Altena ist Musterknabe 

Bund der Steuerzahler lobt starken Rückgang der Abwassergebühr  

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Kanalsanierung im Inlinerverfahren spart Zeit und Kosten, muss aber beizeiten erfolgen. Ein so reparierter Kanal kann lange halten, sind sich Sahin Arabo, Jörg Michutta und Jens Riecken (von links) sicher.

Altena - Dem Bund der Steuerzahler ist Altena im vergangene Woche veröffentlichten Abwassergebührenvergleich eine lobende Erwähnung wert: Um 15 Prozent sanken Anfang des Jahres die Kosten für die Kanalbenutzung – mehr schafft keine Kommune in NRW.

Es gibt allerdings einen Wermutstropfen: Mit 847,50 Euro zahlt der vom Steuerzahlerbund definierte Durchschnittshaushalt mit 200 Kubikmetern Frischwasserbezug und 130 Quadratmeter versiegelter Fläche immer noch vergleichsweise viel. 

Teuerste Kommune: Neunkirchen-Seelscheid

Zum Vergleich: Im Kreis ist es in Iserlohn am billigsten (585,70 Euro), NRW-weit schneidet Reken mit 246,50 Euro am günstigsten ab. Teuerste Kommune im Land ist Neunkirchen-Seelscheid mit 1.289,74 Euro. Im Kreis zahlen Halvers Bürger am meisten (1176,30 Euro). 

Auch die Altenaer mussten einst über 1000 Euro zahlen. Das war 2013, ist also noch gar nicht so lange her und hatte mit den Stadtfinanzen zu tun: Über eine Eigenkapitalverzinsung müsse das Abwasserwerk seinen Beitrag zur Konsolidierung beitragen, beschloss damals zähneknirschend die Politiker. 

2013 waren das drei Prozent auf die zehn Millionen Euro städtischen Geldes, seit 2016 werden sogar sechs Prozent verlangt. Damit muss Marc Bunse, der auch Leiter des Abwasserwerkes ist, jedes Jahr 600000 Euro an die Stadt überweisen. 

Und trotzdem sank die Gebühr in den vergangenen Jahren rapide. Grund dafür ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes. Das stellte im Jahr 2013 klar, dass auch Straßen NRW Abwassergebühr bezahlen muss – schließlich landet auch das Wasser, das auf Landes- und Bundesstraßen fällt, in den Kläranlagen. 

Bunse reagierte damals flott: Er schickte nicht nur für das laufende Jahr einen Gebührenbescheid über rund 200000 Euro, sondern forderte auch eine erhebliche Nachzahlung für die Vorjahre. Dieses Geld sei in eine Rücklage geflossen, die jetzt dazu verwendet werde, die Gebühr trotz der Eigenkapitalverzinsung auf ein für die Bürger einigermaßen erträgliches Niveau zu bringen, erklärte Bunse. 

Ziel ist Abwassergebühren stabil zu halten

Sein erklärtes Ziel ist es, die Abwassergebühren in den kommenden beiden Jahren stabil zu halten. Und dann kommt ein massiver Anstieg? Eher nicht, hofft Bunse und weist auf ein Bündel von Maßnahmen hin, mit dem er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 versucht, die Kosten für das städtische Abwassernetz im Rahmen zu halten. 

„Dabei kommt uns zugute, dass unser Netz in einem guten Zustand ist“, betont er. Aufwändige Erneuerungen sind damit eher selten, Reparaturen lassen sich meistens im preiswerten Inlinerverfahren erledigen. 

Das setzt allerdings auch voraus, dass das Netz laufend kontrolliert wird und notwendige Reparaturen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Nicht nur die Rohre, sondern auch die Finanzen sind solide: Notwendige Investitionen seien ohne Kredite möglich, schildert der Betriebsleiter. 

Die Schulden sind also rückläufig. Das und die Niedrigzinsphase wirkt sich positiv auf die Zinsbelastung des Unternehmens aus. „Wir bemühen uns außerdem, die Bewirtschaftungskosten im Griff zu haben“, betont Bunse. 

Fremdwasser treibt Kosten in die Höhe

Einen ganz dicken Brocken bilden da die Klärkosten, also das Geld, das an den Ruhrverband als Betreiber der Kläranlagen geht. Sie hängen auch davon ab, wie viel Abwasser eine Kommune beim Ruhrverband „anliefert“. Wenn so genantes Fremdwasser im Kanal landet, dann treibt das die Kosten in die Höhe. 

Deshalb hat das Abwasserwerk in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hand genommen, um Bäche oder Drainagen, die in grauer Vorzeit in das Kanalnetz eingeleitet wurden, wieder abzukoppeln. „Wir haben auch private Grundstückseigentümer dazu ermuntert und sie entsprechend beraten“, sagt Bunse. 

Dass das Abwasserwerk auf einem guten Weg ist, ist übrigens auch höheren Orts bekannt: Die Bezirksregierung bescheinige dem Unternehmen regelmäßig gute Arbeit, berichtet Bunse.

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