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Schwimmbad doppelt getroffen: Hochwasser und Corona schlägt bei Eigenbetrieben der Stadt ins Kontor

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Von: Thomas Bender

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Das ist der Kern des das Problems: Der kleine Bach im Bereich der Liegewiese im Altenaer Freibad schwoll so stark an, dass das Rohr nicht ausreichte und das Wasser erst ins Außenbecken und dann auch ins Hallenbad schoss.
Hier nahm die Katastrophe ihren Anfang: Die Verrohrung im Bereich der Liegewiesen konnte die Wassermassen nicht fassen. Sie ergossen sich erst ins Freibad und dann in den Keller des Hallenbades.  © Thomas Bender

Nicht nur Corona macht es schwer: Auch die Flut hat einiges dazu beigetragen, dass der Betriebsausschuss in Altena skeptisch auf den nächsten Wirtschaftsplan blickt.

Altena – Rückblick und Ausblick: Darum geht es, wenn der Betriebsausschuss kurz vor Weihnachten tagt. Er ist für den Baubetriebshof, den Bäderbetrieb und das Abwasserwerk zuständig und beschäftigt sich Ende November/Anfang Dezember einerseits mit der Jahresrechnung des Vorjahres (diesmal also 2020) und andererseits mit dem Wirtschaftsplan für das kommende Jahr (also 2022). Dabei geht es um viele Zahlen und vor allem beim Abwasserwerk auch um Gebühren.

Gute Nachricht für die Bürger: Sie bleiben stabil – und das, obwohl alle drei Betriebe mehr oder weniger stark von der Flut und von Corona betroffen waren. Die Situation im Einzelnen:

Baubetriebshof

Der Baubetriebshof erzielte 2020 Einnahmen in Höhe von knapp drei Millionen Euro. Nach Abzug von Löhnen und Sozialabgaben (gut 1,4 Millionen Euro), dem Materialaufwand (855.000 Euro) und anderen, kleineren Positionen blieb am Ende ein minimaler Gewinn von knapp 40.000 Euro übrig.

Im Lagebericht, in dem die Geschäftsführung auch einen Blick in die Zukunft wagt, schreibt Bauhof-Chef Robert Groppe, dass angesichts steigender Löhne und Materialkosten eine Erhöhung des Stundenverrechnungssatzes über kurz oder lang nötig werde. Diesen zahlen die Kommunen Altena und die Nachrodt-Wiblingwerde für die Leistungen, die der Bauhof für sie erbringt. Er liegt bei 46,50 Euro für eine Arbeitsstunde, der Einsatz von Material wird zusätzlich berechnet. Die Sätze wurden 2019 zum letzten Mal erhöht.

Neuer Mitarbeiter für Gewässerunterhalt

Im Wirtschaftsplan, also im Ausblick auf 2021, spielt das Thema Flut an mehreren Stellen eine Rolle. Das fängt schon beim Stellenplan an: Für die Gewässerunterhaltung wurde ein zusätzlicher Mitarbeiter eingestellt, sodass jetzt 27 Männer und Frauen beim Baubetriebshof beschäftigt sind. Ein weiterer Mitarbeiter für diesen Aufgabenbereich soll folgen.

Im Vorbericht stimmt Groppe die Politik darauf ein, dass das Jahresergebnis für 2021 massiv durch die Flut beeinflusst werden wird. Die Mitarbeiter seien wochenlang ohne Ruhetage im Einsatz gewesen und hätten dementsprechend viele Überstunden gemacht. Außerdem seien zahlreiche Aufträge an Fremdfirmen vergeben worden. Sowohl am Bauhof selbst als auch an Maschinen und Geräten seien Schäden bis hin zum Totalverlust aufgetreten. Groppe: „Es ist mit einem entsprechenden Jahresfehlbetrag zu rechnen.“

Für 2022 hofft der Betriebsleiter bei einem Umsatz von 2,98 Millionen Euro wieder auf einen – wenn auch minimalen – Gewinn.

Abwasserwerk

Aus der Jahresrechnung für 2020 geht hervor, dass es dem Abwasserwerk auch in diesem Jahr gelungen ist, 600.000 Euro an die Stadtkasse abzuführen. Zu dieser so genannten Eigenkapitalverzinsung ist es durch das Konzept zur Haushaltssanierung verdonnert. Auch wegen einer Entnahme aus der Rücklage war das ohne Gebührenerhöhungen möglich. Werkleiter Hendrik Voß will die Gebühren für die Bürger auch 2022 stabil halten. Auf Dauer komme man aber um eine Erhöhung nicht herum, warnte er im Ausschuss.

In normalen Jahren rechnet die Werksleitung mit einem Materialaufwand in Höhe von rund 500.000 Euro. 2022 soll dreimal so viel ausgegeben werden. Der Grund: Beim Spülen des Kanalnetzes nach dem Hochwasser kamen nicht nur Geröll, Teerbrocken und Steine zum Vorschein, sondern auch Ton- und Betonscherben, also Bestandteile des Kanalnetzes.

Kanalnetz-Prüfung kostet über eine Million

Das lasse den Schluss zu, dass es durch die Hochwasserkatastrophe massiv beschädigt worden sei, erklärte Voß den Mitgliedern des Betriebsausschusses. Im kommenden Jahr soll deshalb das komplette, rund 140 Kilometer lange Kanalnetz mit Kameras „befahren“ werden – eine Aktion, die nach Schätzungen der Betriebsleitung über eine Million Euro kosten wird. Voß ist aber guter Dinge, dass es sich um einen durchlaufenden Posten handeln und es eine gleichhohe Entschädigung aus dem Aufbaufonds des Bundes geben wird.

Dahler Bad

Dem Bäderbetrieb hat Corona das Geschäftsjahr 2020 verhagelt, zumindest was die Eintrittsgelder angeht. Üblich sind 50.000 Euro und mehr. 2020 war das Bad lange geschlossen, am Ende des Jahres waren für gerade mal 28.296 Euro Eintrittskarten verkauft worden. Allerdings verringerte sich gleichzeitig auch der Materialaufwand – unter anderem deshalb, weil weniger Geld für Gas und Wasser ausgegeben werden musste.

Das alles sind allerdings Nebensächlichkeiten. Geld verdient der Bäderbetrieb nicht mit dem Bad, sondern durch Beteiligungen. Ihm gehören nämlich 75 Prozent der Stadtwerke. Und weil die auch wegen der Enervie-Anteile in ihrem Besitz ordentlich Gewinn machen, flossen 2020 über 826.000 Euro in den Bäderbetrieb, der dadurch sogar einen Überschuss von 135.000 Euro erzielte, mit dem er Verluste aus Vorjahren reduziert.

Außenbecken übersteht Flut ohne Schäden

2021 wird ein mageres Jahr für den Bäderbetrieb. Die Coronapause dauerte bis Juni, dann kam die große Flut, die im Bad Schäden anrichtete, die zwar groß sind, aber nicht ganz so groß wie zunächst befürchtet, wie Voß berichtete. Entgegen erster Befürchtungen blieb nämlich das Außenbecken unbeschädigt, „nur“ die Schwimmbadtechnik im Keller des Hallenbades fiel dem Hochwasser zum Opfer.

Die Kosten für ihre Erneuerung werden auf rund 500.000 Euro geschätzt. Wie lange das Bad geschlossen bleibt, ist im Moment noch völlig unklar. Wie in vielen anderen Bereichen auch machen Lieferengpässe die Dinge kompliziert. Voß berichtete, dass selbst ein einfacher Schaltschrank eine Lieferzeit von drei Monaten habe.

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