Einbruch über Balkon

Ehepaar im Schlaf ausgeraubt: Urlaub wird zum Horror-Trip 

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Regina Bergfeld und ihr Ehemann Matthias.

Altena – Sie wollten einfach nur acht Tage lang ihre Ruhe haben. Doch für ein Ehepaar aus Altena wurde ihr Urlaub auf Teneriffa zum Horrortrip. Sie wurden ausgeraubt. Während sie in ihrem Hotel schliefen.

Die Sonne und das Meer genießen – Regina Bergfeld und ihr Ehemann Matthias, SPD-Ratsherr in Altena. Welcher Ort könnte dazu besser geeignet sein als Costa del Silencio – also „Ruhige Küste“ – im Süden der Kanaren-Insel Teneriffa? Doch der Entspannungsurlaub geriet zum Horrortrip. Das Ehepaar wurde ausgeraubt. In seinem Hotel-Apartment. Friseurmeisterin Regina Bergfeld, seit Mai 2017 Inhaberin von „Regina’s Haarsalon“ an der Staberger Straße in Lüdenscheid, ist heute noch ganz aufgewühlt, wenn sie sich an die schicksalhafte Nacht erinnert.Am Montag, 26. August, waren die Altenaer in dem Örtchen angekommen, das auf der Internetseite ferien-auf-teneriffa.net angepriesen wird als „ideal für Urlauber, denen der Trubel in den Touristenzentren Las Americás/Los Cristianos zu viel ist“. 

Am 27. August schauten sie sich in Ruhe die Anlage ihres Hotels Club Marina an und freuten sich über ihr Apartment im zweiten Stock, das aus Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer bestand.

Sie gingen nach einem gemütlichen Abendessen gegen 22 Uhr zu Bett. „Es war gegen zwei Uhr nachts, als mein Mann hochschreckte. Er hatte ein Geräusch gehört und sah gerade noch, wie zwei dunkel gekleidete junge Männer durch die Balkontür nach draußen schlichen. Matthias stand auf und verfolgte sie, doch die Einbrecher sprangen in die Tiefe und verschwanden – offenbar unverletzt.“ Die Bergfelds meldeten sich aufgeregt an der Rezeption, geraume Zeit später war die Polizei vor Ort. Regina Bergfeld: „Da das Apartment keine Klimaanlage besaß, hatten wir die Balkontür offenstehen lassen. Wir hatten den Fehler gemacht, dass – bis auf unser Geld, das sich im Safe befand – praktisch alles offen herumlag. Die Einbrecher schauten gar nicht erst in die Schubladen. Das hätte ja Krach machen können. Sie griffen sich den Rucksack meines Mannes und stopften einfach alles hinein, was sie finden konnten.“ Und das war nicht wenig: Beide Smartphones, Personalausweise, Bankkarten, Brillen, der BMW-Autoschlüssel, eine weitere Tasche und sogar Bücher.

Als besonders ärgerlich erwies sich der Verlust des iPhones von Matthias Bergfeld. Auf dem waren nicht nur zahlreiche für ihn wichtige persönliche und berufliche Daten gespeichert, sondern auch die Tickets für den Rückflug. Allein die Neuanfertigung eines Autoschlüssels sollte die Bergfelds schließlich 500 Euro kosten. Gesamtschaden: etwa 1800 Euro. Doch das war nicht der einzige Ärger. Die Leitung des Hotels erwies sich als sehr wenig hilfsbereit. Zwar durften die Bergfelds noch in der Nacht in ein Apartment in der dritten Etage umziehen, doch ansonsten wurde ihnen keine Unterstützung zuteil; man ging ihnen geradezu aus dem Weg. Um Kontakt mit ihren Kindern daheim aufzunehmen, baten sie beispielsweise darum, einen Hotel-PC und dessen Internetverbindung nutzen zu dürfen.

Doch das wurde ihnen ebenso verweigert wie Hilfe bei der Taxi-Bestellung am kommenden Morgen. Sie mussten nämlich bereits um 8 Uhr bei der Polizei im 50 Kilometer entfernten Las Américas erscheinen, um ihre Anzeige aufzugeben. Auch dort lief es alles andere als unproblematisch. Da keiner der Beamten Englisch oder Deutsch sprach, mussten sie von der Wache aus eine Deutsch sprechende Polizistin in einer anderen Dienststelle anrufen. Deren Umgangston erwies sich als äußerst barsch. Es dauerte geraume Zeit, bis die Altenaer endlich das ersehnte amtliche Dokument in Händen hielten, das ihnen – Ausweise und Tickets waren ja weg – die Wiederausreise ermöglichen sollte. Noch in der Nacht der Tat waren die Bergfelds nach draußen gegangen – in der Hoffnung, dass die Einbrecher den Rucksack mit für sie wertlosen Dingen vielleicht ins Gebüsch geworfen hatten. Doch wurden sie nicht fündig.

Dafür beobachteten sie an einem Nachbarhotel zwei junge Männer, die dort von einem Balkon sprangen. Später hörten sie, dass sich Mitglieder einer Jugendbande in Costa del Silencio wohl Nacht für Nacht andere Straßen, an denen es Hotels gibt, vornehmen. An den restlichen Urlaubstagen pendelte das Ehepaar zwischen der Hotelanlage und einem in der Nähe gelegenen Internet-Café, um den Kontakt zu den Söhnen in der Heimat zu halten. Der jüngste Sohn kümmerte sich beispielsweise darum, dass Ersatz für die Flugtickets beschafft wurde. Mit Entspannung hatte das alles nichts mehr zu tun. Während sich Matthias Bergfeld mittlerweile gut von den Vorfällen erholt hat, leidet seine Ehefrau noch heute darunter: „Der Gedanke, dass Fremde in meinem Schlafzimmer waren, macht mir sehr zu schaffen. Ich kann seitdem kaum noch schlafen.“ Für Regina Bergfeld steht fest: „Wir fliegen so schnell nirgendwo mehr hin.“ Und sie weiß auch schon, wohin die nächste Urlaubsreise führen wird: „Nach Österreich!“

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