Private Waldbesitzer kämpfen ums Überleben

+
Revierförster Christoph Schäfer

Altena – „Das dicke Ende ist noch gar nicht absehbar“: Düstere Prognosen gibt es unter den heimischen Waldbesitzern in Bezug aufs Baumsterben. Eine Chance liegt im Ausland. Oder vielmehr steht.

Ulrich Dohle, Vorsitzender des Bundes deutscher Forstleute, sagt: „Die wirklichen Folgen des Dürrejahrs 2018 zeigen sich erst später. Klar ist schon jetzt, dass sich die Borkenkäfer-Katastrophe weiter fortsetzt und noch zuspitzt.“ 

Wie also könnte die Zukunft des Waldes aussehen? Dohle erinnert zunächst an die Schadensbilanz des Jahres 2018, um die Dimensionen zu verdeutlichen: Es gab über 32 Millionen Kubikmeter Schadholz. 

Zum Vergleich: Beim Sturm Kyrill waren es 37 Millionen Kubikmeter. Es gab außerdem Millionen vertrocknete Jungpflanzen. Der Gesamtschaden im Wald wurde auf drei bis fünf Milliarden Euro geschätzt. 

Die Prognose für 2019 ist zwar unsicher, aber es werden ähnlich finstere Zahlen wie 2018 erwartet. Und es sind nicht nur die Nadelbäume, die unter Trockenstress stehen. Auch die Buche bekomme zusehends Probleme, berichtet Eckhard Ross, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Altena/Neuenrade. „Bei der Eiche ist es auch nicht viel besser.“ 

Bis vor etwa fünf Jahren sei die Buche noch immer zur Anpflanzung empfohlen worden. Das ist nun nicht mehr der Fall. Auch um ihre Zukunft steht es schlecht, nicht nur um die Fichte. „Die Fichte war unser Brot- und Butterbaum. 

Deshalb wurde der Laubwald vernachlässigt.“, sagt Karl-Heinz Tacke, Fachwart für Naturschutz im SGV und langjähriger Forstmann. „Eine ausgewachsene Buche braucht 400 bis 500 Liter Wasser täglich.“ Die bekommt eine Buche kaum bei diesem Wetter. Trotz seines Durstes sei der Baum ungeheuer wichtig für den Wald. „Eine 200 Jahre alte Buche hat etwa 4000 bis 5000 Blätter. Sie produziert damit so viel Sauerstoff, dass ein Mensch davon 13 Jahre leben kann.“ 

Die Buche gilt als „Mutter des Waldes“. Ließe man der Natur freien Lauf, wäre Deutschland weitgehend von Buchenwäldern bedeckt. Tatsächlich hat die Buche aber nur einen Anteil von 15 Prozent in Deutschlands Wäldern. Für den Waldboden ist das Buchenlaub ein wichtiger Nährstofflieferant. Vögel, Nagetiere und Wildschweine schätzen dagegen die Bucheckern. 

Die Fichte soll es bald nicht mehr geben, Buchen und Eichen schwächeln ebenfalls. Wie kann denn dann der heimische Wald der Zukunft aussehen? „Wir brauchen Ersatzbäume.“ Das steht für Tacke fest. Er nennt die Douglasie. „Sie ist trockenresistenter.“ Auch die Weißtanne sei eine Option. Allerdings werde es wohl ein Problem, angesichts der großen Schadensflächen überhaupt genügend Saatgut zu bekommen. Dem Reigen der Wiederaufforstungskandidaten fügt Förster Christof Schäfer noch die Lärche hinzu. 

Einen etwas anderen Ansatz bringt Ernst Ulrich Pühl von der Forstbetriebsgemeinschaft Nachrodt-Wiblingwerde ins Spiel. Es gehe natürlich grundsätzlich darum, Bäume auszuwählen, die mit wenig Wasser auskommen. 

Aber Pühl empfiehlt in diesem Zusammenhang einen Blick in andere Länder: „Wir sollten uns mal in Israel umgucken, in Marokko oder in Kalifornien. Da gibt es Bäume, die mit Trockenheit besser klarkommen. Im Grunde haben wir gar keine andere Wahl.“ Von „Wald und Holz NRW“ kommen gute Nachrichten: Es gibt finanzielle Unterstützung für Waldbauern.

6,2 Millionen Euro Fördermittel stünden nun den Waldbauern in NRW zur Bekämpfung der Folgen des Extremwetters zur Verfügung. Dieses Geld soll beim Aufbau neuer, klimastabilerer Wälder helfen. Die Zuschüsse sind für die Aufarbeitung von Schadholz, Transport von Käferholz und für die Errichtung von Trocken- und Nasslagerplätzen vorgesehen. Der Förderhöchstbetrag liegt je Waldbesitzer bei 15 000 Euro pro Jahr. Ab sofort können die Anträge beim zuständigen Regionalforstamt gestellt werden. Die Förderrichtlinie und das Antragsformular gibt es hier unter www.wald-und-holz.nrw.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare