Mitarbeiter vor Gericht

Post-Trio gönnt sich Luxustage vom Personalbudget

Ein Postbote hält einen Stapel Briefe in der Hand.
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Ein Mitarbeiter der Post steht vor Gericht - wegen mehreren Delikten.

Erst ließ er Pakete mitgehen, die er zustellen sollte, dann kassierte er Geld für Überstunden, die er nie geleistet hat. Nun steht ein früherer Post-Mitarbeiter aus Altena vor Gericht. Hinter den zu viel gezahlten Überstunden steckte ein besonderer Plan.

Altena/Nachrodt – Immer mal wieder verschwanden mit einer gewissen Regelmäßigkeit in den Jahren 2016 bis 2019 Päckchen mit hochwertigen Mobiltelefonen, die Zusteller der Deutschen Post eigentlich an Empfänger in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde hätten ausliefern sollen.

UnternehmenDeutsche Post AG
HauptsitzBonn
Mitarbeiter546.924 (Stand 31.12.2019)

Jedes Produkt hat eine eigene Kennnummer, über die es identifizierbar ist. Und so fanden Ermittler schließlich eines dieser verschwundenen Geräte auf einer Verkaufsplattform im Internet wieder. Als Anbieter wurde ein Postzusteller aus Altena ausfindig gemacht, bei dem die Polizei am 26. Mai 2020 mit Unterstützung von zwei Fahrzeugen des Technischen Hilfswerks das Haus durchsuchte – und fündig wurde.

Aus Paketen: Smartphones abgezweigt und verkauft

Die Beamten veranlassten unter anderem den Abtransport von 200 leeren Transportkisten des Paketdienstes. Außerdem wurden 3120 Briefmarken, viele Farbpatronen, zwei Computer und zwei Notebooks beschlagnahmt. Smartphones fanden die Ermittler hingegen nicht.

Aus der Strafanzeige der Post wurde ein Strafverfahren im Amtsgericht Altena. Dem 41-jährigen Angeklagten werden „veruntreuende Unterschlagung“ und gewerbsmäßiger Betrug in jeweils vier Fällen vorgeworfen: Zwischen Juli 2016 und Januar 2018 soll er vier hochpreisige Smartphones nicht zugestellt und stattdessen im Internet verkauft haben. Gut 1400 Euro soll er so eingenommen haben.

„Überstunden habe ich nie geleistet“ - Geld gab‘s trotzdem

Zum Auftakt des Prozesses zeigte sich der Angeklagte weitgehend geständig. Er erzählte, dass es schon seit 2013 Unregelmäßigkeiten im Bereich der hiesigen Postniederlassung gegeben habe. Damals hätten Vorgesetzte die Idee gehabt, monatlich 100 bis 200 Euro aus dem Personalbudget der Post, die nicht für Überstunden ausgegeben wurden, für ihre eigenen Zwecke abzuzweigen. Für die Verbuchung eignete sich das Konto des Angeklagten deshalb, weil er die niedrigste Steuerklasse hatte: „Ich habe Überstunden bezahlt gekriegt, die ich nie geleistet habe.“

Er habe dieses – immerhin versteuerte – Geld dann abgehoben und für gemeinsame Aktivitäten beiseite gelegt. Zu dritt hätten die Beteiligten sich mehrfach im Jahr einen schönen Tag gemacht. Der Angeklagte erinnerte sich an einen Ausflug nach Düsseldorf. Kostenpunkt: knapp 500 Euro. Dann seien Frauen und weitere Männer dazu gekommen, die auch mal schick essen gehen wollten. Die Finanzierung musste dafür allerdings auf eine breitere Basis gestellt werden, denn die Kosten seien dadurch auf 1000 bis 1500 Euro pro Ausflug gestiegen.

Teure Abende mit Essen und Co. finanziert

Einer der beteiligten Kollegen habe immer mal wieder Handys in seinem Moped versteckt, erinnerte sich der Angeklagte. Wer sie aus der Post genommen habe, wisse er nicht. Er habe diese Handys dann verkauft. Schließlich gab es Nachfragen unbeteiligter Kollegen: „Wie finanziert ihr diese Abende?“

Nach dem letzten gemeinsamen Essen 2019 habe er aussteigen wollen, versicherte der 41-Jährige. Daraufhin habe er Drohungen erhalten nach dem Motto: „Wir wissen, wo dein Auto steht.“ Mehrere Falschaussagen im Laufe der Ermittlungen täten ihm sehr leid. „Ich bereue mittlerweile alles.“ Ein Klinikaufenthalt half ihm wieder auf die Beine.

Weitere Ermittlungsverfahren

Richter Dirk Reckschmidt interessierte sich auch für die sichergestellten Briefmarken im Gesamtwert von rund 2074 Euro, deren Herkunft unklar ist. Mögliche Vorwürfe seien „komplett haltlos“, versicherte die Verteidigerin des Angeklagten. In der Anklageschrift sei „kein Tatgeschehen beschrieben“.

Ihr Mandant erklärte den Besitz der Postwertzeichen mit einem besonderen Service für Kunden in den Außenbezirken: Für diese habe er regelmäßig Briefmarken dabei gehabt und Post mitgenommen.
Der Staatsanwalt kündigte weitere Ermittlungsverfahren an, und das Schöffengericht setzte das Strafverfahren für die umfassende Aufklärung der Vorgänge aus.

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