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Für Security kein Geld: Einzelhandel im MK sieht Probleme bei der Umsetzung der 2G-Regel

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Von: Thomas Bender

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Auf die Geduld ihrer Kunden baut die Buchhändlerin Gerlinde Fuhrmann.
Auf die Geduld ihrer Kunden baut die Buchhändlerin Gerlinde Fuhrmann. © Veelen, Marie

Es ging wieder einmal alles holterdiepolter. Am Freitagnachmittag hoffte Alexander Schmitz noch, dass nicht er, sondern das Ordnungsamt die Einhaltung der 2G-Regel im Einzelhandel kontrollieren wird.

Altena – „Ich hänge ein Schild an die Tür, dass hier 2G-Pflicht ist, und dann bin ich fertig damit“, sagte Alexander Schmitz. Und an nicht-geimpfte Kunden werde er auch weiterhin verkaufen, allerdings wie beim letzten Lockdown draußen auf der Straße: „Wenn ein Kunde bedient werden möchte, dann wird er auch bedient“, stellt der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins für sein Elektrofachgeschäft klar.

Die Spitzenverbände des Einzelhandels befürchten durch die 2G-Pflicht massive Umsatzeinbußen. Welche Folgen das für ihr Geschäft haben wird, könne sie nichtabschätzen, sagte Gerlinde Fuhrmann, Inhaberin der Buchhandlung Katerlöh. Sie sieht ebenfalls Schwierigkeiten bei der Umsetzung der 2G-Regel: „Soll ich mir jetzt eine Security vor die Tür stelllen? Das kann ich mir nicht leisten.“ Im Zweifel werde sie ihre Kunden bitten, solange im Eingangsbereich zu warten, bis sie Zeit habe, deren Impfstatus zu überprüfen.

Für Security kein Geld: Einzelhandel kritisiert Umsetzung der 2G-Regel

Ausgenommen von der 2G-Regel sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, heißt es in der Verordnung. Das geht weit über die Supermärkte, Drogerien und Apotheken hinaus. Edle Öle und kostbarer Kaffee sind vielleicht nicht unbedingt Dinge des täglichen Bedarfs, wohl aber Lebensmittel – und im Einzelhandel mit Lebensmitteln gilt 2G ausdrücklich nicht.

Davon profitiert neben Spelsberg Genussvoll auch Christiane Haupt mit ihrem Laden Gaumenfreu(n)de, die weiterhin jedermann in ihr Geschäft lassen darf, solange er denn Maske trägt. Die Geschäftsfrau hat ein grundsätzliches Problem mit der 2G-Regel: Es sei Aufgabe der Politik, eine Impfpflicht durchzusetzen, meint sie. Die drücke sich davor, versuche es stattdessen jetzt mit großem Druck auf Ungeimpfte durch die Hintertür. Ihr ist das auch deshalb nicht geheuer, weil sie beobachtet, dass Geimpfte dazu neigen, wieder sorgloser zu werden und beispielsweise Abstände nicht mehr einhalten, obwohl natürlich auch sie das Virus in sich tragen können.

2G-Regel: Einzelhandel schwer getroffen

Von der 2G-Regel betroffen sind auch die Filialen von Kik und Ernstings Family. Die Geschäftsführer dieser beiden Ketten nehmen kein Blatt vor den Mund. Der Spiegel zitiert Timm Homann, den Chef von Ernstings Family, mit den Worten „Dagegen werden wir klagen, bis zum letzten Euro“. Kik-Chef Patrick Zahn sagte zum Handelsblatt: „Diese Maßnahmen bringen für die Bekämpfung der Pandemie nichts, richten aber einen großen Schaden im Einzelhandel an.“ Er geht von 30 Prozent weniger Umsatz aus.

Die Textilhändler beklagen auch, dass Discounter und in Drogeriemärkte vermehrt Kleidung anbieten, während ihre Geschäfte behindert würden. Das ist ein Phänomen, über das sich seinerzeit auch der Zweiradhändler Jan Slejfir ärgerte: Aldi dürfe Fahrräder verkaufen und er nicht. Das sei nicht einzusehen, schimpfte er damals.

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