Altena in ungewöhnlichen Perspektiven festhalten

„Roll On Down The Highway“ nennt Schöneberg dieses Bild. Er verwendet Farben, um Details in den Vordergrund zu stellen.

Altena -  49 Jahre Fotoerfahrung – und das gerade einmal mit 55 Jahren. Die Leidenschaft für das Fotografieren ist Achim Schöneberg immer noch anzumerken. Als Dötz von sechs Jahren kaufte er sich seine erste Kamera, natürlich analog. Mit dem Wandel der Technik änderte sich auch seine Arbeitsweise.

Von Sebastian Berndt

Heute nimmt die moderne Bildbearbeitung einen besonderen Stellenwert ein. Nun sucht er eine neue Herausforderung und fotografiert für das Altenaer Kreisblatt.

„Ich musste lange mein Taschengeld sparen, um die 36 Mark zusammenzubekommen“, erinnert sich Schöneberg. Mit den Münzen in der Tasche lief er als kleiner Junge in die Drogerie Pinkert. „Dort kaufte ich mir meine lang ersehnte erste Kamera. Eine Kodak Instamatic.“ Damit unternahm er erste Fotoexperimente, bevor er in der Grundschule schreiben und lesen lernte.

Zunächst ließ er sich in seinen Motiven von seinem Vater leiten, von dem er auch seine Begeisterung für die Fotografie lernte. „Anfangs hab ich alles fotografiert, was mir als schönes Motiv gezeigt wurde, etwa einen Baum mit schiefen Horizont.“ Dann aber stellte er noch im Kindesalter immer höhere Anforderungen an seine Fotos.

Gebremst wurde er dabei nur von der Technik, respektive durch den Preis. „Eine Mark und zehn Pfennig musste ich damals für die Entwicklung eines einzigen Fotos bezahlen“, erinnert sich Schöneberg. „Viel Geld blieb da nicht für Süßigkeiten“, ergänzt er und schmunzelt. Aber man müsse Prioritäten setzen. Glücklicherweise schoss ihm sein Vater immer wieder etwas bei, wenn er zum Altenaer Fotogeschäft Löffler lief, um einen vollen Film abzugeben.

Um die Kosten des gemeinsamen Hobbys zu reduzieren, bauten sich Vater und Sohn eine eigene Dunkelkammer. „Wir mussten anfangs aber ganz schön experimentieren, bis die Fotos etwas wurden“, erinnert er sich. Die Kosten für Papier und Entwicklungsflüssigkeit seien aber trotzdem geringer gewesen, als die Entwicklung im Fachgeschäft.

„Es war ein schönes, gemeinsames Hobby“, sagt der Altenaer heute über die Zusammenarbeit mit seinem Vater. „Wir haben uns gegenseitig angesteckt. Ich denke, er fand das einfach toll mit seinem Sohn etwas zusammen zu machen. Besonders in den schwierigen Jahren als Jugendlicher und junger Erwachsener.“

Achim Schöneberg machte sein Hobby aber nicht zum Beruf. Heute arbeitet er als Mess- und Regelmechaniker für Mark-E im Kraftwerk Elverlingsen. Seiner Leidenschaft für das Fotografieren ist er aber auch im Berufsleben treu geblieben. Als junger Erwachsener machte er Spielfotos beim VFB und beim TTC Altena. Allerdings nur privat. Besondere Herausforderung dabei: Bewegungen im Bild festzuhalten. Eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Zeitung hatte er damals noch nicht im Sinn. „Diese Zeit ist aber schon so lange her, da spielte der VFB noch in der Oberliga und der TTC wurde Deutscher Meister.“ Für die Fotos nutzte er seine erste Spiegelreflexkamera, die er sich von seinem Konfirmationsgeld gekauft hatte.

Mit der Gründung der eigenen Familie, sei sein Hobby aber etwas eingeschlafen, gibt Schöneberg zu. Nachdem seine Kinder zunehmend eigenständiger wurden, seine Tochter und sein Sohn sind mittlerweile erwachsen, war auch seine Begeisterung für das Fotografieren wieder da – natürlich mit digitaler Technik.

„Es ist ein günstiger Spaß geworden“, vergleicht er die heutige Bildentwicklung mit der früheren. Den analogen Zeiten trauert er nicht nach, im Gegenteil: „Früher holte man sich in der Dunkelkammer schrumpelige Finger und es stank entsetzlich – heute sitze ich mit einer Tasse Kaffee gemütlich vor dem Bildschirm und bearbeite meine Fotos“, fasst er zusammen.

Derzeit habe er eine Vorliebe für spontane Motive des Alltages entwickelt. „Manche sagen auch, ich würde mich anschleichen“, erzählt er. Im Mittelpunkt stehen dann Personen, denen er mehr oder weniger zufällig begegnet. Aber auch der Verfall interessiert ihn, das Vergängliche. Häufig dokumentiert er mit seiner Kamera langsam zerfallende Industrieruinen. In Altena finde er davon genug. Der 55-Jährige hat aber auch keine Abneigungen gegen andere Motive. „Ein gut gelungenes Foto ist für mich, wenn es mir selbst gefällt, unabhängig davon, was andere sagen“, so Schöneberg. „Jeder hat doch seine eigenen Ansprüche.“

Neben seinen „Außeneinsätzen“ mit der Kamera verwendet Schöneberg einen Großteil seiner Arbeit auf die digitale Bildbearbeitung. Hier ist er in seinem Element. Und die zusätzlich investierte Arbeit sieht der geübte Betrachter später seinen Bildern an. Dabei experimentiert er zur zeit mit HDR-Bildern. HDR steht dabei für High Dynamic Range, für Bilder mit hohem Dynamikumfang. „Verständlicher gesagt: es sind drei Fotos von einem Motiv, mit unterschiedlicher Belichtung, die dann digital übereinander gelegt werden“, erklärt der Fotograf. Dabei entstehe ein Gesamtfoto mit besondere Tiefenwirkung. „Wenn es gelingt, wirkt es für den Betrachter fast so, als würde er in das Foto hineingezogen.“

Einen besonderen, eben irgendwie eigenen Stil erkenne er in seinen Bildern nicht. Dennoch höre er immer wieder von Bekannten, dass sie bestimmte Fotos sofort als seine identifizieren könnten.

Für Schöneberg ist die Herausforderung des Fotografierens die Hauptmotivation. „Filmen kann jeder. Aber eine Szene in einem Moment, in einem einzigen Foto festzuhalten, das ist es, was den Reiz ausmacht.“

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