Kontroverse Diskussion mit Automobilfreunden

Tempolimit: Verschiedene Haltungen beim MSC Altena

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Widerstreit der Argumente: Auch beim MSC Altena ist man sich in Sachen Tempolimit uneins. Zwei Lager entstanden bei einer Diskussion am Donnerstag um den Vorsitzenden Bernd Kern (links) und Michel Eccher (rechts).

Altena – Ganz Deutschland diskutiert über ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen. So auch der Motorsport-Club (MSC) in Altena. Ganz einig ist man sich in Sachen Geschwindigkeitsbegrenzung aber auch dort nicht.

Rasen die Mitglieder des MSC ungeduldig über die Autobahn oder „gurken“ sie eher gemütlich daher? Beim Besuch in ihrem Clubhaus zeigten sie sich am Donnerstag gespalten: Zwei der 14 Clubmitglieder sprachen sich für ein allgemeines Tempolimit aus, der Rest lehnte es kategorisch ab. Wichtig ist für sie ein verantwortungsvolles Fahrverhalten. 

Die Einleitung in die Diskussion übernahm MSC-Vorsitzender Bernd Kern, der selbst leidenschaftlich gerne Auto fährt – oft auch etwas schneller. „Es gibt drei Bereiche, um die sich die Diskussion dreht. Den Sicherheitsaspekt, die Umwelt und mögliche wirtschaftliche Folgen. In Sachen Sicherheit wäre ein Tempolimit aus meiner Sicht unnötig, weil auf deutschen Autobahnen etwa im Vergleich zu Ländern wie Spanien, die bereits eine Begrenzung haben, weniger Unfälle passieren“, erklärte Kern. 

In dem Club, in dem man durchaus den ein oder anderen Adrenalin-Junkie erwartet, gibt es aber auch Mitglieder, die sich im Straßenverkehr gerne mal die Ruhe antun: „Ich fahre auf der Autobahn ohnehin nicht schneller als 130 Kilometer pro Stunde, vor allem um Sprit zu sparen. Wer mehr auf dem Tacho hat, der gefährdet unter Umständen andere Autofahrer“, ist sich Michel Eccher sicher. 

„Wir sind die einzige Industrienation, die so etwas erlaubt“, ist er unzufrieden. Anders beurteilt das wiederum Jan Straker. Der sieht die Gefahr weniger in der Geschwindigkeit, sondern vielmehr bei den Autofahrern selbst: „Wenn ich mit 160 km/h über die linke Spur komme und jemand wenige Meter vor mir mit Tempo 100 zum Überholen eines Lkw ausschert, dann ist definitiv er für die Gefahr verantwortlich, nicht ich. Viele Fahrer beobachten den Verkehr einfach zu wenig“, sagte er.

„Ein Tempolimit wäre eine Einschränkung in die Freiheit von vielen. Abgesehen davon ist auf der Autobahn durch Baustellen oder ähnliches bereits gefühlt 80 Prozent der gesamten Strecke beschränkt.“ 

Etwas mehr Einigkeit gab es unter den Motorfreunden aus der Burgstadt hingegen – zumindest im Ansatz – beim Thema Umwelt: Durch Geschwindigkeitsbegrenzungen könne man die Umwelt entlasten, hieß es von allen Seiten. 

Die zwei Lager um Kern und Straker auf der einen, und Eccher auf der anderen Seite, kamen aber zu verschiedenen Schlussfolgerungen: „Ohne Zweifel würden dadurch Emissionen eingespart werden. Wenn aber ein Kreuzfahrtschiff im Hafen den Motor anlässt, stößt das allein schon enorm viele Schadstoffe aus – dafür könnte ich mein Leben lang die Autobahn auf und ab fahren“, betonte Kern. 

Im Laufe der Diskussion wurde vor allem auch die Komplexität des Themas deutlich. Viel gibt es dabei zu differenzieren: Wen betrifft das Thema überhaupt? Fährt man viel oder wenig auf der Autobahn? Ist man jung oder alt? Hat man Spaß am (schnell)-Fahren oder eher nicht? 

Sicher ist sich Kern vor allem bei den negativen wirtschaftlichen Konsequenzen eines potenziellen Tempolimits: „Keiner kauft sich dann mehr einen Wagen mit ordentlich PS. In Deutschland hängt jeder siebte Arbeitsplatz von der Automobilbranche ab. Auch in Altena. Wir schneiden uns damit nur ins eigene Fleisch.“

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