Naturschützer Daub: Kormoran nicht schuld am Fischmangel

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Ungeliebter Gast am Fluss: der Kormoran.

Altena – Bei Anglern ist der Kormoran unbeliebt, gilt als Fischräuber. Naturschützer Dietrich Daub glaubt nicht, dass der Vogel am Fischmangel schuld ist. Der habe eine andere Ursache.

Zum Kormoran – dem bei Anglern ungeliebten Raubvogel – hat Dietrich Daub (77) eine klare Meinung: Für den pensionierten Pädagogen, der Chemie und Biologie am Burggymnasium unterrichtete, ist der Vogel nicht der böse Räuber, der Flüsse und Seen leer frisst. Weil sie aber immer wieder in die Diskussion geraten, hat Daub diesen Vögeln einen eigenen Bereich auf seiner neuen Webseite gewidmet, die sich mit der Flora und Fauna entlang der Lenne beschäftigt.

Die Anzahl der Kormorane an der Lenne im Bereich Werdohl/Altena/Nachrodt schwanke stark. Aber: „Ein Brutgebiet für diese Vögel existiert hier nicht“, sagt Daub. „Trotzdem sind Kormorane in Frühling, Sommer und Herbst bei uns zu beobachten – allerdings nur in kleiner Anzahl, höchstens fünf an einem Schlafplatz.“ 

Ihm sind drei Schlafplätze von Kormoranen bekannt. Im Winter aber gebe es an jedem auch mal 30 bis 40 Tiere. Bei Hochwasser dagegen nehme die Anzahl mitunter rapide ab. Daub: „Im Winter 2011/2012 konnte ich nirgendwo mehr als elf Vögel dieser Art beobachten“, berichtet Daub. Zum Vergleich: Mitte der 1990er Jahre waren es auch mal 200. „Diese Massenschwärme gab es später nicht mehr."

Dietrich Daub glaubt nicht an den Kormoran als einzig Schuldigen.

Daher sieht Daub die Vögel nicht als Fischräuber, die viele Gewässer komplett leer plündern. „Dies könnte man glauben, wenn man manche Fischer und Angler hört. Fragt sich nur, wie das vor zwei Jahrhunderten gelaufen ist, als es noch wesentlich mehr Fischer gab als heute.“

Dietrich Daub glaubt daher vielmehr, dass der zeitweilige Rückgang der Fisch-Populationen „etwas mit der Wasserqualität zu tun hat“. Zwar sei es sicher richtig, dass Kormoranen in reinen Fischteichen großen Schaden anrichten können. „Wenn dort – aber auch nur dort – Maßnahmen wie Vergrämen der Schwärme ergriffen werden, lässt sich meiner Ansicht nach nichts dagegen sagen.“ 

Anders sei jedoch die Situation an der Lenne, wo keine wirtschaftliche Fischerei betrieben wird „und die Petrifreunde Sportangelei tätigen, also zum reinen Vergnügen. Die Kormorane fischen nicht zum Vergnügen, sondern um zu überleben“, betont der Naturschützer. „Ein Vergrämen ist für mich an der Lenne nicht einsichtig. Hinzu kommt, dass dadurch auch Gänsesäger, Graureiher, Kanadagänse und Eisvögel vertrieben werden. Alles Vögel, die an den Lenneufern heimisch sind."

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