Verteidiger spricht von klassischem Augenblicksversagen

Messer in den Bauch gerammt: Frau aus Altena kommt glimpflich davon

+

Altena – Das hätte noch tiefer in die Leber gehen können: Kurz bevor der Stich mit einem Küchenmesser lebensgefährlich wurde, zog eine 51-jährige Altenaerin die fast 15 Zentimeter lange Klinge wieder aus dem Bauch ihres Lebensgefährten. 

Anschließend rief sie in einem Akt tätiger Reue Polizei und Rettungskräfte an: „Ich habe eine Dummheit gemacht und meinem Mann ein Messer in den Bauch gerammt.“ Nach einer Notoperation in der Klinik war der 65-Jährige schon am nächsten Tag „wieder raus aus dem Krankenhaus“. Der Weg nach Altena war weit: „Ich bin drei Stunden gelaufen.“ 

Wie es an jenem 22. Juni zu dem Stich gekommen war, erklärte er dem Schöffengericht, vor dem sich seine Lebensgefährtin wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste. „Ich bin da reingelaufen“, schilderte er das Geschehen als angebliches Versehen, das kein Fall für ein Gericht gewesen wäre. 

Die Angeklagte ergänzte diese Version der Ereignisse: „Ich wollte Tomaten schneiden und habe mich umgedreht. Es war keine Absicht. Ich kann mich nur entschuldigen. Es war ein Unfall.“ 

Erhebliche Alkoholisierung 

Dass beide Beteiligte aufgrund einer erheblichen Alkoholisierung „nicht ganz klar im Kopf waren“, sollte zusätzlich zu der Begegnung von Bauch und Messer beigetragen haben: „Er hat einen schlechten Gleichgewichtssinn“, erklärte die Angeklagte. „Er ist nach vorne gefallen.“ Weder der Staatsanwalt, noch das Schöffengericht hielten diese Schilderung angesichts der aufzuwendenden Kraft für plausibel. 

Und schon bei der ersten Vernehmung durch die Polizei hatte die 51-Jährige Klartext und von der bereits zitierten „Dummheit“ gesprochen: „Ich bin wütend geworden, habe ein Messer genommen und es ihm in den Bauch gerammt.“ Nach mehreren intensiven Beratungen wiederholte die durchaus schuldbewusste Angeklagte ihr Geständnis dann letztendlich auch im Gerichtssaal. 

„Klassisches Augenblicksversagen“

Staatsanwalt Nils Warmbold sprach in seinem Plädoyer von einem „klassischen Augenblicksversagen“ und erinnerte noch einmal an die Gefährlichkeit der Attacke: „Ein Zentimeter weiter und die Leber wäre voll getroffen worden.“ Statt einer Notoperation hätte dem Opfer dann möglicherweise ein Leichensack gedroht. 

Verteidiger Marco di Venanzio bestätigte den Eindruck eines skurrilen Geständnisses, bekräftigte aber: „Es war ein Geständnis“. Nach dem Blick auf die blutige Wunde sei seine Mandantin „sofort von Reue durchflutet“ gewesen und habe alles veranlasst, was zur Rettung des 65-Jährigen nötig war. „Zehn Tage durfte sie nicht in die Wohnung. Seitdem ist nichts mehr passiert.“ 

Das Schöffengericht folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und verurteilte die nicht vorbestrafte Angeklagte zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare