Seckelmanns besuchen ihre Kinder im Busch

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Rosemarie und Helmut Seckelmann bei ihrer Landung zusammen mit ihrem Sohn Dr. Carsten Seckelmann, ihrer Schwiegertochter Dr. Sandra Wening-Seckelmann und den drei Enkeln Cajus, Carlotta und Sarafina. ▪

ALTENA ▪ Vor einem Jahr sind Dr. Carsten Seckelmann, Facharzt für Innere Medizin, und seine Ehefrau, die Kinderärztin Dr. Sandra Wening-Seckelmann, in den vernachlässigten Süden Tansanias ausgereist, um im Dienst des Forums Wiedenest e.V. im Mbesa Mission Hospital tätig zu werden.

Der aus Grünewiese stammende Mediziner, der durch die dortige Evangelisch-freikirchliche Gemeinde entscheidend geprägt wurde und das Abitur am Altenaer Burggymnasium abgelegt hat, arbeitete nach Abschluss seines Medizinstudiums zunächst acht Jahre lang in einem Krankenhaus in Frankfurt. Zu dem Schritt, nach Afrika zu gehen, hatten er und seine Frau sich entschlossen, weil sie durch ihr Wissen und Können die Not von afrikanischen Kindern und Eltern lindern wollten.

Jetzt waren Seckelmanns Eltern Rosemarie und Helmut für drei Wochen in Tansania, um Kinder und Enkel zu besuchen und um sich einen Einblick in ihre Arbeit zu verschaffen.

„Wir landeten im Busch“, berichtet Helmut Seckelmann, „aber unsere Kinder erleichterten uns die Eingewöhnung, weil wir bei ihnen wohnen konnten“. Lehmhütten – nur die Krankenhaus-Mitarbeiter wohnen in festen Häusern – Holz schleppende Frauen und unter den Lasten fast zusammenbrechende Fahrräder: Das waren die ersten Eindrücke des Ehepaares Seckelmann von Afrika.

Ihre inzwischen sieben, fünf und drei Jahre alten Enkel genießen die Freiheit, in der sie aufwachsen. Sie gehen barfuß wie kleine Afrikaner, haben einheimische Spielkameraden, wissen inzwischen Dinge wie Nutella als etwas Besonderes zu schätzen und sind meistens von eigenen Tieren – Hühnern, Kaninchen, Katzen und Hunden – umgeben.

Der Wachsamkeit eines Hundes hat Helmut Seckelmann es zu verdanken, dass er vor dem Biss einer Spei-Cobra verschont blieb. Er bekam „nur“ ihr beißendes Gift auf der Haut zu spüren. Was ihm hätte passieren können, wurde ihm erst einige Tage später bei einer Begegnung mit Menschen bewusst, denen infolge von Schlangenbissen Gliedmaßen amputiert worden waren.

In dem 120-Betten-Hospital im 7000-Seelen-Dorf Mbesa sind neben zahlreichen einheimischen Mitarbeitern vier engagierte deutsche Ärzte und ein Physiotherapeut tätig. Rund 350 000 Menschen sind auf das von deutschen Missionaren gegründete Krankenhaus angewiesen, das das einzige in einem Umkreis von 300 km ist, in dem Operationen durchgeführt werden. Die Behandlungskosten sind niedrig. Für eine Geburt belaufen sie sich zum Beispiel auf 2,50 Euro, für einen Leistenbruch auf 20 Euro, und für einen einwöchigen Krankenhausaufenthalt sind 5 Euro aufzubringen. Viele sind jedoch so arm, dass sie die Behandlungen nicht bezahlen können. In solchen Fällen werden diese aus einem Hilfsfonds des Hospitals finanziert.

„Niemand wird weggeschickt, und für die Versorgung der Patienten sind deren Angehörige zuständig, die in ihrer Nähe untergebracht sind und für sie kochen“, berichten die Seckelmanns. Beeindruckt sind sie auch von den Einrichtungen des Forums Wiedenest, in denen afrikanische Kinder eine Schul- und eine Berufsausbildung und somit Zukunftsperspektiven erhalten: von einer Grundschule, die von einer Deutschen geleitet wird, von einer Lehrwerkstatt für Jungen und von einer Hauswirtschaftschule für Mädchen. Nach Abschluss der zweijährigen Ausbildung erhalten die Absolventen Werkzeuge bzw. eine Nähmaschine, damit sie sich eine Existenz aufbauen und für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen können.

Dr. Carsten Seckelmann und seine Ehefrau glauben, in dem Buschkrankenhaus „am richtigen Platz zu sein“, auch wenn sie immer wieder an ihre Grenzen stoßen und sich aufgrund der kulturellen Differenzen und der Sprachbarriere im afrikanischen Umfeld oft als „Familie mit Migrationshintergrund“ fühlen. Die Arbeit im Krankenhaus in Mbesa macht ihnen Spaß und sie freuen sich darüber, dass sie vielen Menschen in ihrer Not helfen können.

Der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Grünewiese sind sie dankbar dafür, dass diese sie durch ihre Einnahmen aus dem „Café Oase“ unterstützt. Ihr Einsatz in Tansania wird nämlich – genauso wie das Krankenhaus – nur aus Spenden finanziert. ▪ Ingrid Weiland

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