Es herrscht wieder Ruhe im Denkmalbereich

Vier Häuser, drei Farben – das soll anders werden. Paul Sebastian Resch, Joachim Effertz, Jörg Hammerschmidt und Jürgen Wagner (von links) zeigen, welche Farbe an der Gustav-Selve-Straße demnächst zum Einsatz kommt.

ALTENA - Vor drei Jahren wurde der Knerling zum Denkmalbereich ernannt, sein äußeres Erscheinungsbild ist damit geschützt. Während es im Vorfeld dieser Entscheidung erhebliche Diskussionen gab, ist inzwischen wieder Ruhe eingekehrt - auch deshalb, weil die Verwaltung Wort gehalten hat und im ständigen Austausch mit den Eigentümern der knapp 130 Häuser steht.

„Darüber haben wir lange diskutiert“, berichtete Altenas oberster Denkmalschützer Jürgen Wagner, als er gestern zusammen mit Baugesellschaftsvorstand Joachim Effertz das Fassadenprogramm für den Stadtteil vorstellte. Nach und nach will das Unternehmen all seine (etwa 110) Häuser am Knerling streichen - eine Aktion, die mit den privaten Eigentümern abgestimmt werden musste, weil die für ihre Gebäude bei anstehenden Sanierungen die gleiche Farbe wählen sollen. Der zunächst von Baugesellschaft und Denkmalschützern favorisierte Farbton fiel bei den „Privaten“ durch, ein Kompromiss musste gefunden werden. „Auch die obere Denkmalbehörde war an der Entscheidungsfindung beteiligt“, verdeutlicht Wagner eine grundsätzliche Schwierigkeit solcher Abstimmungsprozesse.

Ab 1910 wurden am Knerling die ersten Häuser errichtet, es folgten bis zur Nachkriegszeit drei weitere Bauabschnitte. Das Farbkonzept nimmt darauf Rücksicht: „Die einzelnen Bauepochen werden durch unterschiedliche Anstriche dokumentiert“, erklärt Effertz. Die Entscheidung fiel auf Beige- und Grautöne - mit einer großen Ausnahme: Das kleine Geschäftszentrum am Eingang zum Knerling erhält einen ziegelroten Anstrich - „wir schaffen da eine Torsituation“, erklärt Wagner. Außerdem signalisiert diese Farbe die „Öffentlichkeit“ dieser Häuser. Rot wird deshalb auch die Schule, am Kindergarten wird diese Farbe die Fenster umrahmen.

Etwa zehn Häuser will die Baugesellschaft in diesem Jahr noch streichen lassen. An der Friedrich-Ebert-Straße hat die Firma Paul Resch in diesen Tagen mit den Arbeiten begonnen. Das erste Doppelhaus ist eingerüstet, gestern trugen die Maler die Grundierung auf. Vorher wurden die Wände mit dem Hochdruckreiniger gesäubert. Den Fresken über den Haustüren, die so typisch für den Knerling sind, hat das erkennbar gut getan: Sie sind jetzt wieder leuchtend-bunt.

Das Fassadenprogramm ist nicht alles, was sich am Knerling tut. Viele der Häuser dort sind schiefergedeckt - gerade die privaten Eigentümer hatten Sorge, dass sie bei Erneuerungen des Daches wieder auf dieses Material zurückgreifen müssten. Das ist vom Tisch, es dürfen auch tönerne Dachziegel verwendet werden - aber nur eine bestimmte Form und Farbe, auf die man sich ebenfalls schon geeinigt habe, wie Wagner berichtete. Außerdem prüft im Moment ein auf Denkmäler spezialisierter Fachmann, wie die einzelnen Haustypen energetisch verbessert werden können.

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