Donnerstag, 19 Uhr, Pfarrsaal von St. Matthäus / Schauspieler Jürgen Albrecht: „Trauen Sie sich, einzugreifen!“

Altena: Theatraler Crashkurs in geistiger Notwehr gegen Ausländerfeindlichkeit

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Jürgen Albrecht und Partnerin Karin Kettling freuen sich auf ihr Publikum.

Altena - Kolping, Stellwerk, evangelische und katholische Kirche sowie die Mitglieder des Katholikenrates Altena-Lüdenscheid sind sich einig: Menschen herabzusetzen, sich als Rassist zu betätigen oder andere Menschen irgendwie zu diskriminieren, geht gar nicht.

Doch Reden und Mahnen allein reicht nicht. Deshalb sollten sich Altenaer Donnerstag, den 31. August, 19 Uhr, rot im Kalender anstreichen. An diesem Abend gastiert das Schauspieler-Duo Jürgen Albrecht und Karin Kettling im Rahmen der Theateraktion SachWat im Pfarrheim von St. Matthäus. 

„Es geht vor allem darum, was man gegen Stammtischparolen machen kann – ja machen sollte!“, hatte im Vorfeld bereits Kolping-Vorsitzender Stefan Kemper gesagt. 

Schauspieler Jürgen Albrecht will sich über den Verlauf des etwa zweistündigen Abends zwar „nicht so ganz und vollständig“ in die Karten blicken lassen, aber auch für ihn und seine Partnerin Karin Kettling ist das „Mut machen“, also das Zeigen von Zivilcourage im Alltag, „das inhaltliche Ziel über diesen Abend hinaus. Ich sollte etwas tun, etwas sagen, wenn ich merke, da macht eine Person herabsetzende und diskriminierende Äußerungen, Gesten oder andere Dinge. Ich sollte mich trauen, einzugreifen“, so Albrecht im Vorfeld des Abends. 

Albrecht und Kettling haben Stück selbst verfasst

Überschrieben ist der Abend folgerichtig deshalb mit dem Wort „SachWat“ – irgendwie typisches Ruhrgebiet. Albrecht und Kettling haben ihr Stück selbst verfasst. Es beinhaltet zwei typische Alltags-Szenen, die jeder kennen dürfte. 

„Groß heraus“ kam es aber erst durch das Bistum Essen. Die Theaterpädagogen tourten im Auftrag des Bistums durchs Land und lehrten viele, viele Menschen Strategien im Umgang mit rechtsextremen Äußerungen. 

Ihr Anliegen, Argumente vorzubringen statt rechte Schmier-Parolen kommentarlos zu ertragen, zu Reden statt zu Schweigen, also sich aktiv und bewusst einzumischen im Alltag, wurde sogar mit dem Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ausgezeichnet. 

Vor allem Kneipenabende waren es, in denen Jürgen Albrecht und Partnerin Karin Kettling dem Volk im wahrsten Wortsinne „aufs Maul“ schauten. „Wir lernen ständig hinzu und wir hoffen, Teilnehmer unserer SachWat-Theaterproduktion lernen auch dazu“, sagt Albrecht. 

Dass dieses Projekt nur wenige Wochen vor der Bundestagswahl am 24. September in Altena läuft, sei kein Zufall, merkt der Mitorganisator des Abends, Stefan Kemper, zum Beispiel in Richtung Flüchtlingsthematik an. Er selbst erwartet, wie alle beteiligten Partner, einen Abend, an dem „Tacheles geredet wird.“ 

Der Eintritt ist frei 

Der Eintritt zu diesem besonderen Theaterabend, an dem das Publikum sich intensiv beteiligen kann und soll, ist natürlich frei. Übrigens: Niemand muss befürchten, in die Art Vortragsatmosphäre zu stoßen. Albrechts Erfahrung ist nach seinen vielen Auftritten eine ganz andere. 

Das Publikum benutze die Theaterszenen als Einstieg und dann werde geredet, gesprochen und diskutiert. Stefan Kemper ist sicher, dass das Thema mehr denn je brennt. Denn auch ihm sind Dinge zugetragen worden, die ihn traurig gemacht haben. Etwa, wenn besonders ehrenamtliche Kräfte mit Stammtisch-Parolen auch in Altena beleidigt wurden. 

Theatermann Jürgen Albrecht ist das Sauerland übrigens gut bekannt. Vorbehalte hat der in Soest zur Schule gegangene Schauspieler gegen die vermeintlich sturen Sauerländer nicht. Für ihn vielleicht auch wieder so ein Vorurteil oder eine nicht akzeptable Parole. Mit anderen Worten: Willkommen und Zeit für Sachwat!

SachWat!, Donnerstag, 31. August, 19 Uhr, Pfarrsaal St. Matthäus – Theatraler Crashkurs in geistiger Notwehr gegen Ausländerfeindlichkeit

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