Krankenwagenbesatzung in Altena angegriffen

Einsatzkräfte attackiert: Respekt vor Rettern schwindet

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Gucken, Kamera draufhalten, im Internet posten - Retter haben immer häufiger mit Gaffern zu tun.

Altena - „Man hört ja immer wieder davon, dass die Gewaltbereitschaft gegenüber Rettungskräften zunimmt“, sagt Benjamin Stoßberg, Brandmeister bei der Feuerwehr. Am Sonntag kam es erstmals in Altena während des Mittelaltermarktes zu solch einer Tat.

Ein alkoholisierter Mann griff während des Fest-Spektakels die Besatzung eines Krankentransportwagens an. Der Notruf erreichte die Polizei um 14.15 Uhr. 

Ein alkoholisierter 52-jähriger Altenaer mit einer Kopfverletzung war zur Behandlung in einen Krankentransportwagen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gebracht worden. 

Mann greift Rettungssanitäter an 

Dann geschah das Unfassbare: Der Mann holte zum Schlag aus und griff einen Rettungssanitäter an. Die Besatzung des Wagens konnte den Angriff abwehren und den Mann mithilfe des Ordnungsamtes bis zum Eintreffen der Polizei fixieren. 

Neben einer zerrissenen Einsatzhose wurde bei der Auseinandersetzung eine Schiebetür des Fahrzeugs beschädigt. Der 52-Jährige wurde ins Krankenhaus eingeliefert. 

Alexander Fischer, Rotkreuzleiter, war vor Ort. Er betont: „Das Ganze war auch der Situation geschuldet. Der Mann befand sich aufgrund der Kopfverletzung in einer Extremsituation. Er hatte es sicher nicht von Anfang an vor, uns anzugreifen.“ 

Vielmehr störten ihn die zahlreichen Gaffer. Mit Handykameras und sogar einer Spiegelreflex sei „ordentlich draufgehalten worden, bis die Polizei einschritt“, berichtet der ehrenamtliche Retter. 

Respekt vor Rettern schwindet 

Auch Feuerwehrmann Stoßberg erklärt: Zwar nähmen solche Angriffe zu – in Altena sei ihm allerdings bisher kein vergleichbarer Fall bekannt, bei dem Rettungskräfte attackiert wurden. Das heiße aber nicht, dass der Respekt vor den Rettern nicht immer weniger werde, betont er. Immer wieder würden sie bei Einsätzen bepöbelt. 

So auch vor ungefähr zwei Monaten in der Rahmede: Ein Baum war dort auf die Fahrbahn gestürzt. Als die Helfer das Hindernis zur Seite schafften, wurden sie von einer älteren Dame bepöbelt – sie „wolle durch und hätte einen dringenden Termin“. „Einfach unglaublich“, sagt Stoßberg. 

Gaffer seien ein großes Problem 

Auch bei anderen Einsätzen käme es zu Pöbeleien. „Dann werden schon mal Pylonen zur Seite geschoben und die Autos drängeln sich durch.“ Auch die vielen Gaffer seien ein großes Problem. „Manchmal sind Bilder schon vor Eintreffen der Retter im Internet“, erzählt Stoßberg. Und dann „brodelt die Gerüchteküche“. 

Dagegen könne man „leider nicht viel machen“. Schließlich seien die Feuerwehrleute mit dem Einsatz beschäftigt. „Wenn die Polizei zeitgleich da ist, dann passiert glücklicherweise weniger.“ 

Für den 52-jährigen Altenaer hat der Angriff vom Wochenende jedoch Konsequenzen: Ihn erwartet ein Strafverfahren wegen versuchter Körperverletzung und Sachbeschädigung.

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