Altena kann von Japan lernen

Professor Doktor Thorsten Wiechmann (kleines Bild) von der Technischen Universität zu Dortmund (TU) koordiniert den Austausch mit der japanischen Hochschule Ryukaku aus Kyoto. Gestern war er mit Gaststudenten im Rathaus. Fotos: Bonnekoh

Altena -  Die Kleinstadt Fukuchimaya liegt im Norden der Präfektur Kyoto. Tausende von Kilometern trennen sie und Altena. Und doch haben beide Kommunen, einwohnertechnisch vergleichbar aufgestellt, etwas gemeinsam: Sie drückt die Demografie.

Das war einer der Anknüpfungspunkte eines Studentenbesuches, den Dienstag, 18. März, Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein im Rathaus empfing. Frauen und Männer, die an der Ryukaku Hochschule (übersetzt Drachental) in Kyoto studieren, sind zurzeit in Deutschland unterwegs, um hier vor Ort das Problem Demografie und den Umgang damit kennen zu lernen. Betreut werden sie von Professor Doktor Thorsten Wiechmann von der Technischen Universität Dortmund (TU). Der Leiter des Fachgebietes Raumordnung und Planungstheorie an der TU war kürzlich selbst schon zwei Mal mit deutschen Studenten im Land Nippon. Sein Fazit: „Japan ist uns weit voraus!“

„Dort“, so sagte er am Rande eines in englischer Sprache von Dr. Andreas Hollstein vorgetragenen Vortrages im Ratssaal zu und über Altena, sei die Bewältigung demografischer Probleme „mindestens 30 Jahre weiter als in Deutschland.“ Denn Japan habe anders, als Deutschland, ein großes Problem: „Dort gibt es im Gegensatz zu uns überhaupt keine Zuwanderung.“ Das reiße gewaltige Lücken. In Japan gäbe es aktuell auch mehr als 100 000 Menschen, die älter als 100 Jahre seien. Ganze Landstriche, Dörfer und kleine Städte hätten teils Bevölkerungsschnitte von 70 Jahren plus.

Altena steht auch vor einer Überalterung – wie Duisburg. Auch dort werden die japanischen Gäste vorbei schauen und diese einstige Stahlmetropole mit der 500 000 Einwohner-Stadt Amagasaki zuhause vergleichen.

„Wie geht man mit Schrumpfung um?“ – Diese zentrale Frage beschäftigte gestern die Gäste aus Japan, aber auch Gastgeber Dr. Andreas Hollstein. In Japan, so sagten sie ihm, gleiche Technik viel aus. Roboter hielten Einzug im Haushalt, Städte und Kommunen bauten gar Rolltreppen im Ort, damit die Wege für alte Menschen leichter werden. Und sie setzten auf eine starke Selbstbeteidigung der Senioren. „In Japan gibt es kaum einen Ruf nach dem Staat“, hörten die deutschen Gastgeber.

Mit Stellwerk, Ehrenamt, aber auch Projekten wie Stadtumbau und Eventaufzug, zeichnete Hollstein den Altenaer Weg nach. Daraus ergaben sich viele interessante Gesprächspunkte mit den weitgereisten Gästen aus Asien. - von Johannes Bonnekoh

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