einer Nacht bis zu 25 Kilometer zurück. Wer da nicht mitkomme, bleibe eben auf der Strecke.

Rund eine Woche hat Simone Thal und ihre Familie das kleine Ferkel liebevoll gepäppelt. „Wir haben das weibliche Tier Hetty getauft. Alle Tiere bei uns haben Namen“, lacht die junge Frau. Besonders anhänglich zeigte sich Hetty Denis Thal gegenüber. Sie akzeptierte ihn wohl als Rudelführer. Doch auch Sohn Jonas bekam die kleine Wildsau nicht mehr von der Schlippe, wie man so schön sagt.

Thal bezog neben ihrer Chefin, Dr. Andrea Schick, auch immer wieder Jäger Thorsten Reeder in die Pflege der Bache mit ein. Er war es auch, der sie jetzt zu einem Freund auf einen Bauernhof vermittelte. Dort soll nun aus 900 Gramm Lebendgewicht einmal ein strammes Wildschwein heranwachsen, das dann durchaus 80 Kilogramm auf die Waage bringen und bis zu 21 Jahre alt werden kann. Auswildern, zurückbringen in den Wald? „Geht nicht“, sagt Reeder. „Das Tier ist jetzt zu Menschen bezogen.“ Doch er ist sicher: „Hetty wird es auf dem Hof gutgehen.“

Und bis dahin gibt es weiter Rotlicht, leckere Spezialnahrung und Familienanschluss. Hetty hat eben Schwein gehabt! - Von Johannes Bonnekoh

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