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Altena wappnet sich für die nächste Flut

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Von: Michael Koll

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Praktisches Hochwasserschutz-Training: Die Teilnehmer des Hochwasserschutz-Abends von Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz lernten unter anderen, wie man Sandsäcke einfach und schnell befüllt.
Praktisches Hochwasserschutz-Training: Die Teilnehmer des Hochwasserschutz-Abends von Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz lernten unter anderen, wie man Sandsäcke einfach und schnell befüllt. © Koll, Michael

„Sprechen Sie sich mit Ihren Nachbarn ab“, rät Benjamin Frohne vom Technischen Hilfswerk Altena (THW). Ziemlich genau ein Jahr nach der Flut hatte der heimische THW-Ortsverband jetzt zu einem Hochwasserschutz-Abend in seine Unterkunft an den Brachtenbecker Weg eingeladen.

Am 14. Juli 2021 verwandelten sich die Flüsse und Bäche in der Burgstadt in reißende Ströme, die Wassermassen richten verheerende Schäden in weiten Teilen des Stadtgebiets an. Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern. Parallel wappnen sich die Stadt, ihre Institutionen und Bürger, um bei künftigen Hochwasserereignissen besser vorbereitet zu sein.

Den Tipp mit der Nachbarschafts-Absprache beim Befüllen und richtigen Drapieren der Sandsäcke gab Benjamin Frohne den Teilnehmern dieses besonderen Infoabends gleich relativ zu Beginn.

Teamarbeit ist gefragt

Denn auch und besonders in Katastrophensituationen gelte: „Im Team arbeitet es sich wesentlich einfacher und effektiver.“ Damit die Teilnehmer des Hochwasserschutz-Abends, den das THW in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Märkischer Kreis des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) durchführte, am eigenen Leibe erfuhren, warum Frohne diesen Ratschlag parat hatte, durften sie im Anschluss alle selbst Sandsäcke befüllen und aufeinander stapeln.

Dazu wurde kurzerhand ein Füllvorrichtung aufgebaut. Einer Verkehrspylone wurde zunächst die Spitze abgeschnitten. Anschließend wurde die Pylone zwischen zwei Sprossen einer Leiter geklemmt, deren Enden auf zwei Bierzelt-Tischen lagen – fertig war die Füllvorrichtung der Marke Eigenbau. Frohne sagte: „Die Pylone, die Leiter und auch die Schüppen, die wir gleich benutzen, haben wir immer in unserem Fahrzeug.“ Auch jeder Bürger dürfte diese Utensilien zuhause haben. „Wenn vor Ort keine Tische vorhanden sind, geht es beispielsweise auch auf zwei Mülleimern. Als wir bei der Flut vor einigen Jahren im Raum Magdeburg in Einsatz waren, haben wir einfach aufeinandergestapelte Getränkekisten als Auflageflächen für die Leiter verwendet“, erzählte Benjamin Frohne.

Teilnehmer aus dem gesamten Kreisgebiet

Bevor es an die Praxis bei diesem rund einstündigen Infoabend ging, hatte die DRK-Hochwasserhilfe-Beauftragte Susanne Ströbli aus Werdohl die Teilnehmer begrüßt. Diese kamen im Übrigen nicht nur aus der Burgstadt, sondern dem gesamten Märkischen Kreis.

Benjamin Frohne vom THW Altena zeigt die an der Spitze abgeschnittene Pylone, die zum Befüllen der Sandsäcke benötigt wird.
Benjamin Frohne vom THW Altena zeigt die an der Spitze abgeschnittene Pylone, die zum Befüllen der Sandsäcke benötigt wird. © Koll, Michael

Frohne, der seit 2002 beim Technischen Hilfswerk arbeitet und dort zunächst der Fachgruppe Wassergefahren angehörte, also seit jeher mit der Thematik „Hochwasser“ vertraut ist, erklärte zunächst die zwei verschiedenen Arten Sandsäcke. „Die aus Jute sind nur unbefüllt lagerbar. Aber sie sind nicht rutschig, wie die aus Kunststoff, und somit besser zu stapeln“, erläuterte er. Dafür seien Jutesäcke aber auch etwa vier Mal so teuer.

Füllmaterial gibt es im Baustoffhandel

Zu bekommen seien Sandsäcke in vielen Städten und Gemeinden des Kreises direkt bei der Feuerwehr vor Ort. Den Sand als Füllmaterial gebe es im Baustoffhandel. „Wenn doch etwas Wasser in Ihren Keller gelangt ist, bekommen Sie bei uns – dem THW Altena – im Bedarfsfall eine Tauchpumpe, um das Wasser wieder aus dem Haus heraus zu bekommen“, sagte Frohne

Erlaubt sei ein solches Abpumpen indes freilich nur, wenn im Keller keine Ölpumpe für die Heizung installiert ist. „Wenn im Wasser Öl sein könnte, wollen wir das Öl ja nicht nach draußen pumpen und so die Umwelt verschmutzen.“ In diesem Fall müsse eine spezielle Entsorgungsfirma beauftragt werden.

Säcke immer im Halbkreis anordnen

Aber zurück zu den Sandsäcken: Diese zu stapeln ist – bei einem Einzelgewicht von zwölf bis 20 Kilogramm – auf Dauer keine leichte Beschäftigung. Deshalb eben lohne sich Teamarbeit. Das merkten auch die Anwesenden schnell, nachdem die ersten Säcke befüllt und gestapelt waren. Darüber hinaus sei – etwa bei der Sicherung von Haustüren – darauf zu achten, dass sie im Halbkreis aufgeschichtet würden, hatte der Experte als weiteren Tipp parat. „Das dient der Stabilität. Der Damm kann dann vom Wasser nicht so leicht weggedrückt werden“, erklärte Frohne. Die Säcke müssten dabei versetzt aufeinandergelegt werden, „so wie die Steine beim Mauerbau“.

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