Die ungeliebte Tonne

Beim Bauhof in Altena wird kaum Bioabfall abgegeben

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Natürlich ein gestelltes Foto: AK-Praktikantin Manon Sommer musste länger suchen, bis sie in einem versteckten Winkel des Bauhofs die „braune“ Tonne fand.

Altena - „Einmal war einer hier mit einer Tüte Äpfeln“, erinnert sich Volker Richter. Ansonsten gibt es aber so gut wie keine Resonanz auf die braune Biotonne, die seit 2015 am Bauhof steht. „Sie ist auch länger nicht geleert worden“, berichtet dessen Leiter.

Das ist auch nicht nötig: In der Tonne befindet sich in erster Linie Wasser. Sie ist wohl nicht regendicht. Eine Kunststoffverpackung dümpelt in der Brühe und eine Blechdose sowie weitere Dinge, die dort gar nicht hingehören. Im Grunde herrscht gähnende Leere.

Tonne steht reichlich versteckt

Großartige Werbung hat niemals jemand gemacht für diese zusätzliche Entsorgungsmöglichkeit. Die Tonne steht auch reichlich versteckt in einem Bereich des Bauhofes, den Unbefugte nicht betreten dürfen und der nach Betriebsschluss und nach Feierabend abgeschlossen ist.

„Wir wollen eigentlich kontrollieren, wer da was einwirft“, sagt Richter – Biomüllentsorgung also nur nach vorheriger Anmeldung. Fast könnte man meinen, die Biotonne sei ein ungeliebtes Kind.

Der Zweckverband für Abfallbeseitigung (ZFA) jedenfalls wollte mit ihr nichts zu tun haben, als sie 2015 in NRW verpflichtend wurde. Immerhin sammele man im Schnitt schon 110 Kilo Grünmüll pro Jahr und Einwohner ein, argumentiert Carsten Meininghaus, der Geschäftsführer des ZfA. Damit sei der Erfassungsgrad im ZfA-Gebiet deutlich höher als in vielen Bereichen, in denen es nur die Biotonne gibt.

Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Grün- und Biomüll. Sie definieren sich daraus, was anschließend damit passiert: In den Grünmüll darf nur, was auch kompostierbar ist. Genau das passiert nämlich mit dem Inhalt der übers Stadtgebiet verteilten Container.

Inhalt für Kompostierung nicht geeignet

In die Biotonne sollen auch Fleischreste, Speisereste und derlei mehr kommen. Damit ist der Inhalt für die Kompostierung nicht geeignet, er wandert in eine Biogasanlage.

Nachdem der Zweckverband für Abfallbeseitigung nicht mitzog, ging der schwarze Peter an den Kreis und dessen Tochter AMK: 2014 beschloss der Kreistag die Einführung des heutigen Systems.

Neben viel Wasser befinden sich eigentlich nur Dinge in der Tonne, die dort nichts zu suchen haben.

Seitdem stehen die Bio-Tonnen an den Bauhöfen von 13 Städte und Gemeinden – Lüdenscheid und Neuenrade gehören nicht dem ZFA an und bieten ihren Bürgern die braune Tonne an.

Die Frage, wie viel Bioabfall in den Tonnen auf den Bauhöfen eingesammelt wird, ließ sich (auch urlaubsbedingt) gestern im Kreishaus nicht genau klären. „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine Tonnage im unteren dreistelligen Bereich handelt“, sagte Hendrik Klein, der Pressesprecher des Märkischen Kreises. Rechnet man das auf Einwohner um. dann landet man im Gramm-Bereich.

Konkrete Zahlen gibt es nur aus Lüdenscheid und Neuenrade. Neun bis zehn Kilo Bioabfall pro Einwohner und Jahr kommen dort zusammen, das sind insgesamt rund 4000 Tonnen. Andreas Fritz, technischer Leiter beim Lüdenscheider Abfallentsorger STL, spricht von etwa 3500 Tonnen, die über die Biotonne eingesammelt werden. Hinzu kommen nach seinen Angaben 2000 Tonnen Grünschnitt, die am Wertstoffhof abgeben werden. Damit sammelt die Kreisstadt 75 Kilo Grün- und Biomüll pro Bürger ein.

Werte deutlich unter "Landeszielwert"

Für die dem ZFA angeschlossenen Kommunen macht der Kreis keine Angaben zum Biomüll, sondern gibt nur das Gesamtaufkommen von Grün- und Biomüll an. Das sind in Altena 1160 Tonnen und damit 66 Kilo pro Bürger. Beide Werte liegen deutlich unter dem „Landeszielwert“ von 150 Kilo, die der Gesetzgeber vorgegeben hat. Er soll bis zum Jahr 2021 erreicht werden.

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